Bahnreisende in Franken gestrandet: Zugbegleiter zeigt herausragenden Einsatz

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Kitzinger Zugbegleiter ist Bayerischer "Eisenbahner mit Herz"
Freuten sich sehr über die Preisverleihung: von links nach rechts Arverio-Geschäftsführer Arno Beugel, Bundessieger und Publikumsliebling Ronald-Phillip Tolkiehn, der Bayerische Landessieger Bilal ...
Kitzinger Zugbegleiter ist Bayerischer "Eisenbahner mit Herz"
Harald­ Lukaschewsky

Der Zug steht still, die Fahrgäste gestrandet. Ein Zugbegleiter aus Franken übernimmt und holt für seinen Einsatz die Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz".

Ob Verspätungen, verlorenes Gepäck oder ein plötzliches Schneechaos, das den Betrieb lahmlegt: Bahnmitarbeitende sehen sich im Alltag mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Viele von ihnen gehen dabei weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus, um Reisende zu unterstützen.

Um dieses Engagement zu würdigen, hat die Allianz pro Schiene auch in diesem Jahr wieder Bahnbeschäftigte mit dem Titel "Eisenbahner mit Herz" ausgezeichnet. Mehr als 300-mal hatten Fahrgäste im Vorfeld Mitarbeitende für die Ehrung vorgeschlagen, wie der Verband mitteilt. Am 16. April 2026 wurden die Preisträger in feierlichem Rahmen gewürdigt, darunter auch ein Zugbegleiter aus Franken. 

"Eisenbahner mit Herz": Zugbegleiter aus Franken erhält Auszeichnung

Bilal Impram arbeitet als Zugbegleiter beim privaten Eisenbahnunternehmen "Arverio". Wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, stammt der 27-Jährige aus Kitzingen und ist täglich auf den Strecken Würzburg–München, Würzburg–Augsburg sowie Ansbach–Treuchtlingen im Einsatz. Zwei besondere Einsätze in seinem Arbeitsalltag brachten ihm nun die Auszeichnung als "Eisenbahner mit Herz" in Bayern ein. Einer dieser Vorfälle ereignete sich auf der Strecke von München nach Würzburg.

In Ansbach muss der Regionalexpress RE 80 außerplanmäßig halten. Statt die Fahrgäste sich selbst zu überlassen, organisiert Impram eine Weiterfahrt, wie er bei der Preisverleihung erklärt, die die Allianz pro Schiene im Netz teilt. "Ich habe das Glück gehabt, dass die S-Bahn noch drüben auf der anderen Seite stand", berichtet er. "Ich habe das Fenster aufgemacht, den Lokführer angeschrieben. Zur S-Bahn, dass sie auf uns wartet und wir kommen", so der 27-Jährige. Um sicherzustellen, dass alle Reisenden ihr Ziel erreichen, begleitet Impram die Gruppe.

"Ich war mir nicht sicher, ob die das alles schaffen. Da waren ältere Herrschaften dabei, Kinder, Kinderwägen - also ein ziemliches Chaos", beschreibt er die Situation. In Nürnberg angekommen, koordiniert er die Weiterfahrt nach Würzburg, sodass am Ende alle Fahrgäste sicher ihr Ziel erreichen. "Wir haben es alle zusammen gesund bis zum Hauptbahnhof geschafft", so Impram.

Arverio-Team glänzt: 20 Nominierungen beim Bahn-Wettbewerb

Wie die Allianz pro Schiene mitteilt, berichtete eine weitere Einsenderin dem Verband, Impram habe ihr nicht nur beim Einladen des Kinderwagens geholfen, sondern auch ihre Tochter zum Lachen gebracht. Sein Arbeitgeber ist stolz auf derartigen Einsatz. 

"Wir als Unternehmen legen großen Wert auf die Kundenorientierung. Wir schauen zum Beispiel darauf, dass wir solche Kundenbetreuer einstellen, die wirklich gerne mit Menschen zu tun haben", sagt Arno Beugel, für den Bahnbetrieb bei Arverio verantwortlicher Geschäftsführer. "Diese Preisverleihung bestätigt unseren Kurs und zeigt uns, dass die Fahrgäste unsere Kundenorientierung auch wahrnehmen und wertschätzen." 

Insgesamt erhielt das Arverio-Team 20 Nominierungen beim "Eisenbahner mit Herz"-Wettbewerb, so das Eisenbahnunternehmen. Darunter auch Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn  aus Baden-Württemberg, der den Bundespreis sowie den Publikumspreis erhielt. Ende Januar 2026 legten massive Schneemassen den Zugverkehr in Baden-Württemberg lahm. Tolkiehns Regionalzug zwischen Stuttgart und Geislingen saß fest. Er kümmerte sich um die Fahrgäste und sorgte dafür, dass alle sicher nach Hause kamen.

"Angriffe machen fassungslos": Geschäftsführer lobt Bahnbeschäftigte

Derartige Engagements von Bahnmitarbeitenden finden täglich statt und sollen öffentlich gewürdigt werden, wie Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und Jurymitglied, in einer Mitteilung des Schienenverkehrsverbands erklärt.

"Bahnbeschäftigte haben derzeit wahrlich keinen leichten Job. Die immer häufiger vorkommenden körperlichen Angriffe auf das Zugpersonal machen uns als Jury fassungslos und betroffen",  so der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene. "In diesem Jahr denken wir ganz besonders an den im Dienst getöteten Serkan Çalar."

Erst vor wenigen Tagen wurde auch eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn am Nürnberger Hauptbahnhof bedroht. Ein Mann drohte mit einem Messer "jemanden zu erstechen", wie die Bundespolizei Nürnberg damals mitteilte."Dass sich so viele trotzdem nicht entmutigen lassen und jeden Tag einen herausragenden Job machen, sich oft noch nach Feierabend aufopferungsvoll um Reisende kümmern und ihnen bei allen Problemen weiterhelfen, verdient höchste Anerkennung", ergänzt Flege.

Bahnreisende können das ganze Jahr über ihre Erlebnisse bei der Allianz pro Schiene einreichen, so der Verband. Anschließend wählt eine siebenköpfige Fachjury aus der Bahnbranche die Preisträger aus und entscheidet über die Vergabe von Gold, Silber und Bronze sowie die Landespreise. Zusätzlich haben Fahrgäste die Möglichkeit, online über ihre Lieblingsgeschichte abzustimmen und den Kandidaten für den Publikumspreis zu wählen.