Gibt es an den bayerischen Schulen genug Lehrer? Sind unsere Schulen zeitgemäß ausgestattet? Und lernen unsere Kinder überhaupt das Richtige?

Wenn es um Bildungspolitik geht, stellen sich viele Fragen. Viele Antworten sind möglich - und Stoff für hitzige, teils emotionale Diskussionen ist das Thema allemal. So auch bei der Podiumsdiskussion im Vorfeld der Landtagswahl. Da entwickelte sich beispielsweise ein Schlagabtausch zwischen Inge Aures (SPD) und ihrem Landtagskollegen Martin Schöffel (CSU). Erstere kritisierte, dass die Klassen im Freistaat zu groß sind, dass qualifizierte Lehrer fehlen, aber Lehrer kaum eine Chance hätten, aus anderen Bundesländern wieder nach Bayern zurückzukehren, und dass aktuell acht Prozent der Unterrichtsstunden ausfallen.

"Alle Lehrerstellen besetzt"

Schöffel dementierte: Es gebe durchaus kleine Klassen, derzeit seien alle Lehrerstellen besetzt, und im Jahresdurchschnitt summiere sich der Unterrichtsausfall auf gerade einmal 1,6 Prozent. Eine Aussage, die Inge Aures mit der Feststellung kommentierte: "Martin, Ihr redet euch das schön!"

Überraschende Einigkeit demonstrierten Reinhard Englert (ödp) und Gerd Kögler (AfD), die sich beide eine zweite pädagogische Fachkraft in den Klassen wünschten, die keineswegs mehr so homogen seien wie früher.

Mehrfach wurde Kritik am dreigliedrigen Schulsystem laut, in dem schon in der vierten Klasse eine Schulwahl getroffen werden muss. Dass dieses System die Fortführung der Drei-Klassen-Gesellschaft aus dem preußischen Kaiserreich sei, sagte Oswald Greim (Die Linke), der die Gesamtschule, in der die Kinder möglichst lange gemeinsam lernen, als System der Zukunft bezeichnete.

Offensichtlich, so klang von verschiedener Seite durch, kommen viele Eltern ihrem Erziehungsauftrag nur noch ungenügend nach, und den Kindern fehlt es an Alltagskompetenz.

Kinder sollten wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen, meinte beispielsweise Rainer Ludwig (Freie Wähler). Sie sollten zu mehr Sport und Bewegung angehalten und in Fragen der gesunden Lebensführung unterrichtet werden. Dass auch die Vermittlung demokratischer Werte auf dem Stundenplan stehen sollte, ist ein Anliegen von Wilfried Kukla (Grüne).

Für mehr Praxisbezug

Michael Otte (FDP) wiederum kritisierte, dass im Zuge der "Pisa-Hysterie" der Praxisbezug verloren gegangen sei. "Es müssen nicht alle studieren."

Falsch sei es außerdem gewesen, wichtige naturwissenschaftliche Fächer zum Fach PCB oder gesellschaftswissenschaftliche Fächer zum Fach GSE zusammenzufassen, so Otte: "Hätten wir mehr Geschichtsunterricht, wäre die AfD vielleicht gar nicht erst möglich gewesen."

Gerd Kögler, der Kandidat der AfD, der selbst Schulleiter ist, sah sich wenig später genötigt, sich zu kritischen Fragen aus dem Publikum zu äußern.

Auf die Publikumsfrage, wie es sich denn vereinbaren lasse, für die AfD zu kandidieren und zugleich eine Schule zu leiten, die sich der Initiative"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" angeschlossen habe, konterte er mit dem Hinweis, dass er selbst noch keine schlechten Erfahrungen mit der Aktion gemacht habe, dass das Netzwerk aber kritisch zu sehen sei: "Zu dem Netzwerk gehört auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - und die werden vom Verfassungsschutz beobachtet."

Schon eingangs hatte er es als Falschinformation bezeichnet, dass ausgerechnet an seiner Schule der Migrantenanteil hoch sei. Außerdem sei die AfD ja keine Partei, "die etwas gegen Menschen hat, die in unser Land kommen" - eine Aussage, die lautstarke Reaktionen im Publikum hervorrief.

EinenLive-Mitschnitt der Podiumsdiskussion finden sie auf der Facebook-Seite der Bayerischen Rundschau.

Worüber noch diskutiert wurde: Das Thema Innere Sicherheit, die Familienpolitik und die Digitalisierung.