Uome und die Mitarbeiter der Verwaltung seien "sehr überrascht" gewesen, als die Kommune im Zuge der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags zum gesetzlich eingeräumten Vorkaufsrecht befragt wurde, so das Gemeindeoberhaupt.

Zuletzt hatte sich Uome unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2014 mit Eigentümer Kocaoglu in Verbindung gesetzt und die Begleichung der Steuer- und Gebührenschulden in nicht unerheblicher Höhe erreicht, die bei der Marktgemeinde Marktleugast aufgelaufen waren. Danach herrschte wieder Funkstille.


Seit Mitte der 1990er-Jahre leer

Schon seit Mitte der 1990er-Jahre stand das einst so beliebte Ausflugslokal leer, nachdem die Familie Kögler den Betrieb aufgegeben hatte und das Anwesen vorübergehend als Asylantenwohnheim genutzt worden war.
Der früher im Raum Hof ansässige Geschäftsmann Recep Kocaoglu hatte das "Rehbachtal" dann 1997 im Rahmen einer
Zwangsversteigerung erworben. Aus seiner Ankündigung, das Anwesen wieder gastronomisch zu nutzen, wurde nichts. Das "Rehbachtal" blieb leer, Kocaoglu verzog später in den Raum Oberhausen.

In der Nacht zum 10. März 2006 dann das Aus: Unter der enormen Schneelast eines harten Winters stürzte das Dach des Hauptgebäudes ein. Neuerliche Ankündigungen Kocaoglus, das Haus wieder aufzubauen, blieben ebenso unerfüllt wie die Zusage, Aufräumarbeiten vornehmen zu lassen. Lediglich Absperrmaßnahmen ließ der Geschäftsmann durchführen.


Tauschgeschäft vorgeschlagen

Auch der Marktleugaster Gemeinderat beschäftigte sich in der Folgezeit noch mehrmals mit dem Problemfall "Rehbachtal". Unter anderem ging es um die Verkehrssicherungspflicht und die nachteiligen Auswirkungen des Schandflecks auf den Tourismus - und 2011 um ein überraschendes Angebot von Recep Kocaoglu: Er hatte der Kommune das komplette Grundstück samt Gebäuden angeboten, wenn ihm die bei der Gemeinde aufgelaufenen Schulden erlassen würden. Das aber wollte der Gemeinderat nicht akzeptieren, zumal für den Abriss der Ruine mit Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich zu rechnen war, wie es damals hieß.

Nach fast zehn Jahren, in denen auch nicht das Geringste zum Schutz der Bausubstanz unternommen wurde, ist das Gebäude weiter in sich zusammengebrochen. Inzwischen gibt es auch Schäden am nebenstehenden Bettenhaus.

Michael Kühnel, Obmann der Neuensorger Ortsgruppe des Frankenwaldvereins, ist darüber natürlich nicht erfreut. "An einem schönen Wochenendtag haben wir weit über 100 Wanderer auf dem Mühlenweg, die an der Ruine vorbeilaufen. Und manche parken sogar davor. Eine Fremdenverkehrswerbung ist das nicht", sagt der Neuensorger und wünscht sich, dass sich endlich etwas tut.


Weiter Geduld nötig

Was nach dem Eigentümerwechsel nun aus dem Rehbachtal, den Nebengebäuden und dem rund 3300 Quadratmeter großen Grundstück wird? Bürgermeister Franz Uome hat auf diese Frage derzeit keine Antwort. Zunächst einmal müsse man die Abwicklung des Kaufvertrags abwarten. Zu gegebener Zeit werde man dann versuchen, Kontakt mit dem neuen Eigentümer aufzunehmen und herauszufinden, welche Pläne ein englischer Investor mit einem Grundstück im Fränkischen hat. "Mehr kann man dazu momentan noch nicht sagen."