"Immer weiter, immer höher, immer schneller", schallt es aus dem Mund des Sängers. Die Gitarrensaiten glühen, die Töne rauschen im Eilzugtempo dahin, der Bass wummert, das Schlagzeug donnert. Dann der große Knall - wie entfesselt dröhnt es aus den Boxen: "Gegen die Wand".

Die Kulmbacher Hardcore-Metal-Band "Arrested Mind" bläst auf ihrem aktuellen Opus zum Frontalangriff auf Geist und Gehör, bei dem Klartext gesprochen und musikalisch voll auf die Zwölf gegangen wird.


Verrückte Zeiten


Darauf angesprochen, ob der Albumtitel "Frontal" dieser Tatsache geschuldet ist, muss Gitarrist Lars Bischoff nicht lange überlegen: "Definitiv." "Wir haben einen kurzen und prägnanten Titel gesucht. ,Frontal' passt wie die Faust aufs Auge zu dem Album", konkretisiert der zweite Gitarrist der Band, Michael Thienel. In verrückten Zeiten wie diesen wolle man Haltung zeigen und Stellung beziehen, fährt er fort.

"Bist du bereit, zu all dem Nein zu sagen?", fragen die Musiker in dem Lied "Gegen die Wand". In einer hektischen, von Informationsüberflutung geprägten digitalen Welt gibt es für manche nur noch das besungene "höher, schneller, weiter". "Es gibt verstärkt Psychostress", beklagt Thienel. Statt abzuschalten, zögen sich die Menschen immer mehr Infos rein. "Jeder rennt nur noch gnadenlos weiter", resümiert der Musiker.

Schlagzeuger Simon Ries und Lars Bischoff greifen den Gedanken von den "verrückten Zeiten" auf. Ersterer verweist auf den Trend, sich mit Schrittzählern und Fitnessarmbändern zu überwachen - selbst im Schlaf. Letzterem kommen die Aussagen von Wissenschaftlern in den Sinn, die daran forschen, das menschliche Gehirn leistungsfähiger zu machen. "Damit wir mit der künstlichen Intelligenz mithalten können."


Gegen Rassismus


Die Musiker halten auf ihrer CD aber auch der "Neuen Braunen Mitte", so der Titel eines Liedes, einen Spiegel vor. Wohlgenährte Menschen in einem reichen Land, die nichts teilen wollten, die gegen Flüchtlinge hetzten und die Augen vor dem Elend in der Welt verschlössen, zählt Thienel zu dieser ganz speziellen Mittelschicht. Simon Ries stellt ernüchtert fest: "Rassismus ist wieder salonfähig geworden." Mit solchen Liedern wollen die Musiker, "Denkanstöße geben", wie es Sänger Sascha Niessner formuliert. "Aber wir wollen nicht predigen", stellt Lars Bischoff klar.

Einen mutigen Schritt ist Sänger Sascha Niessner gegangen, der an Schizophrenie leidet. In dem Lied "Bis die Füße bluten" lässt er die Welt an seinen seelischen Qualen teilhaben. Was hat Niessner dazu bewogen, so offen mit seiner Erkrankung umzugehen? "Ich schäme mich nicht dafür. Ich möchte um Verständnis werben für meine Krankheit, die ich mit Medikamenten gut unter Kontrolle habe."


Erinnerungen an die "Vestrufa" werden wach

Ihre ersten musikalischen Gehversuche hatten die Musiker vor 25 Jahren unternommen. Es war die Zeit, als am Schwedensteg in den ehemals "Vereinigten Strumpffabriken" ("Vestrufa") die Kulmbacher Subkultur blühte. "Das war eine tolle Zeit. Dass wir diesen Stallgeruch noch haben, das finde ich irgendwie cool", erinnert sich Thienel. Für Simon Ries war die "Vestrufa" ein Ort der gegenseitigen Inspiration, in dem der "Do It Yourself"-Gedanke gepflegt wurde.

Für ihre Album-Party am Samstag, 25. März, ab 20 Uhr haben sich die Musiker die alte Malzfabrik in Kulmbach ausgesucht. Ganz bewusst, wie Thienel erläutert: "In einer Gaststätte hätten wir es einfacher gehabt. Aber wir wollten etwas Eigenes aufziehen. Außerdem versprüht das ehemalige Fabrikgebäude unweit des Kulmbacher Kinos den Charme der ehemaligen Vestrufa."