Sie sind eine ganz normale und gleichzeitig eine absolut außergewöhnliche Familie: Die Baumanns in Ziegelhütten - Papa Rüdiger, Mama Birgit und Tochter Lisa - sind auf der Bühne zu Hause. Und das durchaus im Wortsinn. In ihrem Wohnhaus in Ziegelhütten, einem ehemaligen Gasthaus, ist vor elf Jahren Kulmbachs einziges Theater und die Heimat des "Schauhaufens" entstanden.

Eltern und Tochter teilen die Leidenschaft für die Schauspielerei und haben großen Anteil daran, dass sich "Das Baumann" vom Geheimtipp zum Synonym für intelligent-amüsante Unterhaltung entwickelt hat. Schon 2002 beim ersten "Schauhaufen"-Stück "Häuptling Abendwind" waren Birgit und Lisa Baumann mit von der Partie. Und weil Papa Rüdiger gerne auch als Autor tätig ist, schrieb er wenig später das erste Familienstück und erschuf die Familie Meier, die seit 2004 die Kulmbacher begeistert. "Missverstand am Badestrand" hieß das Theaterexperiment, aus dem mit "Du mich auch" vor zwei Jahren und dem aktuellen Stück "A schöne Leich" eine Trilogie geworden ist. "Geplant war das nicht", erzählt Rüdiger Baumann. "Unsere Bühnen-Ichs haben sich mit uns entwickelt."

Sich selbst auf die Schippe zu nehmen und menschliche Schwächen zu karikieren, macht allen Dreien Freude. Viel Zeit gemeinsam zu verbringen, Beobachtungen an sich selbst und anderen zu sammeln, lange Abende zu proben und dann vor Publikum zu spielen, ist für die drei Baumanns Lust statt Last.
"Es ist klasse, gemeinsam als Familie so etwas Intensives zu machen", sagt Birgit Baumann. "Wir haben sehr viel Spaß, wenn wir proben." Und das ist oft: 20 Proben mussten vor der Premiere vor wenigen Wochen im Zeitplan aller Familienmitglieder untergebracht werden.

Am schwierigsten ist das für Lisa. Die 27-jährige Ärztin ist gerade mit ihrem Studium fertig geworden und nicht oft in Kulmbach. Als Kind sei sie wenig begeistert gewesen, wenn der Papa ihr eine kleine Rolle aufnötigte. "Aber heute finde ich es toll." Auch in Ulm spielt Lisa deshalb in der Theaterwerkstatt mit, und so kommt es, dass die Familie Baumann demnächst dort ein Gastspiel geben wird.

Lachen über die eigenen Macken


Das Publikum liebt die Bühnen-Familie Meier, und Rüdiger Baumann ahnt auch, warum das so ist: "Natürlich sind unsere Charaktere und Geschichten überzeichnet und verdichtet, aber was wir zeigen, ist die Realität - und zwar so, dass man darüber lachen kann."

Und wer sind die Meiers? Da ist Papa Siegfried, eine unbelehrbare, beratungsresistente Dumpfbacke mit wenig Entwicklungspotenzial. Ehefrau Gudrun ist die typische Mutti, ein harmoniebedürftiges Hascherl, das beginnt, sich zu emanzipieren, seit sie Filialleiterin bei Lildi ist. Tochter Fränzi ist sehr intelligent, studiert und kommt mit ihren Eltern nicht besonders gut klar.

Allen drei Familie-Meier-Inszenierungen ist gemeinsam, dass sie an Orten spielen, an denen man nicht gern ist: Teil eins an einem vermüllten Strand, Teil zwei im Keller der Wohnung, das neue Stück in einem Bestattungsinstitut. Zur Beerdigung ihrer Oma hat Fränzi ihre mittlerweile getrennten Eltern noch einmal zusammengebracht.

Ernsthafter Unterton


Klamauk auf der Bühne liegt den Baumanns nicht: "Ein paar Slapsticks sind natürlich dabei, aber es geht auch um ernste Themen, um Vorurteile und Engstirnigkeit", sagt Rüdiger Baumann. "Gudrun arbeitet beim Discounter, schätzt die Vorteile, die ihr das bietet, und ignoriert Negatives wie die Ausbeutung in armen Ländern", sagt Birgit Baumann. "Wenn's uns gut geht, nehmen wir die Nachteile, die andere dadurch haben, in Kauf." Im "Baumann" gibt's also nicht nur viel zu lachen, sondern auch ein bisschen was zum Nachdenken.