Die Inzidenz im Landkreis Kulmbach bleibt weiterhin hoch. Das führt in der Bevölkerung zu vielen Fragen. Landrat Klaus Peter Söllner hat gestern versucht, einige Antworten zu geben.

Bewerbung um ein modellhaftes Öffnungskonzept nach Tübinger Vorbild

Wir haben Interesse bekundet, weil wir schon viele Vorarbeiten geleistet haben mit unserer extrem hohen Testfrequenz und mit unseren Schnelltestzentren. Diese Interessenbekundung geschah zu einer Zeit, als unsere Inzidenzwerte auf unter 250 gesunken waren. Die Menschen sind inzwischen frustriert von einem monatelangen Lockdown. Bei allem Verständnis für die Regeln: Es muss Ansätze geben, wann den Menschen wieder Perspektiven geboten werden. Aber ich muss auch klar sagen: In der aktuellen Situation im Landkreis Kulmbach können wir nicht öffnen.

Perspektiven für Öffnungen

Unser gesamtes System, was geht und was nicht, ist ausschließlich über die Inzidenz gesteuert. Damit müssen wir zurechtkommen. Aber da gäbe es auch andere Ansätze, darüber wird bereits diskutiert. Nur: Systemänderungen werden nicht im Landkreis Kulmbach entwickelt und auch nicht hier beschlossen. Das geschieht landes- oder bundesweit.

Beschwerden im Landratsamt

Ich habe großes Verständnis für die Menschen, besonders auch für die Inhaber kleiner Geschäfte. Ob Händler oder Gastronomen - sie alle sind seit einem Jahr in einer ganz schwierigen Situation. Aber ich sage es auch ganz deutlich: Das ist nicht die Pandemie der Camelia Fiedler, der Kathrin Limmer und des Oliver Hempfling, auch nicht meine übrigens. Es handelt sich um eine Naturkatastrophe riesigen Ausmaßes. Diese können wir nur alle gemeinsam bekämpfen. Mein Amt tut dafür alles Menschenmögliche. Daneben ist aber jeder für sich selbst und sein Umfeld verantwortlich! Dies sollten auch all jene bedenken, die zu simplen Überlegungen neigen. Oft sind die Dinge eben komplex und schwierig! Es ärgert mich, wenn meine Leute, auf die ich superstolz bin, weil sie überragende Arbeit leisten, zu Unrecht angegangen werden. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Im Januar gab es einen Shitstorm, als wir die Kontaktregeln zusätzlich verschärft haben. Wenn da Grenzen überschritten werden, muss man auch überlegen, rechtliche Schritte zu ergreifen.

Einflussmöglichkeiten des Landkreises

Wir haben mit unserem Gesundheitsamt die Aufgabe des Infektionsschutzes. Das ist uns per Gesetz aufgegeben. Und wir sind für das Impfen verantwortlich, aber nicht dafür, wie viele Impfdosen wir bekommen. Gleichwohl bemühen wir uns regelmäßig um Sonderrationen. Unser Gesundheitsamt leistet hervorragende Arbeit. Wir tun alles, um dem Infektionsgeschehen nachzukommen. Das gelingt auch. Unsere Kontaktnachverfolgung ist in allen Fällen tagesaktuell. Sowohl was das Testen angeht als auch beim Impfen haben wir im Landkreis Kulmbach herausragende Werte. Alleine rund 31 000 Abstriche haben wir seit dem vergangenen September gemacht (siehe auch Seite 12), allein seit Mitte Februar waren es rund 10 000. Hinzu kommen Tausende von Schnelltests. In 37 Einrichtungen und Betrieben haben wir in den vergangenen Wochen Reihentestungen gemacht. Auch mit den Schnelltests haben wir in Kulmbach sehr früh begonnen, wir waren auch unter den Ersten, die die Selbsttests an die Schulen herausgegeben haben. Sicher beachtenswert ist auch unsere Aktion, kleine und große Betriebe dabei zu unterstützen, eigene Testkonzepte zu etablieren. Der Landkreis schiebt das nicht nur durch Beratung und Begleitung, sondern auch mit der kostenlosen Lieferung der ersten Schnelltests an.

Das Thema Kontrollen

Die Anordnungen der Quarantäne werden im Landkreis zum größten Teil befolgt. Es gibt aber auch Missachtungen. Diese Fälle werden verfolgt und geahndet. Unser Gesundheitsamt schickt bei Hinweisen auf Quarantäneverstöße die Polizei im Rahmen der Amtshilfe los. Aber eins muss auch klar sein: Wir können nicht immer flächendeckend kontrollieren. Die Polizei kontrolliert in Supermärkten punktuell, ob die Eingangskontrollen eingehalten werden. Auch große Baustellen sind schon unangekündigt kontrolliert worden. Hier arbeiten wir eng mit dem Gewerbeaufsichtsamt zusammen. Unterstützungkräfte der Bereitschaftspolizei haben angekündigt, dass demnächst eine ganze Reihe von Maskenverstößen in der Kulmbacher Innenstadt zur weiteren Bearbeitungen bei uns eingehen werden - rund 80 in den jüngsten zehn Tagen. Hinzu kommen nochmals fast 130 Anzeigen, die aus der Kontrolle von Betrieben resultieren. Verstöße gegen Corona-Regeln sind keine Kavaliersdelikte.

Empfehlung an die Bevölkerung für Ostern

Nachdem Kinder und Jugendliche mittlerweile sehr stark das Virus verbreiten, möchte ich alle bitten, dass zumindest die Erwachsenen beim Osterausflug oder beim Besuch von Spielplätzen Masken tragen. Das ist das A und O. Ganz wichtig ist es auch, die Schnelltestzentren zu nutzen. Wer Perspektiven will, muss sich angewöhnen, vor einem Besuch bei Verwandten einen Schnelltest zu machen.

Impfen an Ostern

Bei der Impfquote sind wir bayernweit unter den Top Fünf. Klar ist, dass der Impfprozess auch an Ostern nicht ins Stocken geraten darf. Am Samstag wird es einen Großeinsatz geben. Durch intensive Bemühungen ist es uns gelungen, kurzfristig weitere Impfdosen für einen außerplanmäßigen Impfslot am Ostermontag zu bekommen. Wir sind vom Freistaat Bayern in den vergangenen Wochen schon immer wieder mit Sonderrationen beliefert worden.Hierfür sind wir sehr dankbar, wenngleich das natürlich für meine Mitarbeiter eine Sonderschicht am Osterfeiertag bedeutet.

Die Lage am Kulmbacher Klinikum

Ganz ehrlich: Da hatten wir schon einfachere Situationen. Über viele Wochen haben wir anderen Regionen geholfen und von dort Corona-Patienten aufgenommen. Jetzt sehen wir, dass andere uns helfen. Zwölf Patienten aus unserem Landkreis liegen derzeit wegen einer Covid-Erkrankung in benachbarten Kliniken. Die Solidarität unter den Kliniken funktioniert.

Eine Prognose

Ich erwarte, dass wir bei der Inzidenz bis zum Ende der Osterferien wieder deutlich unter 300 sind. Das geht aber nur mit Hilfe der Bevölkerung. Leider gehen die Zahlen insgesamt in ganz Bayern und Deutschland gravierend in die Höhe. Dort, wo die Mutante einschlägt, werden wir explosionsartige Zahlen erleben. Wir in Kulmbach waren leider einer der ersten Landkreise, in den die Mutante aufgrund der Nähe zur Grenze eingeschleppt worden ist. Diesem Schicksal müssen wir uns aber nicht kampflos ergeben. Mit viel Disziplin und Achtsamkeit können wir uns gemeinsam dagegenstemmen. Dann kommen auch wieder bessere Zeiten.