Je weiter man sich im Haus von Michael Kauer nach oben bewegt, umso wärmer wird es. Ein schmaler Hausflur führt rechter Hand zu einem Zimmer. Dort sind gerade drei Handwerker damit beschäftigt, eine Spanndecke einzuziehen. Aus dem Raum schlägt einem die Hitze förmlich entgegen. Nach kurzer Zeit beginnen die ersten Schweißtropfen zu perlen. Auch den Handwerkern sind die warmen Temperaturen und die Anstrengung anzusehen. Ihre Köpfe sind rot, der Schweiß rinnt übers Gesicht.

Nicht nur die extreme Hitze, die sich in ganz Deutschland in diesen Tagen ausgebreitet hat, sorgt für die hohen Temperaturen in dem kleinen Zimmer. Um die Spanndecke zu montieren, benötigen die Handwerker eine Heizkanone. Diese erhitzt den Raum auf 40 bis 50 Grad, erklärt Christoph Neske. Er und seine beiden Kollegen Andreas Keilholz und Bülent Gündüz arbeiten für den Malerfachbetrieb von Matthias Schirmer aus Mainleus. Die drei Handwerker haben - trotz der großen Hitze drinnen wie draußen - gute Laune.

Denn am Mittwoch - dem vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle - haben sie von ihrem Chef hitzefrei bekommen. Ebenso alle anderen Mitarbeiter des Betriebs. "Wir waren im Freibad und haben Eis gegessen", erzählt zum Beispiel Gündüz, was er mit der unerwarteten freien Zeit angefangen hat.

Feierabend um 14 Uhr

Um 14 Uhr entließ Matthias Schirmer seine insgesamt acht Angestellten am Mittwoch in den Feierabend. Nachgeholt werden müssen die Stunden nicht, wie er berichtet. "Das war einfach ein kleines Dankeschön von uns an unsere Mitarbeiter." Gute Facharbeiter seien nicht mehr an jeder Ecke zu finden. "Den Beschäftigten seine Wertschätzung zu zeigen, wird immer wichtiger."

Und bei solch heißen Temperaturen stoße der Körper einfach irgendwann an eine Grenze. "Im Speziellen natürlich hier, wo aus technischen Gründen zusätzlich aufgeheizt werden muss", sagt Schirmer. Neben der Gesundheit der Mitarbeiter spielt auch das Material eine Rolle. Dieses erreicht bei der Hitze ebenfalls seine Grenzen. "Bis wir den Pinsel an die Wand kriegen, ist die Farbe schon trocken", sagt Schirmer mit einem Augenzwinkern.

Positive Resonanz

Bei den Angestellten kam die Hitzefrei-Aktion gut an. Auch auf Facebook sei die Resonanz groß gewesen, erzählt Schirmer. "Das ist wirklich erstaunlich, weil für uns war das eigentlich keine große Sache." Seitens der Kunden habe es keine Beschwerden gegeben. Michael Kauer zum Beispiel, in dessen Haus in Himmelkron die Handwerker gerade arbeiten, sagt: "Mich als Kunde stört das überhaupt nicht. Ich komme selbst aus dem Handwerk und weiß, wie schwer es ist, Fachkräfte zu finden."

Hitzefrei gab es im Malerfachbetrieb von Matthias Schirmer am Mittwoch zum ersten Mal. Sollte es noch einmal zu so extremen Plusgraden kommen, würde der Malermeister die Aktion auch wiederholen, wie er erklärt.

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Ansonsten beginnen die Mitarbeiter an normalen Arbeitstagen ihre Arbeit früher als sonst, um auf diese Weise der Hitze zumindest teilweise auszuweichen. Bei Außenarbeiten plane man die Arbeiten im Vorfeld zudem so, dass die Maler mit dem Schatten ums Haus wandern können. Da es bei hohen Temperaturen wichtig ist, viel zu trinken, spendiert Schirmer seinen Angestellten Wasser. Auch auf die Bedeutung eine Kopfbedeckung habe er noch einmal hingewiesen. Abgesehen davon gebe es wenig, was man gegen die Hitze tun könne.

Das Dach als Hitzefalle

An Tagen mit ohnehin schon extrem heißen Temperaturen gibt es Orte, an denen es noch ein Stückchen heißer ist als andernorts. Zum Beispiel auf dem Dach, wo die Sonne richtig aufknallt. 50 Grad oder mehr sind dort keine Seltenheit. James Lutz bietet in seinem Trebgaster Dienstleistungsbetrieb unter anderem Dacharbeiten an. "Am Mittwoch haben wir um 15 Uhr aufgehört", berichtet er. "Die Hitze hat man einfach nicht mehr ausgehalten."

Auch Lutz spendiert seinen Mitarbeitern Wasser. "Logisch mache ich das. Ganz viel trinken ist wichtig. Fünf bis sechs Liter sind an solchen Tagen kein Problem", sagt er. Außerdem: Eincremen, Mütze oder Hut, Pausen und, wenn möglich, ein schattiges Plätzchen.

Manche Arbeiten müssen erledigt werden

Die Angestellten des Bauhofs der Stadt Kulmbach beginnen ihre Arbeit während der heißen Sommertage bereits um sechs Uhr. "Es gibt in unserem Aufgabenbereich einfach Sachen, die gemacht werden müssen", berichtet Bauhof-Leiter Michael Barnickel. Dazu zählen zum Beispiel Arbeiten, die nötig sind, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten - wie etwa das Beseitigen von Ölspuren oder Schlaglöchern. Auch terminlich sei man oft fest gebunden.

Was beispielsweise die Pflege der Pflanzen und Grünflächen betrifft, falle derzeit deutlich mehr Arbeit an. Statt einem Trupp aus zwei Personen ist hier aktuell die drei- bis vierfache Besatzung unterwegs, wie der Bauhof-Leiter berichtet. Um sich vor der Hitze zu schützen, sei mit das Wichtigste eine Kopfbedeckung. "Das Effektivste ist aber die Arbeitsumstellung", so Barnickel - also die Verlegung der schweißtreibendsten Arbeiten in die frühen Morgenstunden.

Auch die Maurer schwitzen

Hart treffen die hochsommerlichen Temperaturen natürlich gerade auch die Mitarbeiter von Baugeschäften. Seine Firma habe zurzeit einige Rohbauten, auf denen die Maurer den ganzen Tag über der Sonne ausgesetzt seien, sagt Hannes Popp vom gleichnamigen Kulmbacher Baugeschäft.

Um die Beschäftigten vor der ganz großen Hitze zu schützen, wird auch hier eine Stunde früher begonnen, damit sie eher in den Feierabend können. Auf Baustellen in Neubaugebieten ("Dort, wo man niemanden stört") geht es auch schon mal um 5.30 Uhr los.