Von der Energieversorgung bis zur Jugendarbeit, vom Verkehr bis zu den Finanzen - die Palette der Themen, die im Landkreis künftig eine wichtige Rolle spielen werden, ist breit gefächert. Dies zeigte sich deutlich beim Redaktionsgespräch, zu dem die BR-Redaktion die drei Bewerber um das Amt des Landrates eingeladen hatte.

Amtsinhaber Klaus Peter Söllner (Freie Wähler), die Kandidatin der SPD, Theresa Weith, und Oswald Greim (Die Linke) diskutierten dabei durchaus kontrovers, aber sachlich. Zum Beispiel über das Thema Energie. Theresa Weith sieht den Landkreis hier auf einem guten Weg. Was ihr fehlt: die Kommunikation nach außen. So könne sie sich, wie sie sagte, vorstellen, dass der Landkreis auf einer eigenen Internet-Seite darlegt, wie er dem Klimaschutz Rechnung trägt.

CO2-Ausstoß sinkt

Landrat Klaus Peter Söllner schilderte, dass der Kreis hinsichtlich der CO2-Bilanz eine Vorreiterrolle einnehme. 73 Prozent des Stromes im Landkreis stamme aus erneuerbaren Energien. Der CO2-Ausstoß sei von 11,1 Tonnen je Einwohner im Jahr 1990 auf prognostizierte 5,2 Tonnen je Einwohner im Jahr 2020 gesunken.

"Damit sind wir bayernweit an vorderster Stelle", so Söllner, der betonte, dass dies vor allem ein Verdienst von Klimaschutz-Managerin Ingrid Flieger sei.

Das Klima-Management des Kreises zeige sich unter anderem darin, dass hier schon 1998 die Energieagentur Oberfranken (mittlerweile: Energieagentur Nordbayern) gegründet worden sei.

Es gebe Photovoltaik-Anlagen auf allen Schuldächern, der Landkreis sei mittlerweile Fair-Trade-Landkreis. 50 Prozent aller Fahrzeuge des Landkreises fahren Söllner zufolge elektrisch, und der Bevölkerung stehen im Kreisgebiet 14 kostenlose E-Ladesäulen zur Verfügung.

Söllners Gegenkandidat Oswald Greim bezeichnete es als bedauerlich, dass der bei Marktleugast geplante Windpark letztlich nicht habe realisiert werden können. "Die 10-h-Abstandsregel war kontraproduktiv für die Bürgerwindräder."

Dachflächen besser nutzen

Greim sprach sich dafür aus, landwirtschaftliche Flächen auch vorrangig landwirtschaftlich zu nutzen und stattdessen mehr Dachflächen mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten. Zudem regte er die Gründung einer Energiegenossenschaft an. So eine Genossenschaft habe großes Potenzial, etwas voranzubringen - zum Beispiel die Produktion eigenen Stroms durch die Kulmbacher Stadtwerke.

Wie steht es um die Jugendarbeit im Landkreis Kulmbach? Auch das wollte der Moderator der Runde, BR-Redaktionsleiter Alexander Müller, von den drei Kandidaten wissen. Er fragte auch nach, ob sich der Umzug des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" in die Räume der früheren Bahnhofsgaststätte womöglich nachteilig ausgewirkt habe.

Theresa Weith ist davon überzeugt, dass der Landkreis Kulmbach, was die Jugendarbeit angehe, gut aufgestellt sei. Sie lobte die bereits in vielen Orten durchgeführten "Zukunftswerkstätten", kann sich aber auch vorstellen, dass ein "Jugend-Kreistag" eine sinnvolle Einrichtung sein könnte, um Jugendliche stärker für Politik zu interessieren und besser in Entscheidungen einzubinden.

Was den Umzug des Jugendzentrums betrifft, ist sich die Kandidatin einig mit Klaus Peter Söllner, der die Situation "gar nicht so schlecht" nennt. Der Bahnhof liege sehr zentral und sei als Örtlichkeit sowohl für das Jugendzentrum als auch für die künftigen Streetworker gut geeignet.

Auch Söllner sieht die Jugendarbeit im Landkreis auf hohem Niveau angesiedelt, spricht sogar von "bundesweit hervorragend". Als Beispiel verweist er auf die Möglichkeit der Mitgestaltung in den auch von ihm initiierten "Zukunftswerkstätten". Die seien ein schon mehrfach ausgezeichnetes Modell.

Dem positiven Urteil über das Jugendzentrum schloss sich letztlich auch Oswald Greim an. Die Räume seien offener und freundlicher als bisher in der alten Spinnerei. Gut angelegt sei das Geld in der Jugendsozialarbeit an Schulen, wo wertvolle Arbeit geleistet werde, so Greim. Besonderes Augenmerk müsse man auf jene Jugendlichen legen, die in Gefahr seien, abzurutschen.

Dem Kandidaten der Linken erscheint es wichtig, Jugendliche zu motivieren, sich zu engagieren. "Gerade in der heutigen Zeit ist die Demokratie-Arbeit sehr wichtig." Eine Feststellung, die Landrat Söllner mit dem Hinweis ergänzte, dass der Landkreis sehr deutlich Flagge zeige: "Gegen rechts - und für Integration."

Wer sind die Kandidaten?

Er hat sich lange Zeit gelassen mit seiner Zusage, ein weiteres Mal für das Amt des Landrats zu kandidieren. Es habe da, so wird gemunkelt, in der Familie von Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) doch einigen Klärungsbedarf gegeben. Wirklich?

Auf die Frage von BR-Redaktionsleiter Alexander Müller antwortet der amtierende Landrat mit einem Schmunzeln. Einen Kommentar dazu gibt es von ihm nicht. Ausführlicher nimmt er hingegen dazu Stellung, dass er, sollte er gewählt werden, im Mai nächsten Jahres das Vierteljahrhundert im Amt voll macht.

Fürchtet er nicht, dass die Wähler einfach einmal einen Wechsel wollen? "Nein", sagt der 63-Jährige klipp und klar, und setzt spaßhaft hinzu: "Ich bin ja noch rüstig."

Er verweist auf eine rundum gute Entwicklung im Landkreis. "Zur Zeit haben wir einen Lauf." Es gebe noch viele, viele Projekte, die er zu einem guten Ende bringen möchte. Sein Ziel für den neuen Kreistag im Falle einer Wiederwahl: Alle Gruppierungen einbinden - "gemeinsam stark sein". Er verspüre einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung, so Söllner, sei ein Teamplayer. "Und der Job macht mir ja auch Spaß."

Im Gegensatz zu Klaus Peter Söllner, der ein "alter Hase" ist, bringt Theresa Weith noch wenig politische Erfahrung mit. Als Hindernis sieht das die 33-jährige promovierte Ingenieurin aber nicht. Sie sei nicht vorbelastet, sagt sie über sich selbst. Und sie könne deshalb vielleicht neue Impulse geben. Die politische Erfahrung? "Die kommt schon. Ich muss mich halt einarbeiten."

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine der zentralen Forderungen der SPD-Kandidatin und ihrer Partei. Theresa Weith, die Mutter einer kleinen Tochter ist und eine Vollzeitstelle an der Universität Bayreuth hat, hat für sich da bereits einen guten Weg gefunden. "Das würde klappen wie bisher auch."

Der Senior in der Runde ist Oswald Greim. Der Marktleugaster, 66 Jahre alt, ist für seine Partei Die Linke schon in diversen Wahlkämpfen als Kandidat für diverse Ämter angetreten. Ist er der Kandidat für alle Fälle - und fühlt er sich qualifiziert? Das will Alexander Müller von ihm wissen. "Es könnte sein, dass das jemand sagt..." ist seine uneindeutige Antwort. Dann wird er aber deutlicher: Das Amt des Landrats wäre sicher eine starke Belastung. Aber ich könnte es schaffen."

Qualifiziert fühlt er sich schon, so sagt er. Er möchte erreichen, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stärker als bisher aufs Land schaut. Man kennt sich, hat an Greims früherer Wirkungsstätte Nürnberg die Sommerfeste der Gemeinde St. Ludwig miteinander gefeiert. "Wir sind auf dem flachen Land noch immer benachteiligt. Ich möchte den einen oder anderen Euro mehr hierherholen."