Der Himmel hängt voller Geigen, alles hört sich so schön an - versprochen wird die große Liebe, das große Glück. Dass die Internetbeziehung einen Haken hat, dass die Liebe nur vorgetäuscht ist, erkennen die ahnungslosen Opfer nicht. Denn bei der von der Polizei Liebesbetrug oder Love-Scamming genannten Masche geht es nur um eines: Geld.

In die Liebesfalle tappte auch eine Frau aus dem Landkreis Kulmbach. Sie setzte 10 000 Euro in den Sand. Außerdem wurde sie wegen versuchten Betrugs angeklagt. Denn sie hatte einen gefälschten Scheck bei ihrer Bank eingereicht.

Kulmbacherin verliebt sich - in einen Betrüger in Afrika

Er nannte sich "Christophe Moulin", und sie (56) lernte ihn auf einem Kontaktportal kennen. Man schrieb sich. "Mit der Aussicht, dass man sich mal kennenlernt", sagte die Angeklagte gestern vor dem Landgericht Bayreuth. Es folgten Liebesschwüre, romantische Unterhaltungen.

Aber schließlich wollte der Mann Geld. Ein Kind sei gestorben, er müsse das Konto in Afrika auflösen. Das sei mit Kosten verbunden. Später komme er an das Vermögen ran. "Per WhatsApp hat er mir mitgeteilt, dass er Geld braucht, und ich habe dann nachgegeben", erklärte die Frau. "Ich habe nicht nachgedacht und ihm über ein Jahr hinweg immer Geld geliehen - zusammen 9000 bis 10 000 Euro."

Was sie in Schwierigkeiten brachte: ein Scheck der Pariser Großbank BNP Paribas, den Monsieur "Moulin" aus dem Ausland schickte. "Ich habe immer wieder gefragt, wann ich das Geld zurückbekomme", so die Kulmbacherin, "und ich wurde immer wieder angelogen."

Er bekommt von ihr Geld geschickt - sie landet vor Gericht

Sie habe sich keine Hilfe geholt, "weil es mir peinlich war und ich dachte, dass ich es allein schaffe". Schließlich wollte der Mann mit einem Scheck über 9800 Euro, den er angeblich von einem "Freund" bekommen habe, seine Schulden bezahlen.

Im Oktober 2018 reichte die Frau den Scheck bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach ein. Doch der Schwindel flog auf. Die Summe wurde nicht ausgezahlt. Und die kaufmännische Angestellte war dreimal gelackmeiert: der Traum vom Glück geplatzt, das Geld auf Nimmerwiedersehen verschwunden und angeklagt als Betrügerin.

"War mir peinlich": Betrogene Betrügerin?

Das juristische Verfahren zog sich geschlagene zweieinhalb Jahre hin. Die Kripo ermittelte, und die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Betrugs. Sie glaubte der Frau nicht, dass sie den Scheck gutgläubig eingereicht habe. Zum ersten Prozesstermin im Februar 2020 ließ sich die Angeklagte nicht blicken. Darauf verhängte das Amtsgericht Kulmbach einen Strafbefehl. Dagegen legte die Frau Einspruch ein. Aber auch zur zweiten Hauptverhandlung kam sie nicht. So erging in ihrer Abwesenheit ein Schuldspruch mit einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung.

Das Urteil wollte die Frau nicht akzeptieren. Deshalb kam es gestern zur Berufungshauptverhandlung vor dem Schöffengericht in Bayreuth. Zu klären war die Frage: Handelt es sich um eine betrogene Betrügerin oder um das unschuldige Opfer eines Love-Scammers, wie der Verteidiger, Rechtsanwalt Frank Stübinger aus Kulmbach, meinte? Die Angeklagte versicherte, dass sie sich "immer als Opfer gefühlt" habe. Sie habe geglaubt, endlich das geliehene Geld zurückzubekommen. Bei der Sparkasse habe sie gefragt, ob mit dem Scheck alles in Ordnung sei.

Nun kam es auf die Aussagen von drei Sparkassenmitarbeitern an, die als Zeugen gehört wurden. Dabei wurde deutlich, dass der Auslandsscheck sofort als "untypische Kontobewegung" und "auffällige Transaktion" eingestuft worden war. Die elektronische Kontrolle per Software hatte funktioniert.

Routinekontrolle funktioniert

Dazu sagte die Geldwäschebeauftragte der Bank: "Auslandsschecks sind heute kein gängiges Zahlungsmittel mehr. So etwas fällt vor allem bei Privatpersonen auf." Die Nachfrage bei den Pariser Kollegen habe ergeben, dass der Blankoscheck als verloren gemeldet worden war. BNP Paribas stellte auch fest, dass der Scheck nicht echt war.

"Bestand ein Risiko für die Sparkasse?", wollte Oberstaatsanwältin Sandra Staade wissen. Nein, sagte die Zeugin, "es konnte kein Schaden entstehen, weil das Geld erst nach erfolgter Prüfung gutgeschrieben wird". Aufgrund der Auskunft aus Paris sei die Auszahlung nicht in Betracht gekommen.

Wäre schneller gegangen

Die Oberstaatsanwältin hielt die Frau zwar nach wie vor nicht für das gutgläubige Opfer, aber sie regte die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld an. "Einen Schaden hat nur die Angeklagte", sagte Staade.

Mit Zustimmung des Verteidigers und seiner Mandantin verkündete das Gericht den Einstellungsbeschluss. "Das hätten Sie schneller haben können", meinte die Vorsitzende Richterin Andrea Deyerling.

Immerhin konnte die 56-Jährige die Aufhebung der Freiheitsstrafe als Erfolg verbuchen. Ihre Anzeige gegen "Christoph Moulin" verlief im Sand. Von dem Mann, der vermutlich in Westafrika lebt und unter falschem Namen weiter arglose Frauen betrügt, hat sie nie mehr etwas gehört. Der Kontakt ist abgebrochen.

Auf moderne Kommunikationsmittel verzichtet die Kulmbacherin seither: "Smartphone und WhatsApp hab" ich abgeschafft, das hat mich nur aufgeregt."