Aus der erhofften Theaterbühne im B-Bau wurde es zwar nach Intervention des Kreistags nicht, doch die Freude am Theaterspielen hat das am MGF-Gymnasium nicht getrübt. Kurzerhand wurde die provisorische Studiobühne im B-Bau aufgelöst und in die historische Aula "verfrachtet" worden. Zur Einweihung führt Schulleiter Horst Pfadenhauer höchstpersönlich Regie. Gespielt wird Ludwig Tiecks Fassung "Der gestiefelte Kater".


Blick auf die Plassenburg


Die Achtklässlerin Pia Kolb sitzt auf einem Hocker und räkelt sich wohlig. Sie spielt die Hauptrolle. Eine Kulisse fehlt ebenso wie ein Vorhang oder sonstiges Zubehör. Lediglich ein Tisch und ein paar Stühle stehen auf der Bühne im vorderen Bereich der Aula.

Nach dem Tod des Bauern hat in dem Stück der jüngste Landwirtssohn Gottlieb (Frederik Barth) den Kater geerbt. Und er staunt nicht schlecht, dass der Kater sprechen kann und sich sehnlichst Stiefel wünscht. Eine Stelle, an der es Protest aus dem "Publikum" gibt.


Zuschauer auf der Bühne


Denn Ludwig Tieck hat in seiner Märcheninterpretation die Zuschauer gleich mit auf die Bühne gesetzt. Immer wieder steht irgend jemand auf und unterbricht die Schauspieler oder Musiker. Und die lassen sich nur allzu leicht aus dem Konzept bringen, vergessen Einsätze. Die Gratwanderung am Rande des Chaos ist gewollt.

"Der Dichter macht sich den Stoff zunutze, um die damaligen Missstände des Theaterbetriebs und vor allem die Borniertheit eines auf seine Bildung pochenden Publikums in satirischer Weise aufs Korn zu nehmen", erklärt Horst Pfadenhauer. Der Schulleiter mit einem ausgeprägten Faible fürs Theater hat selbst die Gesamtleitung übernommen. Als Regieassistentin fungiert Sarah Ferner.


"Behutsam modernisiert"


"Wir haben es uns nicht nehmen lassen, das Originalstück mehr oder minder behutsam zu modernisieren. Es wird auch Anspielungen auf aktuelle Kulmbacher Gegebenheiten geben", verrät Pfadenhauer. Man darf gespannt sein.

"Wir wollen quasi die Wiedereinweihung der MGF-Aula als Musenort der besonderen Art", erklärt der Schulleiter. Jahrzehntelang sei der Raum als Kunstsaal genutzt worden. Bis zu 120 Besucher haben Platz und nicht nur einen hervorragenden Blick auf die Bühne, sondern durch die Bogenfenster auch auf die Plassenburg.


Als Begegnunsort konzipiert


"Mit der Umwidmung und Wiedereinweihung tragen wir dem Schöpfer, dem berühmten Kulmbacher Architekten und Stadtbaurat Ferdinand Brandt Rechnung, der die historische Aula bei seinen Planungen aus dem Jahr 1891 als zentralen Versammlungs- und Begegnungsort vorgesehen hatte", so Pfadenhauer. "Momentan bemüht sich unsere Schule, den Raum noch vor der anstehenden Sanierung des Hauptbaus wieder für größere Veranstaltungen nutzbar zu machen", sagt der Schulleiter.

Und aus diesem Grund soll auch der Erlös des Theaterstückes als "Grundkapital" für die Sanierung des Raumes verwendet werden. "Wir wollen unserer Aula etwas von ihrer verloren gegangenen Würde zurückgeben", erklärt der Schulleiter und hofft natürlich auf großen Anklang und Freude an dem gesellschaftskritischen Dreiakter mit Zwischenspielen der besonderen Art. Fast ausnahmslos bewegen sich die zum ersten Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten.


Die Termine


Die Schauspielgruppe der MGF-Mittelstufe zeigt Ludwig Tiecks Theaterstück "Der gestiefelte Kater" am heutigen Freitag und am morgigen Samstag, jeweils um 19 Uhr in der historischen Aula, die befindet sich im Hauptbau, Zimmer 205.