Leuchau schlief bereits, als ein kreischender Lärm zu hören war: das schneidende Geräusch einer Flex. So ein Krach nach Mitternacht, mitten im Dorf - das konnte nicht unbemerkt bleiben.

Aufmerksame Nachbarn, die wach geworden waren, überraschten die Täter. Eine Frau rief: "Was macht Ihr da? Flext Ihr den Automaten auf?" Und die Panzerknacker von Leuchau ergriffen die Flucht. Zurück blieb der beschädigte Zigarettenautomat in der Lindauer Straße 7. Sachschaden: 1137,99 Euro. Beute: keine.

Was in der warmen Sommernacht am 15. Juni 2019 geschah, hat jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Kulmbach. Die Anklage lautet: versuchter besonders schwerer Diebstahl. Fünf junge Kerle - 21 und 22 Jahre alt - sitzen vor Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner. Ein Glück, dass keiner einen Verteidiger hat, sonst hätte die Corona-Sitzordnung mit den geforderten Abständen nicht funktioniert.

Angehalten zum Pinkeln

Aus den Angeklagten bekommt der Richter nicht viel heraus. Sie haben sich offenbar eine Strategie zurechtgelegt: Nichts sagen, schon gar nichts zugeben - uns kann keiner etwas beweisen. Drei Angeklagte schweigen komplett. Zwei reden, ein bisschen zumindest.

Der Fahrer des aufgemotzten BMW, mit dem sie in Leuchau vorgefahren sein sollen, will in der bewussten Nacht eine Probefahrt unternommen haben, weil er zuvor die Zündkerzen gewechselt hatte. Er habe auf dem Schotterparkplatz einer Leuchauer Firma nur angehalten, "weil ich pinkeln musste".

Was seine Kollegen währenddessen gemacht hätten, habe er nicht mitbekommen. Er sei beim Auto geblieben und habe sich mit dem Beifahrer über dessen Stress mit der Freundin unterhalten.

Durch fünf teilen?

Der Beifahrer gab an, dass er ebenfalls "Wasser lassen" musste. Er habe sich anschließend nur um sein Handy gekümmert, ständig online wegen der Freundin. Auf Nachfragen des Gerichts antwortete er gebetsmühlenartig: "Ich kann mich leider nicht erinnern, weiß ich nicht mehr."

Eine zähe Angelegenheit. Schließlich wurde es Staatsanwältin Janina Leithäupl zu bunt: "Ich weiß nicht, ob Ihnen bewusst ist, dass es um eine Mindeststrafe von drei Monaten aufwärts geht für die vier Erwachsenen." Betretenes Schweigen, bis der jüngste Angeklagte, der zur Tatzeit Heranwachsender war und dessentwegen der Prozess vor dem Jugendrichter stattfindet, einen Vorschlag zur Güte machte: "Können wir nicht durch fünf teilen und dann heimgehen?"

Keine Deals

Nein, sagte der Richter bestimmt: "Deals werden nicht gemacht." Dann werde man eben die Zeugen befragen, und die Wahrheitsfindung sei eben aufwendiger.

Die beiden Zeugen, die gegenüber wohnen und die Polizei gerufen hatten, gaben an durch die Flexgeräusche wach geworden zu sein. Ihnen fiel der BMW auf dem Parkplatz auf, der so stand, dass er sofort wegfahren konnte. Es sei nur der Fahrer am Auto gewesen. Die Frau sprach ihn an, ob sie den Zigarettenautomaten aufflexen. Er habe geantwortet, dass er nichts damit zu tun habe. "Das kannst du mir nicht weismachen", entgegnete die Zeugin: "Darauf ist er fluchtartig ohne Licht losgefahren."

Schatten rannten davon

Zwischenzeitlich hatte der Mann schon die Polizei alarmiert, weil ihm die Sache "komisch" vorkam. Der Zeuge bemerkte, wie das Auto beim Zigarettenautomaten langsamer fuhr, wohl, um die Komplizen zu warnen. "Dann sah man zwei, drei Schatten, die davonrannten." Der Zeuge lief hinterher, aber die Täter waren schon weg. Als er ein paar Minuten später zurückkam, war die Polizei schon da.

Einer der Beamten erklärte vor Gericht, dass man am Tatort noch den Geruch des Trennschleifers wahrnehmen konnte. Da die Zeugen das Kennzeichen notiert hatten, sei eine Fahndung eingeleitet worden. Bei der Kfz-Halteradresse habe man zwei Zivilstreifen postiert. Dort sei der BWM auch eine halbe Stunde später aufgetaucht - an Bord die fünf Angeklagten. Eine Flex sei im Kofferraum gefunden worden, die ebenfalls noch danach gerochen habe, dass sie kürzlich im Einsatz war.

Warm und Flexgeruch?

Das Gericht gab den Angeklagten fünf Minuten Zeit, um sich auf dem Flur zu besprechen. Die Pause bewirkte jedoch keinen Sinneswandel.

"Wenn Sie dabei bleiben und nichts sagen, dann werden wir einen Fortsetzungstermin bestimmen und aufklären, ob die Flex noch warm war und ob man Flexgeruch wahrnehmen konnte", sagte Richter Christoph Berner.

Der Prozess wird nun in zwei Wochen fortgesetzt. Als Zeugen geladen werden dann die beiden Polizisten, die den BMW in der Nacht durchsucht hatten.