Es war ein purer Zufall, der Reinhard Stelzer auf die Spur eines wertvollen Kulturguts gebracht hat. "Ich habe eine Zeitungsnotiz vom 5. November 1962 gelesen", sagt der Himmelkroner Kulturbeauftragte. Dabei hat er erfahren, dass der damalige Pfarrer Bernhard Harleß und die Kirchenstiftung einen Empo renbehang, der früher die markgräfliche Loge in der Stiftskirche geziert hat, in jenem Jahr dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.

Imposante Ausmaße

Es ist ein imposantes Werk: ein sechs Meter breites und 1,60 Meter hohes Wolltuch, das im Nationalmuseum aber nie ausgestellt worden ist, sondern seit einem halben Jahrhundert im Depot lagert. "Man hat das Stück wohl auch deshalb nie präsentiert, weil der Platzbedarf enorm wäre", glaubt Stelzer, der die treibende Kraft bei dem Bemühen ist, das wertvolle Zeugnis aus der Markgrafenzeit nach Himmelkron zurückzuholen.

Mit der Leiterin der Sammlungen für Textilien und Schmuck, Jutta Zander-Seidel, hat Stelzer den Behang in Nürnberg begutachtet. "Dieser schmückte das Himmelkroner Gotteshaus wohl bis 1882", urteilt Zander-Seidel. Es sei ein Wolltuch, gefertigt in Intarsientechnik, auf violettem Grund, das stark ausgeblichen sei.

Professionelle Auftragsarbeit

In ihrer Expertise verweist Zander-Seidel darauf, dass im Zuge des 1698 begonnenen Umbaus der gotischen Stiftskirche zur barocken Gemeinde- und Markgrafenkirche in das Laienschiff zwei Emporenreihen eingezogen worden waren, deren obere der Hofgesellschaft vorbehalten war. Der kunstvoll gearbeitete Teppich mit dem Hohenzollernschen Wappen und der Jahreszahl 1621 sei von Markgräfin Marie (gestorben 1649) und ihren Hofdamen gefertigt und von ihrem Enkel Markgraf Christian Ernst 1699 dem Gotteshaus geschenkt worden, heißt es in einer schriftlichen Überlieferung. Die Ausmaße und die Ausführung lassen, so Zander-Seidel, aber wohl eher auf eine professionelle Auftragsarbeit schließen.

Reinhard Stelzer will das "einmalige Zeugnis aus der Markgrafenzeit " wieder in die Stiftskirche holen. "Im dortigen Museum soll es ausgestellt werden", sagt der Kulturbeaufragte, für den es erstaunlich ist, dass der hochwertige Behang die Zeit der gewaltigen Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg so gut überstanden hat. Lanzendorf sei damals komplett abgebrannt, das Kloster geplündert worden. "Der Teppich hat das aber alles unbeschadet überstanden."

Auch Kachelofen ist in Nürnberg

Die Restaurierung und die Anfertigung einer Vitrine, in der das Stück gezeigt werden soll, werden laut Stelzer wohl rund 8000 Euro verschlingen. Man hoffe zur Finanzierung der Kosten für die Rückführung auch auf eine öffentliche Förderung, sagt der Kulturbeauftragte, der weiß, dass sich im Nationalmuseum noch weitere, historisch bedeutsame Himmelkroner Kulturgüter befinden. So ein großer Kachelofen aus der Markgrafenzeit. Der ist aber keine Dauerleihgabe, sondern wurde ans Nationalmuseum verkauft. "Beim Kachelofen haben wir keine Chance, ihn zurückzubekommen." Anders als beim Emporenbehang, der Stelzer zufolge schon Ende 2013 im Museum gezeigt werden könnte.