Wie man sich richtig benimmt, lernen Kinder in Kulmbach bei einem speziell auf sie abgestimmten Knigge-Kurs.
Emely kämpft. Vor ihr steht ein Teller mit Nudeln und Soße, und die Nudeln erweisen sich als etwas störrisch. Wie einfach wäre es jetzt, sich einfach eine Gabel voll Spaghetti in den Mund zu stopfen und die langen Enden geräuschvoll aufzusaugen! Aber Emely (9) hat gelernt: Das tut man nicht!
Neben ihr am Tisch sitzt Joram. Der Zehnjährige kann erklären, mit man Spaghetti korrekt isst: "Man nimmt eine Gabel und einen Löffel. Dann dreht man die Spaghetti mit der Gabel im Löffel und kann sie so auf einmal in den Mund stecken."
Es braucht einige Versuche, dann klappt das mit den Nudeln. Bei Emey und Joram, aber auch bei Samih (10), Melinda (9) und der anderen Emelie ("mit ie hinten!"), die schon elf Jahre alt ist. Der Vormittag hat sich für die Kinder gelohnt. Sie können nun mit (fast) perfekten Tischmanieren punkten.
Zu verdanken haben sie das Ute Lobe. Die 55-Jährige, die hauptberuflich als Erzieherin in einem Kindergarten arbeitet, bietet Benimm-Kurse für Kinder an. "Knigge-Fox" heißt das Konzept, mit dem sich Ute Lobe auch auf Facebook präsentiert. Warum Benimm-Kurse für Kinder? Brauchen die das? "Ja!" sagt Ute Lobe mit Nachdruck. Bei ihrer täglichen Arbeit im Kindergarten mache sie immer wieder die Erfahrung, dass Kinder wenig davon wüssten, wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Für manche sei es völlig ungewohnt, mit Messer und Gabel zu essen, und von Tischmanieren haben einige der Buben und Mädchen wohl noch nie etwas gehört.
Eher durch Zufall hörte Ute Lobe eines Tages von einem Knigge-Kurs für Kinder in München. Sie informierte sich näher, war begeistert: "Das wäre doch auch was für mich!" Sie nahm selbst an einer Schulung teil und ist nun im Besitz eines Zertifikates, das sie als Knigge-Trainerin ausweist. Es habe ein bisschen gedauert, bis sie den ersten Kurs beisammen gehabt habe, erinnert sie sich. Mittlerweile plant sie bereits den zweiten Kurs, der am 14. Juli stattfindet.
Knigge für Kinder. Klingt das nicht ein bisschen steif? Ute Lobe vermeint. Es gehe in den Kursen nicht darum, aus Kindern kleine Erwachsene zu machen. "Aber wer sich gut benehmen kann, hat es leichter im Leben." Das leuchtet auch den jungen Kursteilnehmern ein, und so können sie am Ende jenes Samstagvormittags, an dem der Kurs stattfindet, die Frage, wozu es denn überhaupt gutes Benehmen braucht, selbst die Antwort geben: "Um einen guten Eindruck zu hinterlassen...., damit sich die Eltern nicht schämen müssen..., um Vorbild für andere Kinder zu sein."
Im Laufe von drei Stunden haben die Kinder unter anderem gelernt, wie man sich richtig begrüßt, wie man sich einander vorstellt, wen man ungefragt duzen darf - und wen lieber nicht. Emely und die anderen vier kennen auch die "Zauberwörter", die im Leben vieles leichter machen: "Bitte, danke, Entschuldigung."
"Respekt" ist ein Stichwort, das im Knigge-Kurs immer wieder fällt: Respekt vor Erwachsenen, aber auch vor Gleichaltrigen, gegenüber alten Menschen, Schwangeren oder Behinderten. Es geht um das richtige Verhalten in der Schule, im Kino, in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Und es geht, natürlich, auch um gute Tischmanieren. Wo gehört das Besteck hin? Wie esse ich Suppe richtig? Auch da haben die Kinder im Laufe des Vormittags viel dazu gelernt. "Man legt nicht die Ellenbogen auf den Tisch und man spricht nicht mit vollem Mund", erklärt Melinda. "Wenn man Pommes isst, dann isst man die nicht mit den Fingern, sondern schneidet sie mit Messer und Gabel", weiß Samih. Und Emely hat sich gemerkt, dass nur kleine Kinder ihre Spaghetti schneiden und mit dem Löffel essen dürfen. Größere Kinder drehen sie elegant mit der Gabel auf. Auch wenn die Nudeln sich da manchmal als etwas störrisch erweisen.
Knigge - was ist das?
Das Wort "Knigge" steht heute meist stellvertretend für gute Umgangsformen. Das Wort geht zurück auf den deutschen Schriftsteller Adolph Freiherr Knigge (1752-1796). Dessen Buch "Über den Umgang mit Menschen" erschien erstmals 1788.
Das Buch war schon zu Knigges Lebenszeit ein Erfolg. Nach seinem Tod wurde sein Buch wiederholt von Herausgebern umgeschrieben und in neuer Gestalt publiziert. Im Laufe der Zeit wurde es so immer mehr zu einer "Anstandsfibel", einer Einführung in Anstandsregeln; der "moderne Knigge" war geboren. Die Anstandsregeln sind mittlerweile den Erfordernissen unserer Zeit und auch im Internet nachzulesen.