Es war der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt. Am 26. November 1553, dem Konraditag, brannte die Stadt. Was blieb, waren Schutt und Asche. Die wenigen Menschen, die das Inferno überlebten, erfroren in einem grimmigen Winter.

Bald 450 Jahre ist das her. Nun soll in einem szenischen Spiel den verhängnisvollen Konraditag erinnert werden. "Conradi 1553 - Hölle auf Erden" heißt das Stück, das Rüdiger Baumann geschrieben und mit insgesamt 30 Mitwirkenden umgesetzt hat. Noch wird in der Spitalkirche geprobt. Am Mittwoch, dem Buß- und Bettag, soll das Stück zum ersten Mal vor Publikum gezeigt werden.

Albrecht (1522-1557), der den Beinamen Alcibiades erhielt, hatte 1541 die Regentschaft in Brandenburg-Kulmbach übernommen. Um die immensen Landesschulden zu verringern, verpflichtete sich der ehrgeizige Fürst aus dem Hause Hohenzollern, mit seinem Heer gegen Bezahlung Krieg zu führen.
Durch mehrere Parteiwechsel und vor allem die Nichtbeachtung des Passauer Waffenstillstands 1552 machte er sich den Kaiser und viele Fürsten zu Feinden.

Die Nachbarn erpresst

In Eger bildete sich eine Koalition gegen Albrecht. Seinerzeit begann er auch, mit einer bedeutenden Streitmacht von 2000 Reitern und 16.000 Mann Fußvolk seine fränkischen Nachbarn, die Bischöfe von Bamberg und Würzburg sowie die Reichsstadt Nürnberg, zu erpressen. Diese nahmen später furchtbare Rache.

Albrecht hielt sich vom 26. Oktober bis 7. November 1553 letztmalig in der Hauptstadt seiner obergebirgischen Markgrafschaft auf. Er wandte sich nach Schweinfurt, wo er Hilfe zu bekommen hoffte.Zu dem Zeitpunkt tobte der Markgräflerkrieg bereits seit einem Dreivierteljahr. Am 11. April hatte der Kulmbacher Markgraf bei Pommersfelden die Bamberger besiegt und ihre Stadt hinterher geplündert. Anschließend war er in einer blutigen Schlacht bei Sievershausen in der Nähe Braunschweigs besiegt worden.

Nach dem Abzug Albrechts aus Kulmbach zog sich der Belagerungsring der bundesständischen Truppen immer enger. Schwere Geschütze waren am Rehberg aufgebaut worden. Die Burg hatte wenig zu befürchten, schlimm aber erging es der Stadt. Am Sonntag, dem Konraditag, nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach schwerem Beschuss gab die Kulmbacher Besatzung die Stadt auf und zog sich auf die Burg zurück - nicht ohne die Stadt vorher anzuzünden. Tagelang wütete die Feuersbrunst. Die meisten der 2600 Einwohner kamen darin um.

Not und Verzweiflung, Krieg und Hunger

Eingebettet in eine Rahmenhandlung, zu der auch eine Baumann'sche Adaption des "Narrenschneidens", eines der bekanntesten Fasnachtsspiele von Hans Sachs, gehört, schildert das Stück in schlaglichtartigen Szenen die Ereignisse. Es schildert Not und Verzweiflung der Menschen, die - schon angeschlagen von Krieg und Hunger - sich vor dem Feuer auf die Plassenburg flüchten wollen und dort vor verschlossenen Toren stehen.

Die Idee, dieses für die Stadtgeschichte so bedeutsame Ereignis auf die Bühne zu bringen, hatte schon vor gut zehn Jahren der evangelische Dekan Jürgen Zinck. Nach einem Gottesdienst zum Gedenken an den Jahrestag des Stadtbrandes habe er mit Mitglieder des Vereins "Freunde der Plassenburg" über Möglichkeiten gesprochen, diese Idee umzusetzen, erinnert er sich. Jahre vergingen; verschiedene Ansätze tauchen auf, wurden wieder verworfen.

Durch Zufall, so sagt Zinck, sei er im Gespräch mit Rüdiger Baumann, dem Gründer des "Schauhaufens", auf das Thema gekommen. Bis zur Realisierung war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Rüdiger Baumann schrieb die Texte; Kastellan Harald Stark prüfte sie auf ihre historische Stimmigkeit. Rüdiger Baumann und Georg Mädl führen Regie. Die Gruppe "Cantabene", das Vokalensemble "TonArt" und Ingo Hahn an der Orgel machen durch ihre musikalischen Beiträge die Aufführung rund.