Das Bild, das sich in der Innenstadt zeigt, ist trostlos: Die meisten Läden sind geschlossen, die Geschäftsleute bangen um ihre Existenz. Die Pandemie und die weitreichenden Beschränkungen legen den Einzelhandel lahm.

Bringt es Umsatz?

Einige Händler sind für die Kunden telefonisch erreichbar, liefern Waren vor die Haustür. Viele sehen das Internet aber als die einzige Möglichkeit, Umsatz zu generieren. Doch nicht jeder hat einen eigenen Online-Auftritt. Und so freut sich Alexandra Sintenis, die in Zeiten vor Corona in ihrem Laden in der Blaich Mode, Taschen und Schmuck verkauft hat, dass eine Initiative startet, "die uns Händlern die Möglichkeit bietet, unsere Waren im gemeinsamen Online-Shop anzubieten".

Der "kulmbach.shop"

Auf www.kulmbach.shop können sich Geschäfte ab heute präsentieren. Es ist eine Plattform, die die Firma dynamic commerce GmbH aufgebaut hat, die "digitale Nachbarschaftshilfe" leisten will. Händler können bis zu zehn Artikel kostenlos einstellen, müssen beim Verkauf eines Produktes fünf Prozent des Umsatzes für die Zahlungsabwicklung abgeben, wie Prokuristin Wiktoria Kleindienst erläutert. Geld, das nicht der Firma zugute komme, sondern von Bezahldiensten eingefordert werde. Ob der Versand selbst durchgeführt oder über eine Logistikfirma vorgenommen werden soll, könne jeder selbst entscheiden.

Hilfe in schwieriger Zeit

Wie Kleindienst mitteilt, will ihr Unternehmen als Entwickler von E-commerce-Software dazu beitragen, dass man trotz Ausgangsbeschränkung in den Kulmbacher Geschäften einkaufen kann. Den Händlern wolle man so helfen, durch eine schwierige Zeit zu kommen.

"Tolle Idee"

"Eine tolle Idee", meint Alexandra Sintenis, die sich darüber freut, "dass sich jemand um uns Kulmbacher Händler kümmert. Ich hätte mir da auch eine Unterstützung vom Rathaus erhofft. Die ist aber leider nicht gekommen." Sintenis wünscht sich, dass sich viele am "kulmbach.shop" beteiligen. "Je mehr mitmachen, desto mehr wird sich das für uns auszahlen."

Zweite Plattform

Alexandra Hofmann, die Sprecherin der Händlervereinigung "Unser Kulmbach" und Inhaberin der Parfümerie Benker ist, bezweifelt, dass sie mit ihren Produkten im Netz das große Geschäft macht. Bei Parfüm könne sie mit den Online-Angeboten großer Ketten wohl kaum konkurrieren. Hofmann wird sich am Projekt von dynamic commerce nicht beteiligen. Sie hat sich aber, wie Sintenis übrigens auch, bei einem anderen Portal angemeldet: bei einer Online-Plattform, die der Kulmbacher Janosch Asen mit seiner Frau Charlotte und zwei Freunden ins Leben gerufen hat. Asen will ebenso einen Beitrag leisten, "dass wir auch nach der Krise noch lebendige Innenstädte und die kleinen Lieblingsläden um die Ecke haben". Auf der Plattform supportsmallbusiness.de können sich bundesweit Einzelhändler mit ihrem Angebot eintragen. "Sie werden dann von Kunden auf einer Karte gefunden. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass es trotz der Ausgangsbeschränkungen noch Angebote und Möglichkeiten neben Amazon und Co gibt." Es sei ein "ehrenamtliches Non-Profit-Projekt". "Uns geht es einzig darum, den Einzelhandel zu stärken und die Chance auf sein Überleben zu erhöhen." "Ich habe da ein gutes Gefühl", sagt Alexandra Hofmann, die sich wie ihr Bruder Christoph Hofmann, der einen Schreibwarenladen betreibt, eingetragen hat. Die beiden sind nicht die einzigen. Janosch Asen: "Aktuell machen etwa 25 Händler aus Kulmbach mit."