Die Situation ist ernst im Landkreis Kulmbach, insbesondere in den drei Seniorenpflegeheimen, in denen zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert sind. Die Hilferufe der Träger und die Bitten um Unterstützung des Krisenstabs am Landratsamt wurden erhört: Die Bundeswehr schickte am Montag massive Verstärkung für die Mitarbeitenden in den Pflegeheimen.

Insgesamt 54 Soldaten sind als Retter in der Not in den Landkreis beordert. 27 ausgebildete und erfahrene Fachkräfte des Sanitätslehrregiments Feldkirchen haben sich am Montag zum Dienst gemeldet. 15 unterstützen die Mitarbeitenden im Awo-Seniorenheim in der Johann-Brenk-Straße, zwei werden im Awo-Heim Am Rasen eingesetzt, zehn weitere in der Pro-Seniore-Residenz in Wirsberg. Dazu kommen weitere 27 Soldaten aus Veitshöchheim, die als so genannte helfende Hände in den Pflegeheimen assistieren und die Fachkräfte entlasten. Einige von ihnen sind bereits seit Freitag in Kulmbach, Verstärkung traf am Montag ein.

Nach vielen Todesfällen in den drei betroffenen Heimen und extremer Belastung für die Mitarbeitenden, die noch Dienst tun können, sprach Landrat Klaus Peter Söllner bei einer Pressekonferenz in der Aula der Adalbert-Raps-Schule von einem "Tag der Hoffnung". Der gesamte Krisenstab sei der Bundeswehr überaus dankbar für ihre schnelle Hilfe. "Ich hätte niemals gedacht, dass das möglich ist, in so kurzer Zeit so viele Soldaten zu uns zu schicken. "Das hat in atemberaubender Geschwindigkeit funktioniert."

Maßgeblich am Zustandekommen dieser Unterstützung beteiligt war Stefan Brütting, Leiter des Kreisverbindungskommandos Kulmbach der Bundeswehr. "Lange Zeit hat es der Landkreis gut allein durch die Krise geschafft, aber die jetzige Situation fordert unseren Einsatz", sagte er. Viele Stunden habe man am Wochenende telefoniert, die nötigen Anträge gestellt, bis am Samstagabend alle Voraussetzungen geschaffen waren. "Dann ging das alles sehr schnell, innerhalb weniger Stunden."

Von anderen Einsätzen abgezogen

Oberstabsfeldwebel Florian Haag ist mit mit 26 weiteren Soldaten vom Sanitätslehrregiment Feldkirchen nach Kulmbach gekommen. "Ich war bis Sonntag noch in Lenggries in einem Hilfskrankenhaus eingesetzt, als ich den Auftrag bekam, mit frischen Kräften nach Kulmbach zu kommen." Die Soldaten seien von anderen Einsätzen und Fortbildungen abgezogen oder auch aus dem Urlaub zurückbeordert worden.

Yves Wächter vom Krisenstab dankte der Bundeswehr für die schnelle und zielgerichtete Hilfe. Der erste Soldat habe schon nachts seinen Dienst in der Brenkstraße begonnen. Die anderen beginnen heute.

"Die Präsenz von so vielen Soldaten im Landratsamt hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie ernst die Lage ist", sagte Oliver Hempfling, Leiter des Krisenstabs am Landratsamt. Es gelte, alles zu tun, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.