Alle Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen haben zum Jahresende Post bekommen: Das neue Jahr bringt für sie eine Reihe von Veränderungen, denn die Pflegeversicherung wurde komplett neu strukturiert. Dadurch ändern sich auch Art und Umfang der Leistungen. Statt des bisherigen Systems mit drei Pflegestufen und Härtefallregelungen gibt es ein neues System mit fünf Pflegegraden.

Angst vor Verschlechterungen braucht dabei niemand zu haben - im Gegenteil: Viele Leistungsempfänger bekommen künftig mehr Pflegegeld und höhere Budgets für Sachleistungen, stationäre Heimbewohner zahlen künftig einen einheitlichen Eigenanteil - unabhängig vom Umfang der Pflegebedürftigkeit. Das bringt fast allen eine spürbare Entlastung, vor allem den Schwerpflegebedürftigen.

Das zeigt das Beispiel von Anna R. (Name geändert). Sie hat derzeit die bislang höchste Pflegestufe III mit eingeschränkter Alltagskompetenz. Dafür bekommt sie den Höchstsatz an Leistungen der Pflegekasse. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Ohne gesonderten Antrag erhält sie ab Januar Pflegegrad 5.

Damit bekommt sie künftig monatlich 2005 Euro von der Pflegekasse statt bislang 1612 Euro. Die Gesamtkosten für den Heimplatz belaufen sich monatlich auf 3517 Euro (ohne Investitionskosten und Einzelzimmerzuschlag). Ihr Eigenanteil an den Pflegekosten beträgt künftig 1512 Euro. Bisher waren es mehr als 1800 Euro. Die neuen Pflegegrade sollen eine feinere Differenzierung des Pflegebedarfs ermöglichen - und damit auch Leistungen für diejenigen, deren Hilfebedarf nicht so hoch ist, dass er für eine Einstufung nach dem alten System gereicht hätte.

Grundsätzlich gilt: Wer bereits eine Pflegestufe hat, erhält automatisch einen eine Stufe höheren Pflegegrad, bei eingeschränkter Alltagskompetenz wird sogar zwei Grade höher eingestuft, erläutert Uwe Gieselmann, Heimleiter im Wohnstift und verantwortlich für den Fachbereich Wohnen und Pflege für Senioren bei der Diakonie.

Rund 3300 Menschen im Landkreis Kulmbach erhalten derzeit Leistungen von der Pflegeversicherung. 900 Landkreisbewohner leben in Senioren- und Pflegeheimen, etwa 750 nehmen Sachleistungen der Pflegeversicherung in Anspruch und lassen sich von ambulanten Pflegediensten unterstützen, rund 1650 Menschen erhalten Pflegegeld und werden von Angehörigen gepflegt. Diese Zahlen ergeben sich aus dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept des Landkreises. Die Prognosen gehen davon aus, dass es 2020 bereits 3500 Pflegebedürftige sein werden. Tendenz: steigend.

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff steigt die Zahl der Menschen, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben, da die Unterstützung deutlich früher ansetzt, so Reinhard Mücke, Leiter der Diakonie-Sozialstation. In den Pflegegrad 1 werden künftig erstmalig Menschen eingestuft, die noch keine erheblichen Beeinträchtigungen haben, aber schon in gewissem Maß eingeschränkt sind. "Positiv an der Pflegereform ist, dass der Gesamthilfebedarf stärker berücksichtigt wird - unabhängig davon, wie hoch der Anteil von Pflege oder Hauswirtschaft ist."


Das sind die neuen Leistungen

Pflegegrad 1: bis zu 125 Euro Entlastungsbetrag, frei einsetzbar

Pflegegrad 2: 316 Euro Pflegegeld; 689 Euro Sachleistung; 770 Euro vollstationäre Pflege

Pflegegrad 3: 545 Euro Pflegegeld; 1298 Euro Sachleistung; 1262 Euro vollstationäre Pflege

Pflegegrad 4: 728 Euro Pflegegeld; 1612 Euro Sachleistung; 1775 Euro vollstationäre Pflege

Pflegegrad 5: 901 Euro Pflegegeld; 1995 Euro Sachleistung; 2005 Euro vollstationäre Pflege


Alle wichtigen Informationen zu den Leistungen des Pflegegestärkungsgesetzes, kostenlose Broschüren und alle Unterstützungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen finden Sie hier.