1947 begann die Nachkriegsjugendarbeit im Landkreis Kulmbach. Und seit damals gab es keinen größeren Einschnitt als im vergangenen Jahr. Den Grund nannte Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses in der Aula des Beruflichen Schulzentrums: Corona. Die Pandemie habe das Jahresprogramm 2020 massiv beeinflusst, die Auswirkungen würden sicher auch 2021 noch deutlich zu spüren.

Belastung für das Zusammenleben

Auch Sachgebietsleiter Bernhard Rief machte in seinem Bericht über die Jugendhilfe im Landkreis deutlich, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus den Alltag verändern und eine Belastung für das Zusammenleben sind. "Gerade jetzt haben wir deswegen dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche vor sämtlichen Formen von Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung geschützt sind. Und ich habe den Eindruck, dass dies im Landkreis Kulmbach auch ganz gut gelingt."

Ein Beispiel ist für Rief die Zahl von Gefährdungsmeldungen. So habe es im vergangenen Jahr 237 derartige Hinweise zu insgesamt 157 Familien gegeben. Das fünfjährige Mittel liege bei 227, man könne also allenfalls von einem leichten Anstieg sprechen. "Nichtsdestotrotz belegen die Zahlen zu den Gefährdungshinweisen aber, dass das Kinderschutznetz auch in der Krisensituation gut funktioniert", sagte der Sachgebietsleiter, der allen Netzwerkpartnern aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Polizei, dem Gesundheitswesen und den Schulen dankte. In seinen Dank schloss er seinen Vorgänger Klaus Schröder ein: "Als überaus geschickter Netzwerker hat er Strukturen geschaffen, die gerade im Krisenmodus ihre Belastbarkeit unter Beweis gestellt haben."

Gewalt in der Partnerschaft

Was bundesweit und im Kreis Kulmbach feststellbar ist: Gefährdungsmeldungen wegen häuslicher Gewalt beziehungsweise Gewalt in der Partnerschaft nehmen in der Pandemie beständig zu.

Im Landkreis Kulmbach bieten aktuell 59 Einrichtungen 3765 Kindertagesbetreuungsplätze an. "Eine recht beachtliche Zahl", so Rief.

In seinem Rückblick zeigte Jürgen Ziegler auf, dass die Flexibilität schon immer ein Markenzeichen der Jugendarbeit war. "Wir stellen uns stets neuen Herausforderungen und passen uns den jeweiligen Gegebenheiten an." Hauptaufgabe 2020 sei es gewesen, coronabedingte Vorgaben so in den Alltag einzubauen, "dass sowohl der Charakter der Jugendarbeit erhalten blieb, als auch der Gesundheitsschutz aller Beteiligten gewährleistet wurde".

Gleichzeitig habe man trotz aller Widrigkeiten versucht, möglichst alle Veranstaltungen mit der notwendigen Qualität und auch Quantität anzubieten. "Um dies umzusetzen, galt es sämtliche geplanten Angebote komplett zu hinterfragen und entsprechend anzupassen", so Ziegler. Bei der Kinder- und Jugendarbeit würden junge Menschen Schlüsselqualifikationen erwerben, die sie für ihre gesamte Entwicklung dringend benötigten.

Hilfe für Sportvereine

Der Kreisjugendpfleger ließ nicht unerwähnt, dass ein einmaliger Corona-Sonderzuschuss in Höhe von 26 100 Euro an die Sportvereine gewährt wurde. Daneben zahlte der Kreis im vergangenen Jahr insgesamt Zuschüsse für laufende Zwecke der Jugendarbeit in einer Höhe von 126 281 Euro aus. Darin enthalten sei auch der Jahreszuschuss für den Kreisjugendring mit 48 000 Euro.

Nicole Neuber stellte als Bildungskoordinatorin das Konzept "Bildungsregion Kulmbach" mit seiner inhaltlichen und strukturellen Ausrichtung vor. Hier gehe es vor allem um das Fortführen des Begonnenen.

Interkulturelle Woche diesmal online

Souzan Nicholsen warb als Integrationslotsin des Landkreises für die Interkulturelle Woche, die vom 26. September bis 3. Oktober stattfinden soll. Geplant sei auch ein "Tag des Flüchtlings" am 1. Oktober. Ziel sei heuer eine verstärkte Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Der Arbeitskreis habe bereits beschlossen, die Interkulturelle Woche ausschließlich digital anzubieten.

Kreiskämmerer Rainer Dippold zeigte die Entwicklung des Zuschussbedarfs im Bereich der Jugendhilfe auf. Lag dieser im Jahr 2017 noch bei knapp acht Millionen Euro, so werde er im Haushalt 2021 auf knapp neun Millionen Euro wachsen. Bei den Kreisaufgaben, die von freien sozialen Trägern wahrgenommen werden, liegt der Zuschussbedarf für 2021 bei 710 880 Euro. Der Zuschuss an Avalon ist auch in diesem Jahr wieder mit 18 000 Euro eingeplant, so dass sich bei der Jugendhilfe ein Gesamtzuschussbedarf von 9,7 Millionen Euro ergibt.

Frank Wilzok (CSU) sprach von keinem einfachen Jahr in der Jugendarbeit und dankte allen, die die Jugendlichen mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit im letzten Jahr "auf Trab hielten".

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) würdigte vor allem die Arbeit in der Kreisjugendpflege und die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring: "Es funktioniert in aller Regel prächtig!"