Einen wie ihn konnte nur die frühe Bundesrepublik hervorbringen. Ein Politiker, der, wenn er sich mal in Rage geredet hatte, kein Gräschen stehen ließ. Schönauer konnte hemmungslos populistisch sein. In seiner Polemik erinnert er an Kurt Schumacher, den ersten SPD-Parteichef nach dem Krieg, den galligen Herbert Wehner, dessen Einwürfe im Bundestag oft Hinrichtungen des politischen Gegners sind, und an den jungen Helmut Schmidt mit seiner berüchtigten "Schmidt-Schnauze".

Doch Schönauer ist kein bloßer Haudrauf. Hinter seiner massigen Statur verbirgt sich ein feinfühliger Mensch. Die Marktleugasterin Marianne Friedrich, deren Großeltern neben der Familie Schönauer in Weiher - neben der Gaststätte Ohnemüller - gewohnt haben, erinnert sich an "Onkel Fritz" als einen stets liebenswürdigen Menschen und einen fürsorglichen Vater der drei Kinder Elsbeth, Marianne und Herbert.

Früh in die Arbeiterjugend

Was den am 11. September 1904 in Altenplos geborenen Schönauer schon in frühen Jahren anreibt, ist sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Geprägt wird er von seinem Vater, einem einfachen Bauarbeiter, Gewerkschaftler und überzeugten Sozialdemokraten. Mit 14, als er seine Lehre als Elektroinstallateur beginnt, schließt er sich der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) an, nach dem Ersten Weltkrieg tritt er in die SPD ein.

Nach seinem Umzug nach Kulmbach wird er 1924 in den hiesigen Ortsverein aufgenommen. Der 20-jährige Feuerkopf mischt die Kulmbacher SPD kräftig auf. Bisher durch gemäßigte Parteiführer wie Hans Herold, Matthäus Schneider und Georg Hagen geprägt, gibt er ihr klassenkämpferisches Profil. Vor allem aber und sucht er die offene Konfrontation mit den immer massiver auftretenden "Hitlers".

Als am 9. März 1933 die Rechten in Kulmbach die Macht übernehmen, möchten sie ihn mundtot machen. Schönauer wird in "Schutzhaft" genommen, zunächst in den Fronfestenturm, danach an das Landgerichtsgefängnis St. Georgen überstellt.

In Dachau interniert

Von Mai bis Dezember 1934 wird er im KZ Dachau interniert. Nach seiner Entlassung wird er in Kulmbach für den Flutmuldenmuldenbau verpflichtet. Doch er kann am 28. Februar 1935, vermutlich mit dem klammheimlichen Wissen des Kulmbacher Kreisleiters Fritz Schuberth kurz vor einem erneutem Zugriff der Gestapo, die wahrscheinlich seine Liquidierung zur Folge gehabt hätte, fliehen.

Es folgt eine unglaubliche Odyssee von erneuten Festnahmen, Internierungen, abenteuerlichen Ausbrüchen, bis er sich 1944 bei der Landung der Alliierten in der Normandie in den Dienst der US-Army stellt. Selbst seine Frau Margarete weiß über sein Schicksal nicht Bescheid. Er gilt als tot. Die Ehe wird annulliert.

Rückkehr in US-Uniform

Dann plötzlich taucht er Mitte Juli 1945 in der Uniform eines US-Oberleutnants in Weiher auf. Marianne Friedrich erinnert sich an eine unglaublich rührende Szene, als die Eheleute und die Kinder sich in die Arme fliegen. Die US-Militärverwaltung beruft den mittlerweile 42-Jährigen im August 1945 in den provisorischen Stadtrat. Bei der ersten Stadtratswahl im Mai 1946 wird er mit überwältigendem Ergebnis bestätigt und zum Zweiten Bürgermeister ernannt. Obwohl er von den Amerikanern in die Spruchkammer berufen wird, wird er zum lautstärksten Kritiker der Entnazifizierung: "Dahin ist aber das Säuberungsverfahren allmählich gekommen, dass es die wirklich großen Gauner durchschlüpfen lässt und die kleinen Parteigenossen hängt. Hätte man uns nach dem Einmarsch 14 Tage freie Hand gelassen, dann wäre das Problem heute gründlich und für immer gelöst. Wir hätten die Verbrecher gehängt und die weniger Gefährlichen, die trotz ihrer Parteizugehörigkeit anständigen Leute geblieben sind, laufen lassen."

Zehn Tage eingesperrt

Der US-Militärgouverneur Kauffmann steckt Schönauer im Juli 1948 für zehn Tage in den Fronfestenturm. Er nutzt die Haft für eine grandiose Selbstinszenierung. Die SPD ruft dazu auf, ihn auf seinem Weg zum "Knast" zu begleiten. Hundert, darunter viele Kinder und Jugendliche, reihen sich in den bunten Zug durch die Innenstadt ein, eskortiert von amerikanischen Jeeps. Die folgenden Tage zieht jeweils um 18 Uhr eine Kapelle vor der Fronfeste auf und spielt ein Ständchen. Schönauer tritt ans Fenster und zitiert den Amerikanern Götz von Berlichingen.

In der Zeit der Währungsreform möchte Schönauer der Anwalt des kleinen Mannes sein. Vor 5000 Zuhörern auf dem Marktplatz macht er Ende Juli 1948 Stimmung gegen Ludwig Erhard und seine Wirtschaftspolitik. Dessen Kapitalismus ziehe "den Ärmsten das Fell über die Ohren" und führe zu Entlassungen und Lohndrückerei. "Herunter mit den Preisen" ruft er, "Schluss mit Preiswucher und Schiebertum".

Schwere Erkrankung

Bei der Wahl zum ersten Deutschen Bundestag im August 1949 kommt kein anderer als Schönauer als SPD-Direktkandidat des Stimmkreises Kulmbach-Stadtsteinach-Lichtenfels-Naila in Frage. Mit 27,6 Prozent zieht er vor Hans Tichy (Wirtschaftspartei) ins Bonner Parlament ein. Doch viel profilieren kann er sich nicht mehr, da er schon wenige Monate später an einer schweren Leber-Gallen-Entzündung erkrankt und ins Bayreuther Krankenhaus eingeliefert wirds. Er stirbt wenig später, am 2. April 1950, mit 46 Jahren.

Bei der Nachwahl im Mai wird der Finanzexperte Johannes Semler aus München (CSU) gewählt, der sich nur selten in seinem Wahlkreis sehen lässt. Bei der Wahl 1953 folgt Karl Herold (SPD), der Kulmbach bis 1976 im Bundestag vertritt.