Vor fast genau 175 Jahren - am 15. Oktober 1846 - wurde die Eisenbahnstrecke Lichtenfels-Mainleus-Kulmbach-Neuenmarkt eröffnet. Das Bahnhofsgebäude in Mainleus wurde ein Jahr später, am 26. November 1847, in Betrieb genommen. Mainleus hatte seinerzeit knapp 500 Einwohner. Seitdem hat sich viel geändert. Die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen, die damals verkehrten, gibt es schon lange nicht mehr. Das Bahnhofsgebäude wurde seit Jahrzehnten nur noch privat genutzt (Mietwohnungen, Gastronomie). Jetzt steht die nächste große Änderung bevor: Der Markt Mainleus hat das Bahnhofsgebäude gekauft.

Der Komplex, dessen Errichtung damals 18 362 Gulden (umgerechnet etwa 245 000 Euro) kostete, wurde mit Sandsteinquadern errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Untergebracht waren einst ein Wartesaal und eine Kasse für die Reisenden sowie eine Wohnung des Bahnhofsvorstehers. Es gab ein Waschhaus und eine Bahnwärterkaserne.

In dieser Woche hat die Gemeinde das markante Gebäude in der Ortsmitte von einer Privatperson erworben. "Der Markt hat ein Denkmal gekauft, ein Stück Mainleuser Geschichte", erklärte Bürgermeister Robert Bosch (CSU). Ohne Bahnhof hätte es keine Industrialisierung, keine Spinnerei gegeben. Gemeinsam mit dem Rathausumfeld, dem Konrad-Popp-Platz und der Spinnerei bilde er das Zentrum des Marktes. "Deshalb hat das Denkmal einen würdigen Platz in der Ortsentwicklung verdient."

Was hat der Markt nun mit dem Gebäude vor? "Der Bahnhof soll zentraler Anlaufpunkt für den öffentlichen Verkehr sein, für Bus und Bahn. Beide könnten künftig auf dem Bahnhofsgelände integriert werden."

Auch soll der Bahnhof Besuchern künftig einen würdigeren Empfang bereiten, als das bisher der Fall ist. Er soll Treffpunkt und Wartebereich sein, der Aufenthalt angenehm. Deshalb sei es ein Ziel, das Gebäude "schöner und sichtbarer zu machen". Wie genau das alles aussehen wird, steht aber noch nicht fest.

Die Nutzung als Gaststätte und für Wohnungen kann laut Bosch weitergeführt werden. Die derzeitigen Mieter könnten alle bleiben. "Wir halten die Mietverträge ein." Im Obergeschoss befinden sich zwei Drei-Zimmer-Wohnungen, im Dachgeschoss eine Zwei-Zimmer- und eine Drei-Zimmer-Wohnung. Die gesamte Wohnfläche beträgt 259 Quadratmeter. Unten befinden sich zwei Gewerbeeinheiten (darunter ein ehemaliger Gastronomiebetrieb).

Für Bosch schließt sich mit dem Kauf des Anwesens, das eine Grundstücksfläche von 1247 Quadratmetern umfasst, ein Kreis: "Das Gebäude war 140 Jahre im staatlichen Eigentum bis zur Privatisierung in den 1990er Jahren. Nun ist der Bahnhof wieder in öffentlicher Hand." Das Gelände reicht bis zur Hauptstraße und umfasst mit den Teil, auf dem die große Plakatwand steht.