Kulmbach wird Universitätsstadt. Damit geht ein langgehegter Traum in Erfüllung, denn in der langen Stadtgeschichte hatte man bereits öfter auf eine universitäre Einrichtung gehofft. Schon immer herrschte in Kulmbach und vor allem auf der Plassenburg ein reges geistiges Leben. Dafür gibt es genügend Beispiele. Markgraf Johann, der den Beinamen der Alchimist trug und sich mit Alchimie, Schmelz- und Scheidekunst beschäftigte, war von 1456 bis 1457 ein Förderer des italienischen Humanisten Arriginus. Dieser begeisterte auf der Plassenburg zahlreiche Schüler und lehrte die neue, vom "Mönchslatein" gereinigte Sprache.

In einem Brief an Markgraf Georg den Frommen regte kein Geringerer als der Reformator Martin Luther die Gründung einer protestantischen Universität in dessen Fürstentümern an.

Die ersten Pläne

Die ersten Universitätspläne entstanden unter Markgraf Georg Friedrich in den Jahren 1594/95 aus rein praktischen Gründen: Man brauchte Männer, die eine lateinische Urkunde lesen und schreiben konnten. Deshalb gab der Markgraf ein Gutachten über Standort und Finanzierungsmöglichkeiten in Auftrag. Neben Kulmbach wurden darin Hof, Heilsbronn und Bayreuth als mögliche Standorte untersucht.

Hof habe eine zu rauhe Luft, hieß es, in Heilsbronn seien die Lebenshaltungskosten zu hoch. Besonders für Kulmbach spreche dagegen, dass dort einst ein herrliches Augustiner-Kloster stand, das man "aus der Asche wieder erheben" könne. Da aber die Folgen des Bundesständischen Kriegs noch nicht überwunden waren, trat der Markgraf von dem Plan zurück.

Die zweiten Pläne

Die 1604 erstmals unternommene Verlegung der Residenz von Kulmbach nach Bayreuth unter Markgraf Christian (1603 - 1666) konnte wegen des großen Brandes in Bayreuth und der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erst 1642 verwirklicht werden. So blieb das Konsistorium mit seinem Direktor und Generalsuperintendenten Professor Christoph Althofer noch bis 1656 in Kulmbach.

Dieser Althofer gab dem geistig hochgebildeten Markgrafen die Anregung, eine Universität zu gründen. Als Standort schlug er Kulmbach vor, mit der Begründung, dass die ehemalige Residenzstadt so für die Verluste durch den Wegzug des Hofes und der Kanzlei entschädigt werde.

Dem Markgrafen mag dieser Plan gefallen haben, er gab die Genehmigung zur Durchführung einer Konferenz, um das Vorhaben zu konkretisieren. Die Schwierigkeit bestand zunächst darin, geeignete Räume zu finden. Man begutachtete auch einige Häuser, doch vermutlich sah der Markgraf angesichts der Verwüstungen durch den Dreißigjährigen Krieg keine Möglichkeit, die finanziellen Mittel aufzubringen.

Mit dem Tod von Althofer, der noch lange beharrlich versucht hatte, die Idee einer Universität in Kulmbach umzusetzen, scheiterte das Vorhaben endgültig und die Pläne dazu wurden vergessen.

Der dritte Versuch

Erst durch Markgraf Friedrich und seine Gattin Wilhelmine, Schwester des Preußenkönigs Friedrich des Großen, erfolgte 1742 die Gründung einer Academia Fridericana in Bayreuth. Das Hochschulglück währte dort allerdings nur kurze Zeit. Vor allem fehlte es an Räumen. Das Ende kam aber kurioserweise durch das Privileg der Studenten, einen Degen tragen zu dürfen. Diesen trugen sie nicht nur, sie gebrauchten ihn auch und gerieten oft mit den Offizieren der Garnison aneinander.

So gibt es in einem Studentenlied die Strophe: "Wo sind sie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen, und die so oft bei Bier und Wein den Herrn der Erde glichen?"

Was ist mit dem breiten Stein gemeint? Damals waren viele Straßen nicht oder nur in der Mitte gepflastert. Dort waren Steinplatten quer aneinandergelegt, so breit, dass gerade die hohen Herrschaften darauf spazieren konnten. Auf dem breiten Stein wandelte der Handwerksmeister. Der Geselle und erst recht der Lehrbub traten respektvoll zur Seite in den Dreck. Und auf dem breiten Stein wandelte auch der Rektor der Lateinschule und wies mit strengem Blick entgegenkommende Schüler aus dem Wege.

Aber es gab Fälle, da mussten selbst Handwerksmeister und Rektor in den Dreck - und zwar dann , wenn die Herren Studenten, hohe Stiefel an den Beinen und den Degen an der Seite, zu zweit oder zu dritt dahergezogen kamen und nicht daran dachten, Platz zu machen. Es war nicht ratsam, mit ihnen anzubändeln, sie waren sehr gut im Umgang mit dem Degen.

Dann kreuzten sich die Klingen

Nun gab es aber in Garnison-Städten Offiziere, die auch einen Degen trugen. Auch diese gingen zu zweit oder zu dritt auf dem breiten Stein und gedachten keineswegs, davon herunterzutreten. Solange alle in eine Richtung gingen, war es ungefährlich, kamen sie sich entgegen, so war der Ärger vorprogrammiert. Es wurden die Klingen gekreuzt - und so manches Mal waren die Studenten bessere Fechter als die Soldaten.

Um nicht weiter mitansehen zu müssen, "wie seine Offiziere von seinen zukünftigen Konsistorialräten zusammengehauen werden", war Friedrich entschlossen, seine junge Universität zu verlegen.

Es bewarben sich drei Städte: Hof, Kulmbach und Erlangen. Kulmbach stand in der engeren Wahl und hatte mit der Plassenburg gute räumliche Voraussetzungen. Doch die Entscheidung fiel für Erlangen, weil dort das Gebäude der alten Ritterakademie zur Verfügung stand und der Umgang mit den französischen Emigranten für Wilhelmine und ihren Leibarzt von Superville angemessener erschien.

Die Eröffnung der Universität Erlangen fand 1743 im Rahmen großer Feierlichkeiten statt.

Der vierte Versuch

Erst mit dem Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und seines Kabinetts am 20. Juni 2017 in Kulmbach wurde der Traum von einer Universität in Kulmbach im vierten Anlauf wahr.

Der damalige Oberbürgermeister Henry Schramm nutzte die Gunst der Stunde und erhielt endlich die lange erhoffte Zusage.