Er musste zum Zahnarzt. Zahnschmerzen, kein schöner Termin. Aber für Helmuth Heller deshalb besonders ärgerlich, weil der Lösauer Gastwirt an diesem Tag sehr gern woanders hingegangen wäre: ins Gasthaus Räther in Oberzettlitz, als es um "sein" Thema ging. Als sich seine Kollegen trafen, um zum wiederholten Mal über das Wirtshaussterben in Franken zu diskutieren. Als Alexander Schütz der Kragen platzte.Als der ehemalige Sternekoch aus Wartenfels ("Ich komme aus der Spitzengastronomie, aber als normaler Landgasthof könnte ich zumachen") eine Brandrede hielt, die auch das Urgestein aus Lösau hätte halten können.


Kritk an Untätigkeit

Der 64-jährige Gastwirt aus Leidenschaft hat die Zahnbehandlung gut weggesteckt. Das Mundwerk funktioniert wieder, und mit etwas Verspätung spricht Heller jetzt Klartext. "Wir werden mit Steuern, Pflichtversicherungen und Verbandsabgaben überhäuft", sagt er und kritisiert die Untätigkeit von Politik und Hotel- und Gaststättenverband.

Es freut ihn, dass sich in Kulmbach eine Allianz gegen das Wirtshaussterben gebildet hat. Aber Politik und Fachverbände hätten sich viel eher um die Gastronomie kümmern müssen. "Jetzt kommen sie aus ihren Schlupflöchern. Jahrzehntelang hat sich nichts gerührt", kritisiert Heller.


Gründe für Schwierigkeiten

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung ("Heuer hatte ich Jubiläum, vor 40 Jahren hab' ich die Gastwirtschaft übernommen") sei ihm klar: "Es ist kein Wunder, dass die Gastronomie in Schwierigkeiten steckt." Die Gründe liegen laut Heller auf der Hand: immer mehr Bürokratie; Pflichtmitgliedschaften in Verbänden; Schwarzgastronomie; Vereine, die immer mehr Veranstaltungen in Zelten, Schulungsräumen und Hallen durchführen und von Staat mit wenig, teilweise überhaupt keiner Umsatzsteuer belastet werden. Er befürchtet, dass auch jetzt wieder nichts vorangeht. "Es werden nur Phrasen gedroschen." In anderen Fällen dagegen habe die Politik bewiesen, dass sie schnell und unbürokratisch handeln kann - zum Beispiel bei der Hilfe für Flüchtlinge und beim Verkauf der Super marktkette Kaisers-Tengelmann.

"Dies würde ich mir auch für uns Selbstständige wünschen", betont der 64-Jährige. "Denn gerade die mittelständischen Unternehmer sind das Rückgrat der Gesellschaft." Und in der Gastronomie insgesamt gehe es schließlich um mehr als 60 000 Arbeitsplätze.


"Es muss sich etwas tun"

"Es muss sich etwas tun", sagt auch Wolfram Brehm, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken in Bayreuth, der die Allianz gegen das Wirtshaussterben mit aus der Taufe gehoben hat. Er glaubt: "Die Botschaft ist bei der Politik angekommen."

Brehm meldet erste greifbare Ergebnisse im Nachgang zur Veranstaltung in Oberzettlitz. Man habe mit den drei Politikern - MdB Emmi Zeulner, MdL Martin Schöffel (beide CSU) und MdL Klaus Adelt (SPD) - vereinbart, "dass wir die Veranstaltung nachbereiten, um beim nächsten Treffen dann konkret Auskunft zu angesprochen Themen geben zu können". Mit Zeulners Mitarbeiterin habe es zwischenzeitlich schon einen Besprechungstermin gegeben, "um Punkte mit Relevanz für den Bundesgesetzgeber anzuschieben".


Weiter wachsam bleiben

Heller, der noch lange nicht ans Aufhören denkt, will weiter wachsam bleiben. Er will sich für seine Kollegen einsetzen und bei "seinem" Thema den Mund aufmachen. "Es geht um die Dorfwirtshäuser aufm Land, denn ins Dorf gehört eine Kirche und ein Wirtshaus."