Lockdown und kein Ende? Die erneute Verlängerung ist beschlossen. Einzelhändler und Selbstständige sind ebenso genervt wie ein Großteil der Bürger. Wie lange soll das noch so weitergehen? Halten die Geschäftsinhaber die Corona-Beschränkungen aus?

Der Schutz der Gesundheit ist wichtig. Das ist für Werner Türk, Inhaber von Herrenmoden Türk in der Kulmbacher Fußgängerzone, gar keine Frage. Aber für die langfristige Schließung aller Geschäfte hat er kein Verständnis, schon gar nicht dafür, dass Friseure öffnen dürfen, alle anderen aber nicht. "Ich finde das unmöglich. Gerade für uns kleine Geschäftsleute ist das schlimm. Es gibt für mich keinen nachvollziehbaren Grund, warum wir nicht aufmachen dürfen - gerne unter Einhaltung bestimmter Auflagen. Das wäre ja kein Problem."

Auf ein positives Signal gehofft

Beim Bäcker und Metzger, in Supermärkten, Discountern und Drogerien herrsche ein ständiges Kommen und Gehen vieler Menschen. "Aber ich darf keinen einzigen Kunden in meinen Laden lassen."

Von der Politik hätte der 70-Jährige sich jetzt endlich ein positives Signal erhofft. "Ich habe gedacht, wir dürfen wieder aufmachen, wenigstens einen Kunden nach dem anderen bedienen, eventuell mit Terminvereinbarung. Ich habe mir schon überlegt, eine Ampel vor meinem Laden anzubringen: Grün heißt, man darf reinkommen, Rot bedeutet, bitte warten, bis der Kunde vorher fertig ist. Das würde funktionieren, und ich hätte zumindest ein bisschen mehr Umsatz. Der wäre überlebenswichtig."

Das Schlimmste stehe vielen Händlern noch bevor. "Ich habe keine Winterware verkauft. Wenn mein Geschäft jetzt offen wäre, könnte ich das eine oder andere Stück noch verkaufen, aber in ein paar Wochen will niemand mehr Winterkleidung."

Kosmetikerin Sabine Valentin-Hofknecht ärgert vor allem eines: die Ungerechtigkeit, die mit den politischen Entscheidungen einhergeht. "Ich gönne den Friseuren selbstverständlich, dass sie wieder öffnen dürfen. Aber wir wollen gleichbehandelt werden und wieder arbeiten dürfen."

Ihr fehle eine nachvollziehbare Begründung, sagt die 48-Jährige. "Was wir anbieten, ist genauso wichtig wie Haare schneiden. Es geht bei uns nicht um Luxus, ein bisschen Wimpern zupfen und Lippenstift auftragen. Zu uns kommen viele Menschen, die große Hautprobleme haben und die Behandlungen brauchen. Wir üben einen ebenso notwendigen Beruf aus wie die Friseure, aber wir haben keine Lobby im Hintergrund."

Hygienische Bedenken lässt die Kosmetik-Fachfrau in diesem Zusammenhang nicht gelten: "Wir haben ein sehr gutes Hygienekonzept, nicht erst seit Corona. Das wurde in der Pandemie noch einmal deutlich erweitert, und ich habe dafür viel investiert. Trotzdem musste ich zum 1. November kurzfristig zusperren und weiß noch immer nicht, wann ich wieder Termine vergeben und wann ich welche Waren bestellen kann."

Sie sei dankbar für die staatliche Unterstützung, aber die sei erstens sehr spät gekommen und decke zweitens nur die Betriebskosten. "Inklusive des ersten Lockdowns habe ich seit sechseinhalb Monaten nichts verdient. Meine beiden Angestellten sind in Kurzarbeit. ."

Sabine Valentin-Hofknecht hofft, dass sie nun wie der Einzelhandel spätestens ab 7. März ihr Geschäft wieder öffnen darf und sie und ihre Mitarbeiterinnen wieder arbeiten können.

Über die Runden retten

Franziska Güldenberg aus Proß hat sich 2016 mit einem Nageldesign-Studio selbstständig gemacht. Seit dem Beginn des zweiten Lockdowns kann sie keine Kundinnen bedienen und hat damit auch keine Einnahmen. Die gelernte Floristin rettet sich in der Krise über die Runden, indem sie auf 450-Euro-Basis bei "Kreative Floristik Zoike" in Kasendorf arbeitet.

Die 36-Jährige ärgert sich sehr darüber, dass sie nicht zeitgleich mit den Friseuren wieder starten darf. "Die Umsetzung eines entsprechenden Hygienekonzepts, zum Beispiel mit einer Plexiglasscheibe, wäre jederzeit möglich", sagt die 34-Jährige. Ohnehin sei ihr Kundenkontakt immer nur eine Zweier-Begegnung, Laufkundschaft gibt es bei ihr nicht. Das Infektionsrisiko sei gering.

Staatliche Hilfen hat Franziska Güldenberg für die Monate November und Dezember erhalten. Seit Januar bekommt sie lediglich Fixkostenbeihilfe. Die 34-Jährige wünscht sich aktuell nur eines: schnell wieder starten zu können und die lange Warteliste ihrer Kundinnen abarbeiten zu dürfen.

Ein hörbares Aufatmen am Telefon kommt von Friseurmeisterin Sonja Vieth aus Mainleus. Die 36-Jährige wurde zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt von Corona ausgebremst. Sie hat, wie seit langem geplant, zum 1. Januar den Salon ihrer Mutter übernommen. "Ich habe bei meiner Mama gelernt, dann in anderen Betrieben noch Berufserfahrung gesammelt und bin dann als Meisterin in unseren Betrieb zurückgekommen. Als Juniorchefin habe ich das Geschäft eineinhalb Jahre mitgeführt.

Glück im Unglück

Glück im Unglück war für Sonja Vieth, dass sie einen bestehenden Betrieb übernahm, sonst bekäme sie nicht einmal Überbrückungshilfe. "Die ist zwar lange versprochen, kann aber erst seit gestern beantragt werden. Bis wir dieses Geld bekommen, wird es noch dauern."

Die Übernahme des Salons habe sie sich anders vorgestellt: Mein Startkapital ist aufgebraucht, das Konto im Minus." Trotz allem blickt die Friseurmeisterin optimistisch in die Zukunft. "Alles andere bringt ja auch nichts."

Sie freue sich darauf, endlich durchstarten zu können. "Wirklich weh tut mir die Situation meiner Mutter. Sie wollte mir das Geschäft ohne Minus auf dem Konto übergeben. Aber nachdem der halbe Dezember an Einnahmen gefehlt hat, war das nicht möglich. Und auch für sie persönlich blieb ein Defizit. Sie muss lang bei mir arbeiten, um das wieder auszugleichen. Das finde ich schlimm."

Dass andere Dienstleister und viele Einzelhändler sauer sind, dass die Friseure vor ihnen öffnen dürfen, versteht Sonja Vieth gut. Wichtig wäre, dass alle möglichst bald ein Stück Normalität bekommen, um die Krise zu überstehen.

Staatliche Hilfen sollen schneller fließen

Und was sagt die Politik zu dieser Situation? "Ich kann den großen Unmut nachvollziehen, vor allem, weil die Hilfen nur schleppend ausgezahlt werden", sagt Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). "Wäre das besser gelaufen, wäre die Akzeptanz sicher größer. Jetzt ist es leichter, die Hilfen zu beantragen, und das Geld soll schneller fließen."

Sind die am Mittwochabend verkündeten Entscheidungen aus Zeulners Sicht richtig? Die Abgeordnete ist zwiegespalten: "In Nuancen hätte ich anders entschieden, aber alles auf einmal zu öffnen, das geht nicht. Das Schlimmste, das uns jetzt passieren könnte, wäre eine dritte Infektionswelle. Die müssen wir unbedingt verhindern." Wenige Wochen Verlängerung seien das kleinere Übel, verglichen mit dem Risiko, "dass uns die Situation noch einmal entgleitet".