Dass seine Taten solche gravierenden Folgen haben würden, hätte der damals 18-Jährige wohl nicht gedacht. Wegen Diebstahls und versuchter räuberischer Erpressung wurde er gestern vor das Amtsgericht in Kulmbach geladen.
Zwar fand die Hauptverhandlung bezüglich des Diebstahls schon am 14. Oktober vergangenen Jahres statt, dort erschien der gebürtige Münchner im Gegensatz zu seinen beiden Mittätern jedoch nicht. Die Verhandlung wurde dann am gestrigen Dienstag fortgesetzt.

Diebstahl von Hochprozentigem

Am frühen Abend des 8. März soll der Angeklagte zusammen mit zwei Freunden in einem Discounter in Mainleus zwei Flaschen Whisky und je eine Flasche Korn und Sekt gestohlen haben. Er selbst habe dabei Schmiere gestanden, während die beiden anderen die Flaschen in den Rucksack gepackt hätten, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.
Dies gestand der 19-Jährige, der zum Tatzeitpunkt in der Jugendhilfeeinrichtung in Fassoldshof betreut worden war, vollständig.

Bedrohung eines Freundes

Zusätzlich wurde dem Angeklagten versuchte räuberische Erpressung sowie versuchte Nötigung vorgeworfen. Am 27. Juni soll er zusammen mit Freunden dem späteren Opfer einen "Überraschungsbesuch" abgestattet und dieses um 30 Euro gebeten haben. Mit dem Geld wollte der Angeklagte zusammen mit seinen Freunden feiern gehen. Dafür sei er auch bereit gewesen, dem 23-jährigen Opfer sein Handy zu verkaufen.
Um zu beweisen, dass er über diese Summe nicht verfügt, bot der 23-Jährige an, seinen Kontostand bei der Bank zu überprüfen. Auf dem 20-minütigen Weg dorthin, soll der Angeklagte zusammen mit einem Freund eine Flasche Wodka getrunken haben. Nachdem sich der Angeklagte von dem knappen Kontostand hatte überzeugen können, kam es vor der Bankfiliale zum Eklat.
Dabei packte er das Opfer am Kragen, forderte noch einmal nachdrücklich die Geldsumme und drohte mit Schlägen. Er5 setzte einen Tag als Frist und fügte hinzu: "Wenn du zu den Bullen gehst, hau ich dir doppelt aufs Maul."
Der Angeklagte selbst sagte, er könne sich nur bruchstückhaft erinnern, weil zu viel Alkohol getrunken und bereits am Nachmittag Kräuter geraucht habe.

Urteil nach Jugendstrafrecht

Da der Angeklagte schon in mehreren Fällen wegen Diebstahls verurteilt worden war, waren sich Richter Christoph Berner und Staatsanwältin Katharine Roggenbrod einig, dass das Urteil diesmal strenger ausfallen müsse. Deshalb wurde der 19-Jährige, der die Jugendhilfeeinrichtung in Fassoldshof wieder verlassen hat und nun in München lebt, zu vier Tagen Jugendarrest, 90 Sozialstunden und fünf Einheiten bei der Suchtberatung verurteilt.
Weil er gestanden und sich bei seinem Opfer entschuldigt hatte, sah das Gericht von einer härteren Bestrafung ab und wendete in Absprache mit dem Jugendgerichtshelfer Matthias Meußgeyer das Jugendstrafrecht an.