Das Hochwasser der letzten Woche ist abgeflossen. Im Streit zwischen Thomas Weiß und der Stadt Kulmbach aber schlagen die Wogen immer noch hoch: Weiß, Inhaber des gleichnamigen Metzgereibe triebs in der E.-C.-Baumann-Straße, wirft der Stadt vor, ihre Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt und sein Betriebsgebäude damit in große Gefahr gebracht zu haben. Die Stadt hingegen weist jede Verantwortung von sich: Hochwasserschutz sei Privatsache, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus.

Hochwasser ist nicht zum ersten Mal ein Streitpunkt zwischen dem Kulmbacher Unternehmer und der Stadt. Bereits 2006 hatte es erhebliche Differenzen gegeben, als beim großen Hochwasser Ende Mai das Grundstück von Thomas Weiß und das Untergeschoss seines Betriebsgebäudes überflutet wurden. Letztlich landeten beide Parteien vor Gericht.

Zu einer neuen Auseinandersetzung ist es nun in der letzten Woche gekommen.
Nach Hochwasserwarnungen unter anderem des Deutschen Wetterdienstes habe er sich bereits Mitte der Woche an die Stadt gewandt, weil der Entwässerungsgraben zwischen seinem Grundstück und der Umgehung voll gelaufen war und auch ein benachbartes Grundstück, das der Stadt gehört, unter Wasser stand. Zudem habe er seine Befürchtung geäußert, dass der Mühlkanal überlaufen könne, was die Situation noch verschärft hätte.

"Ich hatte Angst, dass dann, wenn nach den vorhergesagten Niederschlägen das Wasser weiter steigt,
mein Grundstück überflutet wird" so Thomas Weiß gegenüber der BR. Dieses Grundstück liege zwar tiefer als die umliegenden Flächen, sei üblicherweise aber hochwasserfrei, weil er sowohl über eine Hebeanlage als auch über eine mobile Pumpe verfügt.

Mit seiner Bitte, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, sei er jedoch abgewimmelt worden, sagt Weiß. Man habe ihm mitgeteilt, dass der Hochwasserschutz auf privatem Grund nicht Aufgabe der Stadt sei. Weiß könne sich allerdings gerne im Städtischen Bauhof Sandsäcke abholen.

Eine Pflichtverletzung, wie der Unternehmer meint: "Vom Grundstück der Stadt ist eine Gefahr für mein Eigentum ausgegangen. Die Stadt hätte die Pflicht gehabt, Vorkehrungen zu treffen, um Schäden zu verhindern."
Stimmt so nicht, heißt es bei der Stadt Kulmbach. Hauptamtsleiter Uwe Angermann verweist auf die Entscheidung des Oberlandesgericht Bamberg, die im Jahr 2009 im Rechtsstreit nach dem Hochwasser von 2006 ergangen ist. Darin sei festgestellt worden, dass die Stadt nicht verpflichtet ist, das Grundstück von Weiß vor Überflutung durch Niederschlagswasser zu schützen, das sich auf einem städtischen Grundstück sammelt.
Man habe Weiß in der letzten Woche angeboten, sich im Bauhof mit Sandsäcken zu versorgen, so Angermann. "Und die Kulmbacher Feuerwehr hat ihm Schläuche zur Verfügung gestellt, damit er im Fall des Falles seinen Hof entwässern kann."

Die Stadt habe damit mehr als ihre Pflicht erfüllt, sagt er: "Die Stadt wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten stets Hilfe zur Selbsthilfe leisten und ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen."

Letztlich ging die Angelegenheit glimpflich ab: Weiß bekam vom THW Sandsäcke geliefert, warf seine Pumpe an - und blieb, weil die Pegel der umliegenden Gewässer rasch wieder sanken, von Schäden an Grund und Gebäude verschont.

Erledigt ist die Angelegenheit für ihn dennoch nicht. "Das nächste Hochwasser wird kommen. Und ich bin der Meinung, die Stadt muss ihren Anteil leisten, um mein Grundstück zu schützen!"