Verwahrloste Katzenbabys und beschlagnahmte Hunde halten die Tierheim-Mitarbeiter auf Trab. Anfang der Woche waren es 120 Tiere, um die sie sich kümmern mussten - die Zahl ändert sich täglich. Leiterin Carina Wittmann bittet um Unterstützung durch Geld- und Futterspenden.

Etwa 15 Maschinen Wäsche fallen täglich im Kulmbacher Tierheim an. Von frühmorgens um 5 Uhr bis 22 Uhr nachts sind die Mitarbeiter auf den Beinen, um Tiere zu versorgen, Decken zu wechseln und Boxen zu säubern.

Ein besonderer Notstand

Während es im Winter noch vergleichsweise ruhig zuging, hat sich seit dem Frühjahr ein besonderer Notstand eingestellt: Massenweise Nachwuchs von verwilderten Hauskatzen wurde von Privatleuten aus dem gesamten Landkreis gefunden und abgegeben. "Wir haben derzeit 77 Katzen", bestätigte Tierheimleiterin Carina Wittmann.

Insgesamt seien es in der ersten Jahreshälfte schon 113 gewesen. Viele der junge Tiere haben Katzenschnupfen, Flohbefall oder Magen-Darm-Parasiten. Aus dem Grund müssen die Kätzchen aus einem Wurf jeweils separat in Quarantäneboxen untergebracht und die Boxeinlagen regelmäßig gewechselt werden. Oft sind die nur wenige Wochen alten Miezen noch viel zu jung, um sie mit Medikamenten gegen Flöhe zu behandeln. Dann müssen die Mitarbeiter sie täglich kämmen, um die lästigen Quälgeister loszuwerden.

Weniger Kastrationen?

Warum es gerade dieses Jahr so viele Fundkatzen gibt, kann Wittmann nur vermuten: "Möglicherweise wurden durch die Coronabeschränkungen vergangenes Jahr weniger Tier eingefangen und kastriert." Verwilderte Hauskatzen lassen sich nur selten wieder an das Leben mit dem Menschen gewöhnen. Daher gehen Tierschützer in der Regel so vor, dass sie sie mit Fallen einfangen, kastrieren lassen, sie dann wieder an derselben Stelle aussetzen und vor Ort weiter versorgen.

Ihr Nachwuchs allerdings - wenn rechtzeitig eingefangen - kann ein ganz normales Hauskatzenleben führen. Daher bleiben die Katzenbabys solange im Tierheim, bis sie gesund und alt genug sind. "28 Jungkatzen sind schon vermittelbar", sagt Wittmann. Fotos und detaillierte Beschreibungen findet man auf der Tierheim-Website (www.kulmbacher-tierheim.de). Es lohnt sich, öfters nachzuschauen, denn es sind auch trächtige Katzenmütter im Tierheim untergebracht - die Flut an Jungkatzen reißt so schnell nicht ab.

Wittmann weist darauf hin, dass kleine Katzen in der Regel nur mit Geschwisterchen abgegeben werden, denn: "Auch wenn wir Menschen viel Zeit mit unserer Katze verbringen, können wir den Katzenkumpel nicht ersetzen." Wichtig für die Entwicklung sei die gegenseitige Fellpflege, die Katzensprache untereinander oder die Art, miteinander zu spielen und zu raufen.

Hundewelpen aus Beschlagnahmung

Vom Deutschen Tierschutzbund wurden Tiere aus zwei großen Beschlagnahmungsfällen an verschiedene Tierheime verteilt. So stammen die sechs Welpen, die derzeit im Kulmbacher Tierheim leben, aus einem illegalen Tiertransport aus Rumänien mit insgesamt 47 Tieren. Ilona Wojahn, Präsidentin des Bayerischen Landesverbands, sagt: "Illegalen Welpenhandel gibt es schon seit vielen Jahren. Durch die Coronakrise wurde er befeuert." 2000 bis 4000 Euro seien Menschen mittlerweile bereit, für einen Rassewelpen ohne Papiere zu bezahlen..

Vier erwachsene Hunde stammen aus einem "Animal Hording"-Fall im oberbayerischen Landkreis Miesbach. Aus einem Privathaushalt wurden dort im Juli 123 Hunde und Katzen beschlagnahmt. Tierschützerin Wojahn weist darauf hin, dass die katastrophalen Zustände dort schon länger als ein Jahr bestanden, doch fördern die gestiegenen Welpenpreise auch die gezielte Vermehrung der Tiere.

Zahlreiche Jungkatzen suchen ein neues Zuhause. Anfragen sollte man am besten per E-Mail (info@kulmbacher-tierheim.de) stellen und dann gleich ein paar Informationen zu den Wohnverhältnissen dazu schreiben. Das Tierheim hat auf seiner Facebook-Seite zudem eine Futterwunschliste erstellt. Geldspenden können an das auf der Website hinterlegte Bankkonto überwiesen werden.

Im Kulmbacher Tierheim leben

19 Hunde

77 Katzen

16 Zwergkaninchen

5 Meerschweinchen

2 Stallkaninchen

1 Wellensittich