Barmherzigkeit ist vielfältig. Laut Bibel drückt sie sich in dem Umgang mit den Mitmenschen aus. "So gehört dazu, Hungrige zu speisen, Durstige zu tränken, Fremde zu beherbergen, Nackte zu kleiden, Kranke zu pflegen, Gefangene zu besuchen und Tote zu bestatten", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Rummelsberger Diakonie, Günter Breitenbach, bei der Eröffnung.

Im Auftrag der Rummelsberger Diakonie hat sich der Münchner Installations-Künstler Martin Schmidt auf moderne Art mit den Werken der Barmherzigkeit auseinandergesetzt - und dabei die Ansprüche neu interpretiert und teils mit Hintersinn und pointiert.

So hat er als Sinnbild für die Maßgabe, Hungrige zu speisen, eine Gourmetmenü mit Austern mit Bleistift gezeichnet. Durstige zu tränken ist durch Wasserkästen symbolisiert. Die Bilder des Münchner Künstlers sind 1,90 mal 1,40 Meter groß. "Der Mantel ging dem Künstler gut von der Hand, dieses Bild hat er in 26 Stunden gemalt - aber für die anderen Bilder hat er über 300 Stunden gebraucht", ist Breitenbach fasziniert von den gigantischen Bleistiftzeichnungen. Der Künstler beginnt links oben, fertigt das Bild dann in einem Duktus, ohne auch nur ein einziges Mal zu radieren.

Sehr modern und zeitgemäß bildet Schmidt die Forderung ab, Kranke zu besuchen. Denn er hat OP-Lampen aus dem Blickwinkel des Operierten abgebildet. Und um zu verdeutlichen, dass man Gefangene besuchen soll, hat er eine Gefängnistür aus Bamberg gezeichnet.

Sehr beeindruckt zeigten sich die Besucher bei der Vernissage auch von der Interpretation "Tote zu bestatten". Denn Martin Schmidt hat ein bröckelndes Grab gezeichnet - so detailliert und realistisch, dass der Betrachter fast den Eindruck hat, vor einem Foto zu stehen.

Bis zum 7. Juli - an diesem Tag feiert das Haus Schmeilsdorf sein Jubiläumsfest - kann diese Neuinterpretation der Werke der Barmherzigkeit im Foyer des Landratsamtes bewundert werden.

Martin Schmidt ist 1963 in München geboren, hat sich eigentlich der Kunst am Bau und der Bildhauerei verschrieben. Doch seine Zeichnungen haben ein ungeheueres Potenzial, rühren die Herzen der Betrachter und sorgen für Nachdenklichkeit. Aus persönlichen Gründen konnte der Künstler bei der Vernissage im Landratsamt nicht dabei sein.