Patienten, die schwer an Covid19 erkrankt sind, die im künstlichen Koma liegen, an Beatmungsmaschinen angeschlossen sind - ein bedrückendes Bild, das bei Ralf Dorfschäfer zum Arbeitsalltag gehört. Der 50-Jährige ist Stationsleiter der Krankenpflege-Fachkräfte auf der internistischen Intensivstation am Kulmbacher Klinikum, die in der Pandemie zur reinen Covid-Station umfunktioniert worden ist. Eine Station, auf der Menschen um ihr Leben kämpfen.

Im künstlichen Koma

Wer unter einer starken Lungenentzündung leidet, wird hier beatmet. Durch eine Maske wird Druck ausgeübt, damit der Gasaustausch und die Sauerstoffversorgung im Lungengewebe verbessert werden. Sind es ganz schwere Verläufe, wird der Patient ins künstliche Koma gelegt. Ein Schlauch wird in die Luftröhre eingeführt, der Patient an die Beatmungsmaschine angeschlossen, die die komplette Atmung übernimmt. Warum die Patienten dabei oft auf den Bauch gedreht werden? "Weil sich dadurch die Belüftung der Lunge in vielen Anteilen verbessern kann", sagt Joseph Alhanna, der Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin ist.

Beatmung in der Bauchlage

Frauen und Männer in die Bauchlage zu bringen, ist ein kraftaufwendiger, zeitraubender Prozess. "Da sind vier Personen schon mal eine Dreiviertelstunde beschäftigt", sagt Ralf Dorfschäfer, der mit seinen Kollegen den Brustkorb und das Becken mit Decken unterbauen muss, damit sich der Bauch frei bewegen kann. Die Arme werden nach oben gestreckt - so wird die Lunge gedehnt, auch damit die Belüftung verbessert.

Eine schwere Aufgabe

Dabei ist es nicht das Drehen des Patienten allein, das die Aufgabe schwer macht. Der Kunststoffschlauch, der in die Luftröhre eingeführt ist, der Blasenkatheter, der arterielle Zugang für die Blutgasanalyse und die Blutdrucküberwachung müssen ebenso behutsam umverlegt werden wie der zentrale Venenkatheter. Konzentration ist gefordert. "Das ist ein schweißtreibender Job", sagt Ralf Dorfschäfer, der die Arbeit nicht in normaler Berufskleidung verrichtet, sondern in der Covid-Schutzmontur.

Wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt

Die tragen auch Cindy Zeller (27) und Tina Ramming (25), die auf der "normalen" Covid-Station ihren Dienst verrichten. Eine Station, auf der Patienten liegen, bei denen die Erkrankung einen milderen Verlauf nimmt, aber auch Patienten, die sich im Sterbeprozess befinden, bei denen eine intensivmedizinsche Behandlung keine Heilungschancen mit sich bringen würde. Menschen, die keine Beatmung, keine lebensverlängernden Maßnahmen wünschen, denen auf der Station ein friedvoller und schmerzfreier Abschied ermöglicht werden soll.

"Auf Nummer sicher gehen"

Bevor Cindy Zeller und Tina Ramming ein Zimmer betreten, ziehen sie einen Schutzanzug über die normale Stationskleidung. Eine Kopfhaube wird übergestreift, zusätzlich zur FFP2-Maske eine Schutzbrille angelegt. Auch ein zweites Paar Handschuhe ziehen sich die Pflegerinnen über. "Der Eigenschutz hat Priorität", sagt Cindy Zeller, die keine Angst hat, sich anzustecken. "Um das zu vermeiden, tragen wir ja die komplette Montur." Zwei Mal lässt sie sich pro Woche für einen PCR-Test einen Abstrich nehmen. "Um auf Nummer sicher zu gehen", stellt die 27-Jährige fest.

"Immer wieder neu einkleiden"

Dass sie die Schutzkleidung erst nach eineinhalb oder zwei Stunden ablegen kann, ist keine Seltenheit. Das ist der Fall, wenn sie in Mehrbettzimmern Patienten versorgt. Körperpflege, Messung der Vitalfunktionen, Medikamentengabe, Infusionen und Antibiose über die Venen geben - all das gehört zu den Aufgaben, die sie möglichst bei einem Besuch erledigt. Denn die Schutzmontur muss bei jedem Verlassen des Zimmers abgelegt werden. "Geht es ins nächste Zimmer, müssen wir uns neu einkleiden", führt Tina Ramming an. Eine Prozedur, die sich am Tag bis zu acht Mal wiederholt. Die Ausrüstung über eine längere Zeit zu tragen, sei anstrengend. "Man bekommt schon mal Probleme mit dem Kreislauf, hat Druckstellen von der Brille und Maske am Kopf."

Der Austausch ist wichtig

Tina Ramming und Cindy Zeller sind nicht nur Arbeitskolleginnen, sondern auch privat befreundet. Dass sie sich nach einem gemeinsamen Dienst aussprechen, helfe, das Erlebte zu verarbeiten, sagt Cindy Zeller, die auf der Covid-Station tragische Schicksale erlebt. "Als viele Bewohner der Altenheime bei uns verstorben sind, war das eine sehr belastende Situation", sagt Zeller, die nicht nur das Leid der Patienten, sondern auch das der Angehörigen sieht, die sich nur in Schutzmontur von ihren Liebsten verabschieden können.

Das bleibt in Erinnerung

Es gibt Patienten, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind. Sie denkt da an einen Mann, der Mitte 50 war und anfangs kaum Symptome gezeigt hat. "Die wurden dann aber von einem auf den anderen Tag stärker. Er musste auf die Intensivstation, ist später auf unser Station sogar verstorben", berichtet die 27-Jährige, die gelernt hat, dass die Krankheit nicht nur bei alten Menschen tödliche Folgen haben kann. Tina Ramming erinnert sich an einen Mittsechziger: "Als ich nach ein paar freien Tagen wieder auf Station war, hatte ich damit gerechnet, dass er längst wieder zuhause ist. Er lag dann aber auf der Intensivstation und musste intubiert werden." Es sind Fälle wie diese, die laut Tina Ramming zeigen, dass Covid 19 unberechenbar ist.

Wieder Kraft tanken

Ein Virus, das auch bei Ralf Dorfschäfer und seinen Kollegen auf der Intensivstation oftmals Fragen aufwirft. Der Stationsleiter sieht viele schwere Verläufe, spricht aber auch von Erfolgen, wenn sich schwer kranke Menschen nach einer mehrwöchigen Beatmung allmählich erholen und unter Anleitung eines Physiotherapeuten auf der Station schon wieder leichte Kraftübungen machen können.

Es gibt auch positive Nachrichten

Und dann gibt es Nachrichten, die ihm richtig Mut machen. Der 50-Jährige spricht vom Verwandten seines Freundes, der während der ersten Welle auf der Intensivstation mit dem Tod gerungen habe. "Ihm geht es heute gut. Er fährt sogar schon wieder regelmäßig Fahrrad", sagt Dorfschäfer. Es sind solche Geschichten, die Ärzte und Pfleger am Klinikum im schweren Kampf gegen das Virus Kraft schöpfen lassen.