Es müssen schlimme Zustände gewesen sein, die die Mitarbeiter des Veterinäramts vor einem Jahr in jenem Haus vorfanden: 47 Katzen in einem elenden Zustand - abgemagert, zum Teil bis auf die Knochen, krank, von Parasiten befallen.

Ein Bild des Jammers. 39 Katzen wurden der Tierhalterin sofort weggenommen, drei mussten eingeschläfert werden.

Angeklagte vor Gericht: Sie legte Einspruch gegen Geldstrafe ein

Die Amtstierärzte des Landkreises Kulmbach ordneten nach der Kontrolle eine Reduzierung des Bestands an. Die Frau darf nun nicht mehr als vier Katzen halten. Und sie wurde angezeigt wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Das Amtsgericht Kulmbach erließ einen Strafbefehl über 900 Euro. Dagegen legte die 61-Jährige Einspruch ein. Ihr war die Geldstrafe zu viel. Das könne sie nicht bezahlen, sagte die Angeklagte, die von Hartz IV lebt.

Angefochten wurde nur der Rechtsfolgenausspruch, also die Höhe der Strafe. "Der Schuldspruch ist rechtskräftig", sagte Amtsrichterin Sieglinde Tettmann. Ob die Frau, die keinen Verteidiger hatte, die juristische Sachlage durchschaute, darf bezweifelt werden. Sie äußerte allerdings, dass sie mit der ganzen Sache abschließen möchte, und meinte: "Dann wird der liebe Gott diejenigen bestrafen, die es verdient haben."

Bevor sich vielleicht himmlische Instanzen einschalten, kam gestern erst einmal die Staatsanwaltschaft Bayreuth zum Zug. Bei Verlesung der Anklageschrift wurde auf Ausschmückungen und Beiwerk verzichtet. Dennoch konnte man sich unschwer vorstellen, welche Tiertragödie sich hinter den Mauern des Anwesens im südlichen Landkreis Kulmbach abgespielt hat. Demnach waren die Katzen in einem üblen gesundheitlichen Zustand, es gab hygienische Mängel, und notwendige tierärztliche Behandlungen waren unterlassen worden.

Katzen hatten Katzenschnupfen, eitrige Bindehautentzündungen und Zahnschäden

21 Katzen waren abgemagert. 31 Tiere hatten den gefährlichen Katzenschnupfen. Bei 25 Katzen wurde eitrige Bindehautentzündung festgestellt, die zu bleibenden Augenschäden und zum Teil zu Erblindung führte. Es gab Ohrmilbenbefall und Ohrenentzündungen sowie Zahnfleischentzündungen und Zahnschäden, sodass Zahnextraktionen durchgeführt mussten. Eine Vielzahl von Katzen war mit einem Virus infiziert, der Durchfall und Darmerkrankungen auslöste. Der Vorwurf der Anklagebehörde lautete, "Wirbeltieren Schmerzen zugefügt zu haben". Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

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"Es war einmal", sagte die Angeklagte lapidar und räumte ein: "Dass die Katzen nicht fit waren, war mir klar." Sie habe die Tiere, von denen sie viele auf Bauernhöfen eingesammelt habe, anfangs mit Antibiotikum behandelt und viel Geld bezahlt. Aber die Medikamente hätten nicht angeschlagen. Deswegen sei sie "auf eine allgemeine und homöopathische Behandlung umgestiegen". Vom Veterinäramt habe sie nie Hilfe bekommen. Aber sie kenne sich selbst aus und beschäftige sich seit über 40 Jahren mit Tieren, erklärte die Frau, die nach eigenen Angaben früher im Hotel- und Gaststättengewerbe tätig war.

Die Probleme seien losgegangen, als sich ihre Katzen mit einem Virus angesteckt hätten. Sie wolle nicht mehr alles aufrollen, aber sie möchte, dass nicht nur das Negative, sondern auch das Positive erwähnt wird: "Für meinen Frieden."

Die Richterin machte der Angeklagte deutlich, dass es wohl keinen Strafrabatt geben wird. Nachdem im Strafbefehl ihr Einkommen geschätzt wurde, werde nun aber die Höhe des Tagessatzes an den Hartz-IV-Rahmen angepasst und auf zehn Euro reduziert. "Das hätte man auch auf dem Beschlusswege machen können", sagte Tettmann, die Verhandlung wäre nicht notwendig gewesen.

Tierhalterin bekommt Geldstrafe

Bei der Strafzumessung hielt die Staatsanwaltschaft der Frau zugute, dass sie bisher ein straffreies Vorleben geführt habe. Zu ihren Lasten sei jedoch anzuführen, dass eine große Anzahl von Tieren betroffenen war, dass nachhaltige Folgen eintraten und dass hohe Behandlungskosten entstanden. Tat- und schuldangemessen seien 70 Tagessätze mal zehn Euro. "Der liebe Gott weiß, was gelaufen ist", murmelte die Angeklagte noch, bevor das Urteil verkündet wurde.

Es blieb, wie die Amtsrichterin angekündigt hatte, bei der Geldstrafe und bei den 60 Tagessätzen. "Das wird der Sache gerecht. Bei der Vielzahl von Tieren, die gelitten haben", so Tettmann. Sie verringerte die Tagessatzhöhe auf zehn Euro und räumte der Frau ein, die Strafe mit monatlicher Ratenzahlung von 25 Euro abzustottern. Und einen guten Rat des Gerichts gab es kostenlos: "Wenn man noch so tierlieb ist - wenn man solche finanziellen Probleme hat, sind selbst vier Katzen zu viel." Denn die Tiere müssten gefüttert, geimpft oder anderweitig vom Tierarzt behandelt werden.

 

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