Kulmbach
Corona

Klinikum: Kein Grund für eine Corona-Panik

Die Zahl der Patienten, die mit oder an Covid erkrankt sind und am Kinikum behandelt werden, steigt. Bei fast allen ist Corona aber nur eine Begleiterscheinung. "Ich habe bei der BA.5-Variante noch keinen schweren Verlauf erlebt", sagt Chefarzt Joseph Alhanna.
Das Klinikum rät zur Besonnenheit, auch wenn die Zahl der Patienten, die mit oder wegen Corona stationär betreut werden, steigt. Corona sei meist nur eine Begleiterscheinung, sagt Andreas Hacker von der Geschäftsführung.
Das Klinikum rät zur Besonnenheit, auch wenn die Zahl der Patienten, die mit oder wegen Corona stationär betreut werden, steigt. Corona sei meist nur eine Begleiterscheinung, sagt Andreas Hacker von der Geschäftsführung. Foto: Ralf Dieter Bischoff/Archiv
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Zu Wochenbeginn wurden 35 Patienten stationär mit oder wegen Corona am Klinikum betreut, vier sogar intensivmedizinisch, heißt es in der offiziellen Statistik, die das Kulmbacher Landratsamt veröffentlicht. Es ist ein rasanter Anstieg: Am vergangenen Freitag waren es "nur" 16 Patienten, von denen keiner auf der Intensivstation lag.

Oft eine Begleiterscheinung

Die Zahlen schrecken auf. Wer daraus jetzt aber den Schluss zieht, Corona nimmt das Klinikum allmählich wieder in Beschlag und führt zu einer extremen Mehrbelastung des Personals, sieht sich getäuscht. "Von den genannten Fällen ist der Großteil nicht an Covid erkrankt, sondern wurde ,lediglich' positiv getestet. Covid ist bei den allermeisten zum Glück ,nur' eine Begleiterscheinung", sagt der stellvertretende Klinikum-Geschäftsführer Andreas Hacker. Es handle sich dabei um Patienten, die wegen anderer Erkrankungen auf den Stationen lägen, etwa an Hüfte oder Knie operiert würden oder eine Magen-Darm-Erkrankung hätten, und die nach einem positiven Testergebnis in die Statistik aufgenommen würden. Auch bei den Patienten, die derzeit auf der Intensivstation liegen, sei Covid-19 nicht der Grund für die intensivmedizinische Behandlung.

Positive werden isoliert

Wie Hacker mitteilt, muss man bei der Aufnahme am Klinikum nach wie vor einen negativen PCR-Test vorlegen. Ein weiterer Test werde, wenn ein Patient Symptome entwickelt, während des Aufenthalts gemacht. Ist das Testergebnis positiv, werde dieser unverzüglich isoliert. Dies geschehe aber nicht in einer gesonderten Abteilung, sondern auf den jeweiligen Stationen. "Diese Patienten werden abgeschirmt wie auch jeder Influenza-Fall", sagt der Sprecher der Geschäftsführung, der betont, dass man die Covid-Lage angesichts der steigenden Inzidenz in Stadt und Landkreis Kulmbach nicht verharmlosen dürfe, es aus Klinikum-Sicht derzeit aber überhaupt keinen Grund zur Panik gebe. Ein geordneter Betrieb sei weiterhin gewährleistet, wenngleich die Personalsituation "enger wird". Dies liege aber nicht nur an Corona. "Es gibt natürlich auch Mitarbeiter, die wegen anderer Erkrankungen ausfallen. Zudem beginnt jetzt die Urlaubszeit", stellt Hacker fest.

Das sagt der Lungenfacharzt

Zur Besonnenheit rät auch Joseph Alhanna, der Chefarzt der Klinik für Pneumologie ist. Er habe bei der aktuellen BA.5-Variante noch keinen schwerwiegenden Verlauf mit einem akuten Lungenversagen erlebt, sagt der Chefarzt, der sich an die Zeiten der britischen und der Delta-Variante erinnert, als das noch ganz anders war. Die aktuellen Omikron-Varianten seien abgeschwächter, würden lediglich zu individuell unterschiedlich starken grippalen Symptomen führen. Der eine habe stärkeres Fieber, der andere stärkere Kopfschmerzen, der nächste sei abgeschlagener. Richtig schwer treffe es aber nicht viele. "Und ich bin zuversichtlich, dass es dazu trotz steigender Inzidenz auch in nächster Zeit nicht kommen wird."

"Die Bevölkerung nicht verunsichern"

Man müsse lernen, mit Covid-19 zu leben. Panikmache sei überhaupt nicht angebracht, sagt Alhanna, der auch der Politik dringend davon abrät, um die Bevölkerung nicht weiter zu verunsichern. Er fragt sich, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage etwa Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu dem Entschluss gekommen ist, allen Unter-60-Jährigen nun eine vierte Impfung zu empfehlen. Stiko-Chef Thomas Mertens habe Lauterbach widersprochen. "Er hat gesagt, dass er keine Daten kenne, die das rechtfertigen würden. Auch ich kenne die nicht", sagt der Kulmbacher Chefarzt, der sich wünscht, dass nicht mehr die Politik, sondern allein die Stiko-Experten Impfempfehlungen geben, "wenn sie diese denn für nötig erachten".