Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Ideen - und so ging der politische Aschermittwoch auch bei den Freien Demokraten Kulmbachs digital über die Bühne. Was noch ungewöhnlich war, aber dankbar angenommen wurde: Zur deftigen Politik lieferten die Liberalen leckeren Fisch und köstliches Bier kostenfrei ins Haus. Für die politische "Kost" sorgten die Bundestagsabgeordneten Nicole Bauer und Karsten Klein. Als Nachschlag gab es einen "Aschermittwoch digital" der FDP Oberfranken. Die Moderation übernahm Bezirksvorsitzender Thomas Nagel.

Otte kritisiert Söder

Kreisvorsitzender Michael Otte eröffnete das virtuelle Aschermittwochstreffen mit einer erfrischenden Einführung. Hart ging er mit Ministerpräsident Markus Söder ins Gericht. Der fördere eine Zweigstelle des Deutschen Museums in Nürnberg mit 100 Millionen Euro. "Das kann doch wohl nicht wahr sein. Das würde privatwirtschaftlich niemand unterschreiben. Das ist so was von abgehoben, da fehlen mir einfach die Worte. Ich finde es eine Schande, wie hier mit öffentlichen Geldern umgegangen wird."

Otte sprach auch die wirtschaftlichen Schäden an, die durch die Corona-Politik entstünden. Er vermisse einen Stufenplan und ein wirkliches Ausstiegsszenario. "Das wünsche ich mir als freier Bürger und als freier Demokrat." Die Liberalen hätten hier Vorschläge gemacht - "jetzt muss diese Regierung endlich liefern".

Wieder Luft zum Atmen

MdB Nicole Bauer, die aus Niederbayern stammt, widersprach gleich einer Feststellung, wonach die CSU den politischen Aschermittwoch erfunden habe. "1919 hat er das erste Mal stattgefunden, aber es war nicht die CSU, die ihn eingeführt hat, sondern der Bayerische Bauernbund, der damals in einer Viehhandel-Aktion nach Vilshofen eingeladen hatte."

Die Bundestagsabgeordnete sprach den Lockdown an. Die Friseure und anderen Dienstleister bräuchten wieder Luft zum Atme, deshalb sei der Stufenplan der FDP zielführend.

MdB Karsten Klein war aus Aschaffenburg zugeschaltet. Er bedauerte, dass die Regierung eines der hochentwickelsten Länder der Welt nicht in der Lage sei, Hilfen dahin zu geben, wo Betroffenheit herrsche.

Der designierte FDP-Kandidat für den Bundestag, Claus Ehrhardt, sprach von einem wahnsinnig schlechten Krisenmanagement des bayerischen Ministerpräsidenten: "Fliegenpatsche - und einfach drauf hauen, findet ihr das intelligent?" Er beschäftigte sich ferner mit dem Innovationstag, der auf Initiative der FDP auch in Kulmbach eingerichtet werden soll.

Nur persönliche Interessen

Thomas Nagel spannte den Bogen zum Sieben-Stufenplan, den die Liberalen im Bundestag vorgestellt hätten: "Ich finde es mehr als bedauerlich, dass dieser nicht einmal diskutiert wurde, sondern dass Christian Lindner eher dafür belächelt wurde. Daran sieht man, dass es einigen Menschen überhaupt nicht darum geht, über Vorschläge zu ringen. Aus meiner Sicht geht es einfach darum, persönliche Interessen durchzudrücken."

Nagel ging vor allem auf lokale Themen wie das Solarkataster, die Erschließung zur Plassenburg oder die Verkehrsberuhigung der Kulmbacher Innenstadt ein. Aus seiner Sicht geht ein Tempo 10 völlig an der Realität vorbei, "weil man es kaum kontrollieren kann". Es werde dem Einzelhandel auch nicht nutzen. "Wir müssen vielmehr schauen, dass wir wieder mehr Geschäfte bekommen"