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Kulmbach
Brandstiftung

Kinderwagen in Kulmbach angezündet: Es war nicht die erste Tat

Der 24-Jährige, der am Sonntag in einem Mehrfamilienhaus einen Kinderwagen angezündet hat, stand bereits wegen ähnlicher Taten vor Gericht.
 
Über die Drehleiter nahmen die Feuerwehrleute Kontakt zu den verängstigten Bewohnern des Mehrfamilienhauses in der Fischergasse auf, um sie zu beruhigen.Feuerwehr Kulmbach
Über die Drehleiter nahmen die Feuerwehrleute Kontakt zu den verängstigten Bewohnern des Mehrfamilienhauses in der Fischergasse auf, um sie zu beruhigen.Feuerwehr Kulmbach

Schwarzer Qualm im ganzen Treppenhaus, verängstige Bewohner - nicht der Brand des Kinderwagens in dem Mehrfamilienwohnhaus in der Fischergasse war in der Nacht zum Sonntag die eigentliche Herausforderung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr, sondern die Panik der Bewohner, die das Haus verlassen wollten, aber nicht konnten.

"Die Ängste sind verständlich", sagt Stadtbrandmeister Michael Weich, der den Einsatz leitete. "Die Leute haben schließlich nicht gewusst, was brennt und wie gefährlich die Situation ist."

Noch in der Nacht festgenommen

Zu den dramatischen Szenen war es durch Brandstiftung gekommen. Verantwortlich dafür: ein 24-Jähriger, der den im Treppenhaus abgestellten Kinderwagen einer Familie kurz nach Mitternacht angezündet hat. Beamte der Kulmbacher Polizei konnten ihn wenig später nahe des Tatorts festnehmen. Der Verdächtige wurde gestern Mittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt, seine Täterschaft bestätigt.

Der junge Mann hat nicht zum ersten Mal einen derartigen Brand gelegt. In den Jahren 2015 und 2017 hat er schon zwei Mal in ähnlicher Weise Kinderwagen in Wohnhäusern in Brand gesteckt, einmal in der Sutte in Kulmbach und einmal in Mainleus. Im Oktober 2017 war der damals 21-jährige Kulmbacher zu dreieinhalb Jahren Gefängnis und einer Alkoholtherapie verurteilt worden. Nachhaltigen Eindruck hat diese Strafe offensichtlich nicht gemacht, denn auch bei der Tat am Sonntag war er wieder stark alkoholisiert.

Unterbringung in der Psychiatrie

Nach dem Termin beim Ermittlungsrichter wurde er am Montagnachmittag in die geschlossene Abteilung des Bezirkskrankenhauses eingewiesen. Anstelle einer Untersuchungshaft wird er dort bis zur Gerichtsverhandlung untergebracht, da als Rechtsfolge seiner Tat auch eine längerfristige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Frage kommt, bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold auf Nachfrage unserer Zeitung.

Im nächsten Schritt werde nun ein psychiatrisches Gutachten erstellt und schnellstmöglich ein Hauptverhandlungstermin angesetzt.

Die Bewohner des Hauses in der Fischergasse kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Niemand wurde ernsthaft verletzt. Die Feuerwehrleute nutzten die Drehleiter, um über die Fenster mit ihnen Kontakt aufzunehmen, sie zu beruhigen und ihnen klar zu machen, dass ihnen keine Gefahr droht, wenn sie in ihren Wohnungen bleiben.

Atemschutztrupps machten sich schließlich auf den Weg zu den eingeschlossenen Bewohnern, darunter einige ältere Menschen und die Familie mit dem kleinen Kind, der der Kinderwagen gehörte. Mit Rettungsfluchthauben über dem Kopf wurden zuerst drei ältere Damen sicher ins Freie gebracht, dann alle anderen Bewohner.

Bewohner mit Rauchschutzhauben gerettet

"Diese Hauben sind nur für kurze Wege geeignet, waren für diese Situation aber ideal. Sie bieten für etwa fünf Minuten ausreichend Schutz vor den Rauchgasen. Unsere eigenen Leute sind durch ihre Atemschutzgeräte geschützt", so Michael Weich. "Wir haben zuerst drei ältere Damen rausgeholt, dann die Familie." Zuletzt konnten die beiden letzten Bewohner noch über eine Anlehnleiter von ihrem Balkon klettern.

Eine Notärztin unterzog alle acht Bewohner einem ersten Gesundheits-Check, zwei der älteren Damen, darunter eine, die erst vor kurzem schwer erkrankt war, wurden wegen Panikattacken und leichten Rauchvergiftungen vorsichtshalber ins Klinikum gebracht, die übrigen benötigen keine weitere ärztliche Betreuung und durften direkt in ihre Wohnungen zurückkehren.

Im Einsatz waren 30 Kräfte der Feuerwehr Kulmbach und fünf der Feuerwehr Höferänger, dazu der Rettungsdienst mit zehn Helfern und mehreren Fahrzeugen und die Kulmbacher Polizei. Die Beamten waren als erste am Tatort und hatten das Feuer im Kinderwagen mit einem Pulverlöscher erstickt.

Ärgerlich: Schaulustige stören

Die Polizisten hatten nicht nur mit der Suche nach dem Täter und dessen Festnahme zu tun, sondern auch mit Schaulustigen, die sich an den Einsatzort drängten und vielfach ermahnt werden mussten, Abstand zu halten und die Arbeit der Retter nicht zu beeinträchtigen.

Der durch den Brand entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund 5000 Euro.