Kann man das frühere Produktionsgebäude einer insolventen Metzgerei, das unweit der Flutmulde im Überschwemmungsgebiet steht und dessen Keller bei Hochwasser regelmäßig absäuft, an den Mann bringen? Ja, man kann! So geschehen am Dienstag am Amtsgericht Bayreuth, wo der zweite Versteigerungstermin für das Betriebsgebäude der Metzgerei Weiß in der E.-C.-Baumann-Straße 24 über die Bühne geht: zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.

Verkehrswert 535.000 Euro

Der kleine Sitzungssaal ist mit zehn Zuhörern gut gefüllt. Dabei wissen aber wohl nur die beiden Vertreter der Kulmbacher Bank, die die Versteigerung betreibt, wer ein wirklicher Interessent ist. Die Immobilie und das über 5300 Quadratmeter große Grundstück - bisheriger Eigentümer ist Thomas Weiß - haben laut Sachverständigengutachten einen Verkehrswert von 535 000 Euro.

Das erste Gebot gibt der Bauunternehmer Bernd Stübinger aus Kulmbach ab. Kaum vernehmbar sagt er: 60.000 Euro. Schließlich meldet sich ein zweiter Interessent: Bogdan Hollert aus Rugendorf. 70.000 Euro bietet er. Markus Wehrfritz von der Kulmbacher Bank blickt skeptisch in die Runde. Er weiß, dass beide Gebote aufgrund der Fünf-Zehntel-Regelung von Amts wegen zurückzuweisen sind.

Ein Zuhörer fragt nach Altlasten im Boden, nach der Statik des Gebäudes? Er bekommt das Gutachten zur Einsicht. Dann herrscht wieder Ruhe im Raum.

Kurz vor Ende der Bieterstunde geht erneut Bernd Stübinger nach vorne an den Tisch der Rechtspflegerin. Er erhöht auf 270.000 Euro. Damit liegt er knapp über der Hälfte des Verkehrswerts, aber immer noch unterhalb der Sieben-Zehntel-Grenze.

"Nicht mehr zu erzielen"

Somit hätte die Bank als Gläubigerin noch ein Widerspruchsrecht. Über das Gesicht von Markus Wehrfritz huscht der Anflug eines Lächelns: "Es kann Zuschlag erteilt werden", sagt er namens der Kulmbacher Bank. Hernach erklärt er auf Nach frage: "Unter den gegebenen Umständen war nicht mehr zu erzielen. Zufrieden können wir aber nicht sein."

Immerhin ist für die Kulm bacher Bank eine Grundschuld von mehr als 600.000 Euro im Grundbuch eingetragen. Es ist also davon auszugehen, dass die Verbindlichkeiten wohl noch viel höher sind. Dazu geben die Vertreter des Geld instituts allerdings keine Auskunft. Bankgeheimnis, heißt es lapidar. Vom Versteigerungserlös gehen außerdem noch die Gerichts- und Verfahrenskosten in Höhe von 12.000 Euro ab sowie gut 13.000 Euro, die die Stadt als rückständige Grundsteuer angemeldet hat.

Auch Bernd Stübinger, der vorher schon das Weiß-Stammhaus in der Langgasse 17 erstanden hat, äußert sich nicht dazu, was er mit dem Gebäude vorhat. Eine Metzgerei wird es dort jedenfalls nicht mehr geben. Obwohl die Maschinen alle noch vorhanden wären.

Rugendorfer Fellhandel will erweitern

Bogdan Hollert, der im Rugendorfer Ortsteil Feldbuch einen Fellhandel betreibt, hat sich ebenfalls ernsthaft für die Immobilie interessiert. "Wir wollen erweitern", sagt er beim Verlassen des Gerichtssaales - und dafür benötigt man ein geeignetes Gebäude im Raum Kulmbach. Was ihn skeptisch gemacht hat: Ob die Statik des Versteigerungsobjekts durch die Hochwasserschäden nicht doch beeinträchtigt ist. Bogdan Hollert muss jedenfalls unverrichteter Dinge abrücken und weiter nach geeigneten Räumlichkeiten suchen.