Ein dickes Brett bohren." Dieser Spruch fiel am Montag einige Male in der Sitzung des Kreistags, als die Kommunalpolitiker im Landratsamt - wieder einmal - um die verkehrstechnische Anbindung von Kulmbach an die Metropolregion Nürnberg diskutierten. Und über eine entsprechende Resolution der FDP.

Speziell geht es um die Bemühungen des Landkreises, der dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) beitreten will. Bislang wird diese Anbindung als öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) eingestuft, für den der Landkreis zahlen muss.

Diese Einstufung will die FDP ändern. Veit Pöhlmann erläuterte den Hintergrund des erneuten Vorstoßes: "Ich war neulich in München. Dort kostet das Tagesticket für den Münchner Verkehrsverbund 6,40 Euro. Damit kann man in einem Radius von 40 Kilometern fahren. Von Limmersdorf nach Kulmbach und zurück kostet es 6,80 Euro. Das kann es doch auf Dauer nicht sein", beschrieb er recht anschaulich die Lage im ländlichen Raum.


Zu große Entfernungen

Für ihn ist klar, dass sich bei einem Beitritt zum VGN nicht mehr um den ÖPNV und damit um eine Aufgabe des Landkreises handelt. "Nicht bei diesen Entfernungen." Vielmehr müsse eine Finanzierung aus Landesmitteln die Anbindung des ländlichen Raums an die Metropolregion Nürnberg sicherstellen.

Das hat der Landkreis bereits versucht und schon in den Jahren 2013, 2014 und 2016 den Freistaat um eine Sonderförderung gebeten. Dabei ging es um die Übernahme der Ausgleichszahlungen für die Bahn, die bei einem Beitritt zum VGN entstehen. Bislang gab es kein Geld vom Land - und damit keinen Beitritt.

Doch das will die FDP nun mit ihrer Resolution ändern. Sie will dazu über die Landesplanung sogar eine neue Verkehrsebene etablieren, den "Regionalverkehr". Diese Einstufung gibt es bisher noch nicht. Mit ihr soll ein Bindeglied zwischen Nah- und Fernverkehr geschaffen werden.

Für die Finanzierung des Regionalverkehrs soll dann ausschließlich der Freistaat Bayern zuständig sein. Damit werde Kommunen ein Beitritt zum Verkehrsverbund ermöglicht, die bislang außerhalb der definierten Reichweite (50 Kilometer, eine Stunde Reisezeit) liegen.


Veränderte Bedürfnisse

Bei den Kulmbacher Kreisräten stieß der Vorstoß auf einhellige Zustimmung. Simon Moritz (SPD) erklärte: "Wir unterstützen die Resolution und fordern ebenfalls eine weitere Kategorie, die den veränderten Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Unser Hauptziel bleibt der Beitritt zum VGN. Wenn die Resolution einen Beitrag dazu leisten kann, unterstützen wir sie."


Umsetzung sicher nicht leicht

Zustimmung auch von der CSU: "Letztendlich trägt der Vorstoß dem Umstand Rechnung, dass sich in der Bevölkerung ein anderes Mobilitätsverständnis eingestellt hat." Die Umsetzung der Resolution sei sicher nicht leicht: "Eine Umfinanzierung ist immer schwer."

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) ergänzte noch, dass man auch die Elektrifizierung der Bahn auf der Linie Lichtenfels - Bayreuth/Hof über Neuenmarkt nicht aus den Augen verlieren darf.

Letztlich stimmten die Kreisräte einmütig der Resolution zu, die unter anderem an Ministerpräsident Horst Seehofer und die Verkehrsministerien in Berlin und München geschickt wird.