Flaschen seien geflogen, junge Leute hätten gepöbelt. "Ich hatte Angst", hat Monika Putz-Funk Ende Oktober 2018 erklärt, als sie sich in der Bürgerversammlung der Stadt Kulmbach Luft gemacht, über die aus ihrer Sicht unerträglichen Zustände am Busbahnhof geklagt hat. Sie sei hilflos gewesen, sei weggelaufen, sagte sie.

In luftiger Höhe

Heute, neun Monate später, hat sich das Bild am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Kulmbach verändert. Etliche Kameras hängen in luftiger Höhe, Schilder weisen ausdrücklich darauf hin, dass jeder, der eine Straftat begeht, im Zweifel identifiziert werden kann.

An einem von sechs Notruf-Tastern, die gedrückt werden können, wenn es zu Raufereien kommt oder ältere Leute angepöbelt werden, steht der Kulmbacher Jan Fischer. "Drückt jemand den Notruf, läuft die Warnmeldung bei einem privaten Sicherheitsdienst in Leipzig auf. Dessen Mitarbeiter können über den Monitor das Geschehen am ZOB beobachten und mit Lautsprecher-Durchsagen versuchen, auf die Situation einwirken, sagt Fischer, der mit seiner Firma IT Systeme & Technik Oberfranken GmbH das Überwachungskonzept für die Stadt Kulmbach umgesetzt hat. Wenn erforderlich, informieren die Leipziger sofort die Polizei.

110 000 Euro hat die Kommune investiert: Kameras wurden nicht nur auf dem Spinnereiareal vom Turbinenhaus über den ZOB bis hin zum Soccer-Court installiert, sondern auch in den städtischen Tiefgaragen und Parkhäusern, um dort dem Vandalismus Einhalt zu gebieten.

Maximal sieben Tage gespeichert

Maximal sieben Tage dürfen die Aufnahmen gespeichert werden, wie Jan Fischer erläutert, der zertifizierter IT-Sachverständiger und Security-Analyst, gleichzeitig aber auch Fachkraft für Datenschutz ist. Sollte eine Straftat verfolgt werden, können die Aufnahmen natürlich länger gespeichert werden, so Fischer, der Sicherheitskonzepte nicht nur für Privatleute und Kommunen, sondern beispielsweise auch schon für die Seilbahnen am Ochsenkopf erstellt hat.

Der erste Eindruck ist positiv

Die Bewährungsprobe hat die Videoüberwachung am Busbahnhof noch nicht bestehen müssen, hat sich bis dato doch kein aufsehenerregender Vorfall ereignet. Seit die Kameras vor ein paar Wochen gut sichtbar angebracht worden sind, habe sich die Situation schon entspannt, sagt ein Busfahrer und führt an: "Es ist ruhiger geworden. Die Jugendlichen treffen sich hier nicht mehr so wie früher."

Wie es Monika Putz-Funk sieht, die mit ihrem Beitrag bei der Bürgerversammlung das Projekt maßgeblich mit vorangetrieben hatte? Wir hätten sie gerne gefragt, haben sie aber leider nicht erreicht. Andere Kulmbacher, die regelmäßig mit dem Bus fahren, freuen sich, dass die Stadt für die Sicherheit Geld in die Hand genommen hat. "Man fühlt sich jetzt schon wohler. Ich finde es gut, dass man da was gemacht hat", urteilt der 72-jährige Helmuth Maderer, der regelmäßig mit dem Stadtbus fährt.

"Abschreckende Wirkung"

Dass am ZOB, der oftmals Brennpunkt jugendlicher Eskapaden war, mit der Videoüberwachung Ruhe einkehren wird, davon ist Uwe Angermann, der geschäftsführende Beamte der Stadt, ebenso überzeugt wie die Kulmbacher Polizei. Die Kameras hätten eine abschreckende Wirkung, so Dienststellenleiter Peter Hübner. Am Busbahnhof müsse niemand mehr Angst haben. "Im Ernstfall kann man jetzt den Notruf drücken. Die Polizei ist dann schnell vor Ort." Hübner verweist darauf, dass die jungen Leute, die immer wieder Polizeieinsätze ausgelöst haben, sich neue Plätze im Stadtgebiet suchen und die Probleme sich verlagern werden. Deshalb sei es zu begrüßen, dass künftig im Stadtgebiet Streetworker eingesetzt werden.

Dass das Projekt von Stadt, Landkreis und BRK wohl schon im Herbst starten wird, teilt Uwe Angermann mit. Zwei Halbtagskräfte sollen eingesetzt werden und den Kontakt zu den Jugendlichen suchen. Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Streetworker sind der richtige Schritt

Der erste Schritt ist gemacht: Die Videoüberwachung am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) und in den städtischen Parkhäusern ist scharfgestellt. Doch die jungen Leute, die auf öffentlichen Plätzen feiern und trinken, pöbeln oder Dinge beschädigen, werden aus dem Stadtbild nicht verschwinden. Sie werden sich neue Treffpunkte suchen, die Brennpunkte werden sich wohl nur verlagern.

Folgerichtig geht die Stadt Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem BRK auch den zweiten Schritt. Streetworker werden eingesetzt, die den jungen Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind oder dorthin zu gelangen drohen, helfen sollen.

Die Sozialarbeiter sollen Kontakte knüpfen, Beziehungen aufbauen, die Jugendlichen auf Betreuungsangebote hinweisen, die einen Beitrag dazu leisten können, sie wieder in die richtige Spur zu bringen. Dass dafür ein Konzept erarbeitet und Geld in die Hand genommen wird, ist erfreulich. Denn die Videoüberwachung ist wichtig. Kameras können die in vielen Fällen dringend benötigte Hilfe aber nicht bieten. a.hartmann@infranken.de