Merkwürdig nur, dass andere Menschen das anders sehen. Nehmen Sie nur mal den Schwan: Aus hauchdünnem Glas hergestellt, ein paar feine weiße Federchen als Schwanz, ein Krönchen auf dem Kopf - so saß er, mit einem Klämmerchen festgezwickt, jahrelang im Weihnachtsbaum meiner Großeltern. Anfassen durfte ich ihn nie. Er sei zu empfindlich, hieß es.

Trotz aller Sorgfalt ging der Schwan irgendwann zu Bruch und eigentlich hatte ich den Vogel schon vergessen. Bis mir vor einigen Jahren bei einem Besuch in einer Glasmanufaktur in Lauscha in Thüringen genau so ein Schwan ins Auge fiel. Gläsern, weiß, mit Federschwanz und Krönchen auf dem Kopf.

Seither sitzt der Schwan Jahr für Jahr auf seinem Fichtenzweig und ich bin Jahr für Jahr aufs Neue begeistert. Leider als einzige in meiner Familie.
Mittlerweile hat der Schwan Gesellschaft von etlichen kleinen Vögelchen bekommen, ebenfalls aus Glas, ebenfalls mit Federschwänzchen. Dass auch diese Vögelchen bei meinen Mitbewohnern keine überbordende Begeisterung auslösen, war fast zu erwarten.

Aber allen, die meinen wunderbaren Schwan als Kitsch abtun, sei's gesagt: Es geht noch schlimmer! Bei einem Kurzbesuch bei Freunden habe ich dieser Tage einen Engel aus jener Lauschaer Glasmanufaktur gesehen. Dick, pausbackig und golden. Da sag' ich nur: Mein lieber Schwan!