Das hat so manchen überrascht: Während in Kulmbach mit allen Kräften versucht wird, einen Medizin-Campus zu installieren, hat man von den universitären Bestrebungen der RegioMed-Kliniken, zu denen die Häuser in Lichtenfels und Coburg gehören, bis dato wenig gehört. Jetzt haben die RegioMed-Kliniken aber Nägel mit Köpfen gemacht. In Kooperation mit der Uni in Split (Kroatien) richten diese ein Studienangebot der Humanmedizin ein - für all die, die den Numerus clausus (NC) nicht erfüllen, aber dennoch Arzt werden wollen.


RegioMed kooperiert mit Kroatien

Wie Kulmbach will auch der Gesundheitsverbund RegioMed, dessen Kliniken sich in Bayern und Thüringen befinden, Nachwuchsmediziner ausbilden und dem Ärztemangel in der Fläche entgegenwirken. 25 Studenten werden pro Jahr aufgenommen.

Diese absolvieren die ersten drei der insgesamt sechs Studienjahre in Kroatien, wo sie auf Englisch unterrichtet werden. Im vierten Studienjahr wechseln sie nach Oberfranken. Hier sollen sie ihre Kenntnisse im klinischen Bereich verbessern - auch in Lichtenfels und Coburg. Das Studium wird mit dem Titel "Medical Doctor" abgeschlossen, der laut RegioMed EU-weit anerkannt ist.


"Unser Ziel ist umfassender"

"Alles, was sich in diesem Bereich tut, ist für Oberfranken positiv", sagt Kulmbachs OB Henry Schramm (CSU). Das Vorhaben der RegioMed-Kliniken ("Ein privatwirtschaftlicher Konzern hat es bei der Umsetzung viel leichter"), sieht er nicht als Konkurrenz. In Kulmbach werde ein "umfassenderes Ziel" verfolgt. Während die Studierenden bei RegioMed ab dem vierten Jahr praktische Erfahrungen in Oberfranken sammeln, sollten diese in Kulmbach wenn möglich schon ab dem ersten Jahr studieren.

Zusammen mit einer ausländischen Universität wolle man einen "Medizin-Campus Oberfranken" installieren, von dem die ganze Region profitieren könnte. Das Klinikum ("als Lehrkrankenhaus") sollte ebenso Partner sein wie die Uni Bayreuth, an der Fächer wie Chemie oder auch Biologie unterrichtet werden könnten. "Wir wollen ein oberfränkisches Netzwerk", stellt Schramm fest.


Die Machbarkeitsstudie

Eingerichtet werden soll der Campus in früheren Kulmbacher Spinnerei-Gebäuden, die dafür saniert werden müssen. Damit das Projekt in Angriff genommen werden kann, ist Schramm zufolge eine dreistellige Studentenzahl vonnöten. Vor allem aber braucht man erst einmal eine Partner-Uni. Von 20 bis 25 Kandidaten hat Klaus Nagels im September 2015 gesprochen.

Nagels ist Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Uni Bayreuth. Er leitet die Machbarkeitsstudie, die von der Oberfrankenstiftung finanziert wird und die Frage beleuchtet, ob das Projekt in der Stadt Kulmbach realisierbar ist. Er nannte Hochschulen in Budapest, Graz, Pilsen, Maastricht und Riga. "Wir haben mehrere heiße Eisen im Feuer", hat OB Schramm im September gesagt.


Im April geht es auf Reise

Jetzt haben sich die Verhandlungen offenbar konkretisiert. Die Stadt steht mit zwei möglichen Kooperationspartnern im engen Kontakt, wie Schramm mitteilt. "Wir werden schon im April zwei Unis besuchen und über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sprechen." In welche Länder die Kulmbacher Delegation reist, das wollte er nicht verraten.


Mehr Fakten in sechs Monaten?

Der Oberbürgermeister ist davon überzeugt, dass der Medizin-Campus realisiert werden kann. "Ich gehe davon aus, dass wir in einem halben Jahr sagen können, mit wem wir es angehen wollen." Sollte es tatsächlich klappen, wäre das ein großer Gewinn. Es sei wichtig, junge Leute nach Kulmbach zu holen.
Schramm hofft, dass sich der eine oder andere Student, der die Region während seiner Ausbildung schätzen lernt, in Kulmbach niederlässt und so auch hilft, der Unterversorgung mit Ärzten auf dem Land gegenzusteuern.