Katschenreuth
Malheur

Glück gehabt: Wie ein Radladerfahrer aus Franken die Nadel im Heuhaufen fand

Wie Philipp Weidner auf der Kompostieranlage bei Katschenreuth einer Kulmbacher Familie mit seinem 14 Tonnen schweren Radlader aus der Patsche half.
 
Wetten, dass ... Philipp Weidner mit der großen Schaufel seines 14-Tonnen-Radladers einen schwarzen Geldbeutel im Laub-Gras-Komposthaufen findet? Stephan Tiroch
Wetten, dass ... Philipp Weidner mit der großen Schaufel seines 14-Tonnen-Radladers einen schwarzen Geldbeutel im Laub-Gras-Komposthaufen findet? Stephan Tiroch

Das Haar in der Suppe ist das Gegenteil von der Nadel im Heuhaufen. Das störende Haar in der Suppe findet man ständig, die Nadel im Heuhaufen eigentlich nie. Und wenn doch, dann ist es ein extrem seltener Glücksfall - wie jetzt auf der Kompostieranlage Eichner bei Katschenreuth.

Dort herrscht derzeit Hochbetrieb. Täglich werden Mengen von Laub, Astwerk, Sträucher- und Grünschnitt angeliefert. Neben der Staatsstraße 2190 türmen sich die Pflanzenabfälle aus den Kulmbacher Gärten zu Bergen. Die Eichner-Mannschaft häckselt das Grüngut, und daraus wird Komposterde.

Laub aus Gottschalks Garten

Jede Menge Laub haben auch die großen Eichen in Thomas Gottschalks Garten abgeworfen. Viel Arbeit für Robert und Zofia Drahn, die sich um das Anwesen am Kulmbacher Galgenberg kümmern. Nicht wenige Laubsäcke müssen nach Katschenreuth transportiert werden. Dabei ist es passiert.

Zofia Drahn schildert das Malheur: "Mein Mann brachte abends, als es schon dunkel war, das Laub weg. Am nächsten Morgen hat er gemerkt, dass sein Geldbeutel weg ist." Sie suchen in der Wohnung und im Büro: nichts. Sie fragen an der Tankstelle, wo Robert Drahn am Vorabend getankt hat: auch nichts.

"Die letzte Möglichkeit war die Kompostieranlage", so Zofia Drahn. "Wir dachten, das kann man vergessen, weil so viele Leute ihre Gartenabfälle hinbringen." Aber sie fahren trotzdem hin. "Mein Mann wusste ungefähr, wo er die Laubsäcke ausgeleert hat. Aber da war ein Riesenhaufen neues Laub, wie wenn es ein Lastwagen abgekippt hätte. Wir haben mit Stöcken rumgestochert, doch es war nichts zu finden."

Geldbeutel verloren: "Haben mit Stöcken im Laub rumgestochert"

Letzte Chance: im Büro der Kompostieranlage fragen, ob ein schwarzer Geldbeutel abgegeben wurde. Wurde er nicht. Ein Glück für das Ehepaar Drahn, dass Philipp Weidner ("Die Leute waren recht verzweifelt") die Geschichte hört. Der Kompostwerker aus Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels hat eine Idee.

"Ich hab‘ meinen Radlader geholt und mit der Schaufel das Material schichtweise weggezogen, immer zwanzig Zentimeter, und sie haben in den Laubbergen gewühlt", sagt der 23-Jährige. Es dauert und dauert, aber das Stück schwarzes Leder bleibt zunächst spurlos verschwunden.

Dann springt Philipp Weidner aus der Fahrerkabine des 14-Tonners und sucht selbst. Und findet die Nadel im Laubhaufen. "Gar nicht lange, und er hielt den Geldbeutel in die Höhe", berichtet Zofia Drahn und sagt: "Wir waren überglücklich und fanden es toll, dass dass der jungen Mann so hilfsbereit war. Wir sind ihm sehr dankbar. Er hat uns viel Ärger erspart. Wir hätten die ganzen Karten von der Bank, von der Krankenkasse, vom ADAC, die Kreditkarte und noch viele mehr sperren lassen müssen."

Knapp am Schreddern vorbei: "Nadel im Heuhaufen" gefunden

Was die Drahns nicht wissen: Sie hatten sogar doppeltes Glück. Der freundliche Kompostwerker, der seit drei Jahren in Katschenreuth beschäftigt ist, kann es erklären. Hätte der Mann das Laub an jenem Nachmittag nur eine halbe Stunde früher abgeliefert, wäre der Geldbeutel gehäckselt worden.

"Am Nachmittag wird das angelieferte Material zusammengeschoben und geschreddert. Das ist jedes Mal ein Haufen von 50 bis 60 Kubikmeter", schätzt Philipp Weidner: "Da hätten wir nichts mehr gefunden."