Tomaten sind rot, Paprika auch mal grün und gelb, Chilis lang, spitz und scharf, Auberginen lila und Zucchini grün. So bekommen wir sie in den Supermärkten. Im Fachgeschäft und auf dem Wochenmarkt gibt's auch mal Spezialitäten-Variationen, natürlich entsprechend teurer.

Kommerziell angebaut wird, was robust, ertragreich und mehrheitsfähig ist. Dabei gerät in Vergessenheit, dass es viele alte Sorten gibt, die eine unglaubliche Farben- und Aromenvielfalt zu bieten haben und als kulinarisches Erbe unter Schutz stehen sollten.

Saatgut-Monopolisten sind sie freilich ein Dorn im Auge, und ohnehin für die Massenproduktion sind sie wenig geeignet, weil sie nicht die dickste Ernte abwerfen.

Gut, dass man zumindest die Samen trotzdem bekommt. Historische Sorten aus aller Welt sind ein Fest für Hobbygärtner: Jedes Jahr probiere ich neue aus und ernte Tomaten von Weiß bis Dunkelblau, Paprika und Chilis in allen Farben und Formen zwischen mild und feurig, weiße Auberginen und gelbe Zucchini. Die Beete mit dieser Vielfalt stehlen vielen Blumen die Show, die Früchte schmecken ausgezeichnet.

Das Beste: Die Sorten sind samenfest! Eigenes Saatgut zu ernten und mit Freunden und Bekannten zu tauschen, führt zu neuen Entdeckungen, ohne dass ich ein Vermögen ausgeben muss.

Obendrein ist das Ganze ein spannendes Abenteuer: Welche meiner 60 Chili-und Paprika-Varietäten, der 50 Tomaten- und neun Kartoffelsorten wird dieses Jahr die besten Ergebnisse bringen? Welche Salatsorte produziert die schönsten Köpfe, welche Bohne die leckersten Hülsen? Welche Aubergine kommt ohne Gewächshaus klar?

Klar, der Anbau kostet Zeit, das Einkochen für den Winter natürlich auch. Aber diese Stunden hole ich wieder rein, wenn ich im Winter fürs schnelle Abendessen nur ein Glas aufmachen muss - und ganz genau weiß, das drin ist.