Ist der Darrturm erhaltenswert? Nein, sagte der Rosenheimer Bauunternehmer Jürgen Drösel, der in der Pestalozzistraße auf dem Gelände der früheren Mälzerei Müller einen Komplex mit 157 Wohnungen für Senioren und Studenten errichten und dafür die alten Gebäude einschließlich des denkmalgeschützten Darrturms abreißen wollte. "Der Turm ist mit einem finanziell vertretbaren Aufwand nicht zu sanieren", betonte Drösel noch Ende November im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau. Dass der siebenstöckige Backsteinturm, der eine große städtebauliche Bedeutung habe, als Einzeldenkmal unbedingt erhalten werden muss, stand indes für die Stadt und das Landesamt für Denkmalpflege fest. "Der Darrturm ist schützenswert und erhaltungswürdig", betonte Stadtbaurat Jens Ellinghaus als Leiter des Bauamtes.

Fronten waren verhärtet

Die Fronten waren verhärtet: Nachdem der Stadtrat Drösels Abrissantrag abgelehnt hatte, war der Disput noch einmal öffentlich geworden. Der Unternehmer hatte Druck aufgebaut, erklärt, dass er zwar bauen wolle, das aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht unbedingt müsse. "Dann bleibt es halt bei der Ruine in der Innenstadt", stellte er fest.

Die Machbarkeitsstudie

Und heute? Die Wogen scheinen geglättet: Es geht jetzt offenbar nicht mehr allein um die Frage, ob der Darrturm stehen bleibt, sondern auch darum, ob weitere Gebäude, wie die Ziegelbauten des ehemaligen Sudhauses der Petzbräu und des späteren Maschinenhauses der Mälzerei sowie das in den Hang hineinversetzte ehemalige Kellerhaus erhalten werden. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat eine 190  000 Euro teure Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht, an deren Finanzierung sich die Drösel Bau GmbH & Co.KG mit 19.000 Euro beteiligt wie die Stadt.

Für Architekt Klaus J. Schulz vom "Büro für Städtebau und Freiraumplanung" aus München handelt es sich, wie er dem Stadtrat erläuterte, bei dem Gelände der Petzbräu/Mälzerei Müller um ein prägendes Stadtensemble, das auf jeden Fall erhalten werden sollte. Er spricht von "Kronjuwelen der Stadt".

"Kein finanzieller Nachteil"

Dass alles unternommen werden sollte, ein Stück Kulmbacher Stadtgeschichte zu bewahren, stellte OB Ingo Lehmann (SPD) fest. Ob es aber tatsächlich gelingen wird, eine der ältesten industriellen Brauereianlagen der Bierstadt zu erhalten, zu sanieren und wieder mit Leben zu erfüllen? Jürgen Drösel spricht von einer spannenden Frage. "Ich bin für alles offen", sagt der Bauunternehmer, der nicht nur Geld für die Machbarkeitsstudie bereitstellt, sondern sich auch gesprächsbereit zeigt. Wenn ihm ein vernünftiger und wirtschaftlich sinnvoller Weg aufgezeigt werde ("Ich habe Zweifel, dass das gelingt"), werde er sich dem nicht verschließen, betont Drösel auf Anfrage der Bayerischen Rundschau. Es sei dann sogar denkbar, dass er sich von dem Wohnbauprojekt verabschiede. "Ich bin aber Geschäftsmann und will keinen finanziellen Nachteil erleiden."

Die Abrissgenehmigung

"Ich bin erst mal gespannt auf die Ideen, die entwickelt werden", erklärt der Geschäftsmann, der nach wie vor Herr des Geschehens ist. Denn er hat bereits eine rechtskräftige Abrissgenehmigung in der Tasche, die zwar nicht den Darrturm, aber die anderen Gebäude betrifft. Was passiert, wenn ihm kein schlüssiges Konzept vorgelegt wird? "Dann baue ich, wie wir es bis dato geplant hatten", lautet seine Antwort.

DerDarrturm

Von einem scheint der Investor aber schon abgerückt zu sein: vom Abriss des Darrturms. "Der muss stehen bleiben", sagt Drösel, der mit dem Gedanken gespielt hatte, diesen abzubrechen und originalgetreu nachzubauen. Ein Abriss stand aber auch für das Landesamt für Denkmalpflege nie zur Diskussion. "Das ortsbildprägende Einzeldenkmal ist - nach jetzigem Kenntnisstand - aus denkmalfachlichen Gesichtspunkten und substanzbewahrend zu sanieren", hieß es aus München. Ein originalgetreuer Nachbau sei keine Option.

Das wäre möglich

Welche künftige Nutzung auf dem Areal sich die Stadt Kulmbach vorstellen kann? Vieles sei denkbar, heißt es aus dem Rathaus. Die Machbarkeitsstudie solle belastbare Aussagen zur Nutzbarkeit und konkrete konzeptionelle Vorstellungen liefern, sagt Pressesprecher Jonas Gleich. Ein vorbildliches Beispiel sei die Scheidmantel-Brauerei in Coburg. "Die eine oder andere Idee aus diesem Revitalisierungsprozess lässt sich sicherlich auch auf die Mälzerei Müller übertragen." Denkbar sei eine urbane Mischnutzung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit. "Es könnten nicht störende Gewerbebetriebe oder Dienstleister einziehen." Auch viele Ideen aus den Reihen des Stadtrates und der Öffentlichkeit könnten verwirklicht werden: so eine Markthalle oder ein Ärztehaus. "Wir sind zuversichtlich, dass uns die Machbarkeitsstudie kreative Lösungen liefern wird", erklärt OB Ingo Lehmann, der Jürgen Drösel für seine Bereitschaft zur Machbarkeitsstudie und sein Entgegenkommen dankt.

Der Konflikt zwischen Stadt und Bauunternehmer scheint vom Tisch. Ob es aber auch Konsens gibt, wenn es darum geht, welches Nutzungskonzept letztlich realisiert wird, bleibt abzuwarten.