Sie ist ungewollt in die Schlagzeilen geraten: die Kollin Medien GmbH aus Neudrossenfeld, die vor wenigen Tagen noch als heißer Kandidat für die Übernahme des insolventen Neudrossenfelder Druckunternehmens Holtz AG galt. Die Verhandlungen sind am Freitag vergangener Woche für viele dann aber überraschend geplatzt. "Es ist schade, doch auf die Bedingungen konnten wir letztlich nicht eingehen, weil wir womöglich unser eigenes Unternehmen gefährdet hätten", sagt Geschäftsführer Olav Kollin.

"Ich hätte gerne geholfen"
Kollin ("Ich hätte gerne geholfen") bedauert es sehr, dass er seine Pläne nicht umsetzen konnte, die zumindest doch auch einem Teil der Holtz-Belegschaft eine Zukunft geboten hätten.
Und der 43-Jährige beklagt, dass in Folge der Holtz-Schlagzeilen mitunter sogar die Mär die Runde gemacht hat, dass auch die Kollin GmbH von der Insolvenz betroffen sei. "Wir mussten einigen Kunden gegenüber versichern, dass da überhaupt nichts dran ist", stellt Olav Kollin fest.

Genügend Kapazitäten
Kollin und Holtz sind in einem Firmenkomplex in der Neudrossenfelder Gutenbergstraße untergebracht und bis dato auch Geschäftspartner gewesen. "Wir haben zwei Drittel unserer Aufträge von Holtz drucken lassen", sagt Olav Kollin, der sich nach dem Aus des benachbarten Druckunternehmens um die eigene Firma aber keine Sorgen machen muss. "Druckkapazitäten gibt es auch in Oberfranken en masse", sagt der Geschäftsführer, der mit einigen Betrieben in der Region kooperiert.

"Printerwahnsinn"
Die Firma Kollin wurde 1999 gegründet, hat sich zunächst mit "Printerwahnsinn" als Online-Druckerei einen Namen gemacht. 2009 hat die GmbH dann eine Nische besetzt, in der sie heute über 5000 Kunden in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland bedient. Unter der Marke "Print 4 Reseller" bietet Kollin individuelle Online-Shop-Lösungen für Druck- und Mediendienstleister.

"Wir ermöglichen so vor allem kleineren Druckereien, die Drucken noch als Handwerk betreiben und sich oft in einem Existenzkampf befinden, kostengünstig am wachsenden Onlinemarkt teilzunehmen", betont Olav Kollin.

Sammelaufträge
Bei der Herstellung von Flyern, Foldern oder auch Plakaten in kleinen Mengen könnten kleinere Druckereien mit den Niedrigpreisen der Online-Druckspe zialisten nicht konkurrieren. Die Medien GmbH biete diesen Firmen Shop-Versionen an. "Bei jedem eingehenden Auftrag kann der Betrieb dann entscheiden, ob er ihn selbst produziert oder zu Discount-Konditionen über uns zukaufen möchte", erläutert Olav Kollin. Da die Medien GmbH mehrere gleichartige Aufträge in Sammelformen standardisiert produziere und so bei der Herstellung die Rüstkosten auf mehrere Aufträge verteile, könnten bei kleineren Aufträgen im Vergleich zur Einzelproduktion große Preisunterschiede entstehen.

Viele kleinere Druckereien setzen auf das Kollin-Angebot, aber auch große Firmen, die in Neudrossenfeld Broschüren fertigen lassen. In den Kollin-Räumen selbst wird nicht gedruckt. Dort erfolgt aber an modernen Maschinen die Weiterverarbeitung bis hin zum Versand.

2000 Tonnen Werbematerial
Das Geschäft läuft. Die Kollin Medien GmbH verschickt im Jahr rund 2000 Tonnen Werbematerial, wie Olav Kollin mitteilt. Seine Firma beschäftigt 39 Männer und Frauen, darunter 25 Vollzeitkräfte. "Wir halten dem Standort Neudrossenfeld die Treue", versichert der Firmengründer, der den Geschäftspartner Holtz AG nicht retten konnte, mit Kollin aber in eine rosige Zukunft blickt.