Wenn es um die Kunst geht, greift Lutz-Benno Kracke schon einmal zu außergewöhnlichen Mitteln. Kurz nachdem er Kontakt aufgenommen hatte zu Künstlern aus der neuen Bayreuther Partnerstadt Tekirdag in der Türkei, so berichtet der Vorsitzende von Focus Europa, habe er einen Anruf bekommen: Ob er morgen nach Istanbul kommen könne? "Ich habe gesagt, dass es morgen nicht geht. Aber übermorgen."

Soviel Spontaneität macht sich bezahlt. In der Ausstellung "7. International Contemporary Art", die am Sonntag auf der Plassenburg eröffnet wurde, sind auch fünf türkische Künstler vertreten und bereichern das ohnehin schon breit gefächerte Spektrum der Exponate.

Gemeinsam mit knapp 50 weiteren Künstlern aus insgesamt neun Ländern zeigen sie Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und Reliefs, Keramik, Installationen und Schmuck - eine bunte und sehr vielfältige Zusammenschau dessen, was Gegenwartskunst sein kann.

Groß und klein

Großformatiges in kräftigen Farben wie "Red and Blue" von Marica Wata aus Polen steht im Kontrast zu kleinformatigen Zeichnungen mit spitzem Strich aus der Feder des Schweizers Magi Wechsler. Raumgreifende Installationen wie "Come to the Garden" von Laura Pöld aus Estland korrespondieren mit den fein ziselierten Schmuckstücken aus Silber und Bernstein aus der Werkstatt von Edgars Kvjatkovskis aus Lettland.

Bemerkenswert ist aus Sicht von Jürgen Sandweg, dem Leiter des Kunstmuseums Erlangen und Vorsitzenden der Jury für dieser Ausstellung, vor allem eines: "Es gibt, abgesehen von kleinen Ausnahmen, in den Werken keine ausgesprochen nationale Sprache. Das zeigt, dass Europa auf dem Gebiet der Kunst erfolgreich zusammenwächst."

Der Blick über die Grenzen hinweg fördern und den Kontakt von Künstler aus unterschiedlichen Ländern zu unterstützen, ist das wesentliche Anliegen des Vereins Focus Europa, der diese Schau der Gegenwartskunst bereits zum zweiten Mal auf der Plassenburg initiiert hat. Ein lobenswertes Projekt, wie Bürgermeister Stefan Schaffranek eingangs betont. Ein Projekt, das angesichts der durch die Finanzkrise ausgelösten Schwelbrände, die es allenthalben auch in Europa gibt, wichtiger ist denn je, wie Vorsitzender Kracke deutlich macht.

Große Neugier

Die Neugier auf das, was Künstler in Estland, Lettland und Litauen, in Italien, Polen, der Schweiz, der Slowakei, der Türkei und Deutschland produzieren, ist groß. Die Vernissage in der großen Hofstube ist gut besucht und am Rande ergibt sich für manche Besucher die Möglichkeit, mit dem einen oder anderen der Künstler ins Gespräch zu kommen. Die Gäste aus dem Ausland haben sich bereits kennen gelernt: Sie absolvieren rund um die Ausstellungseröffnung ein Rahmenprogramm mit Ausflügen und einem Künstlerfest.

Beim Rundgang durch die Ausstellung gibt es dann viele lobende Worte: Ansprechend seien die Werke, vom Team um Kurator Udo Rödel harmonisch zusammengestellt - und allemal einen Besuch auf der Plassenburg wert.