An guten Worten, Aufmunterung und Unterstützung für Simon Moritz fehlte es bei der SPD-Delegiertenkonferenz im Bundestagswahlkreis 240 Kulmbach nicht. "Ehrlich, menschlich, zuverlässig", nannte der Lichtenfelser Kreisvorsitzende Sebastian Müller den 36-jährigen Kulmbacher.

"Genau der richtige Kandidat", meinte Kulmbachs OB Ingo Lehmann. Sein Lichtenfelser Kollege Andreas Hügerich attestierte Moritz "Leidenschaft für unsere Heimat".

Eine Herkulesaufgabe

Unterstützung der ganzen Partei signalisierte die Kulmbacher Kreisvorsitzende MdL Inge Aures, und der frühere Bundesligamanager der Bamberger Basketballer, Wolfgang Heyer ("Simon ist ein Top-Basketballschiedsrichter"), wünschte "viel Glück im Wahlkampf". Aber den Bundestagskandidaten für die Wahl am 26. September erwartet eine Herkulesaufgabe.

Die Delegierten des Bundestagswahlkreises 240 - dazu gehören die Landkreise Kulmbach, Lichtenfels und ein Teil des Landkreises Bamberg - trafen sich am Samstag digital. In Coronazeiten hielten sie Abstand und saßen zu Hause am Computerbildschirm.

Dabei wäre eine Versammlung im Wirtshaus zulässig gewesen. "Aber wir haben darauf verzichtet, das wäre niemand zu vermitteln gewesen", so Moritz, der sich über die breite Unterstützung der Genossen freute.

Vorne dran bei Digitalisierung

Mit den drei Regionen des Wahlkreises ist Moritz eng verbunden: geboren in Lichtenfels, fünf Jahre Studium und wissenschaftliche Tätigkeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, dann sechs Jahre an der Frankenakademie Schney beschäftigt, seit zweieinhalb Jahren selbstständig als Dozent in der politischen Bildung und als Digitalisierungsberater für kleinere und mittlere Unternehmen. Der Kandidat, seit 2008 im Stadtrat und seit 2014 Vorsitzender der Kreistagsfraktion, ist verheiratet und lebt in Kulmbach.

Applaus bekam Moritz für ein kurzes Wahlkampfstatement. Er sprach die Versäumnisse bei der Digitalisierung in Deutschland an und sagte: "Da müssen wir als SPD vorne dran sein." Die Chancen der Digitalisierung in der Coronakrise seien unstrittig. Was nach seiner Ansicht nicht geht, ist ein Masterplan, wie ihn viele von der Regierung fordern: "Das ist nicht möglich. Niemand weiß, wie die Welt in sechs Wochen ausschaut."

Gerechtigkeitslücke klafft weit auseinander

Was man aber heute schon wisse, so Moritz: "Corona schafft neue Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft und verstärkt bestehende Ungerechtigkeiten." Er sprach Bildungsnachteile für Kinder und Jugendliche an sowie Existenzsorgen von Soloselbstständigen, kleinen und mittleren Unternehmen. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Gerechtigkeitslücke noch weiter auseinanderklafft", sagte er.

Es dürfe nicht sein, dass Einschränkungen die Großen weniger treffen als die Kleinen, die keine Lobby haben. "Wir können nicht Einzelhändler und kleine Selbstständige in den Lockdown treiben, und woanders dürfen die Leute noch im Großraumbüro sitzen."

Bollwerk für Gerechtigkeit

Der Kandidat will den Menschen zuhören, auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen. Er will politisch nichts versprechen, was er nicht halten kann. Er will Haltung zeigen gegen Hetze und Rechtspopulismus sowie für eine starke Demokratie und eine offene Gesellschaft. Moritz: "Die SPD ist das Bollwerk gegen Rechtspopulismus und für soziale Gerechtigkeit. Dieses Vertrauen müssen wir ausstrahlen, nur so gewinnen wir neues Vertrauen."

Bei der geheimen Wahl im Netz (eine Gegenstimme) waren 51 Delegierte der Meinung: Mach's noch einmal, Simon! Wie 2013, als Moritz schon als SPD-Direktkandidat angetreten war und 22,8 Prozent der Erststimmen geholt hatte. Die Partei kam damals auf 21,5 Prozent Zweitstimmen.

Ärmel hochkrempeln und Vollgas geben

Im Nachgang findet noch eine Briefwahl statt, bei der die Delegierten ihre Stimme schriftlich abgeben. "Wir haben einen sehr guten Bundestagskandidaten mit überwältigender Mehrheit gewählt. Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln, Vollgas geben in den nächsten Monaten - dann packen wir es gemeinsam", sagte Sebastian Müller.

Ohne dass es am Samstag ausdrücklich gesagt wurde: Vor dem Kandidaten liegt eine schwierige Aufgabe. Die Bayern-SPD befindet sich seit Jahren im Abwärtstrend. Ein Ergebnis wie 2013 erscheint auch im Wahlkreis nahezu unmöglich. Bei der Bundestagswahl 2017 kamen die Sozialdemokraten auf 15,3 Prozent in Bayern und entsendeten 18 Abgeordnete in den Bundestag. Seitdem hat sich die SPD nach dem Bayerntrend des Bayerischen Rundfunks halbiert.

So geht's weiter

Das weitere Prozedere sieht so aus, dass zunächst die Oberfranken-SPD eine Reihung ihrer Kandidaten vornimmt. Danach folgt die entscheidende Landvertreterversammlung, die die Landesliste erstellt. Nach jetziger Einschätzung dürften nur die ersten neun bis zehn Kandidaten eine Chance haben, in den Bundestag einzuziehen.

Darüber, wo Moritz platziert wird, stimmen bei der Landesvertreterversammlung auch drei Kulmbacher Delegierte ab: der Kandidat selbst, Inge Aures und Heike Schweens. Ersatzdelegierte sind Sebastian Müller (Lichtenfels), Jonas Merzbacher (Bamberg) und Ina Dorsch (Lichtenfels).