Ein Knopfdruck, und schon rutscht das Brötchen aus dem Automaten-Fach; Fleisch und Wurst liegen verpackt und griffbereit in der Kühltheke nebenan: Nicht unbedingt auf die Qualität, sondern oft auch auf den Preis schauen Verbraucher, die die Discounter stürmen. Und die so - oftmals unbewusst - dazu beitragen, dass das traditionelle Lebensmittelhandwerk zu kämpfen hat, immer mehr kleinere Betriebe von der Bildfläche verschwinden.

Die Anzahl schrumpft

Im Landkreis ist die Zahl der Bäckereien und Metzgereien stark geschrumpft. Gab es Ende 2010 beispielsweise noch 55 Metzgerbetriebe, so waren es zum 31. Dezember 2020 nur noch 34, wie Michaela Heimpel von der Handwerkskammer für Oberfranken mitteilt.

Oft fehlt der Nachwuchs

Nicht nur die Supermärkte machen Geschäften den Garaus. Oft fehlt der Nachwuchs, der bei Familienbetrieben in die Fußstapfen von Vater und Mutter tritt. Auch im Kulmbacher Stadtgebiet haben sich mit den Jahrzehnten viele Geschäfte verabschiedet. Die Metzgereien Loske, Weiß, Purucker, Schuberth, Maisel oder auch Kretter gehören längst der Vergangenheit an.

"Es werden leider immer weniger", sagt Heinz Ohnemüller, der über 35 Jahren einen der Kulmbacher Traditionsbetriebe geführt hat: die Metzgerei Ohnemüller in Weiher, die eine über 100-jährige Geschichte hat. Es war im Jahre 1903, als Adam Harttig die Bier- und Gastwirtschaft gegründet hat.

Das Lager im Kessel

Heinz Ohnemüller hat den Doppelbetrieb 1985 von Vater Konrad übertragen bekommen. Von ihm übernommen hat er auch den Spitznamen "Leger". Für was der steht? "Das hat nichts mit Wurst oder unserem Wirtshaus zu tun", sagt der 61-Jährige. Sein Vater stammt von einem Bauernhof im Kessel, der im Ersten Weltkrieg als Lager für Soldaten gedient hat. Aus "Lager" wurde mit der Zeit "Leger". "Der Name hat sich bei den Leuten eingeprägt, auch wenn die meisten den Hintergrund nicht kennen."

In der fünften Generation

Heinz Ohnemüller tritt jetzt kürzer. Und muss dabei nicht mit Wehmut zurückblicken, denn beim "Leger" geht es weiter. Sohn Christian, der ebenfalls Metzgermeister ist, hat das Kommando übernommen. "Die Gaststätte und Metzgerei gehen in die fünfte Generation über", sagt der Vater, der vom fließenden Übergang spricht. "Denn ich arbeite natürlich weiter mit." Sohn Christian (38) will das "ehrenwerte Handwerk" hochhalten, sich gegen die Konkurrenz großer Fleischwerke, die die Lebensmittelmärkte belieferten, durchsetzen - und er wird dabei von seinem Bruder Johannes (34), der auch Metzgermeister ist, unterstützt. "Ich setze auf Qualität und Regionalität", betont der neue "Leger", der weiterhin die weithin bekannten Weiß- und Bratwürste sowie den Kochschinken aus dem Hause Ohnemüller servieren, aber auch neue Wege beschreiten will, um sich neue, jüngere Kundschaft zu erschließen. "Es will ja kaum mehr einer zuhause kochen. Wir werden deshalb unser Angebot an Convenience-Produkten vergrößern", sagt Christian Ohnemüller. Der 38-Jährige testet neue Geschmacksrichtungen aus, will seinen Kunden künftig auch mehr Geflügelgerichte wie etwa ein Frischkäsehühnchen anbieten.

Die Bierwirtschaft

Die Gaststätte wird wieder eröffnet, sollten es die Corona-Bedingungen zulassen. Sie läuft aber nur nebenher. Aus ihr ist ohnehin längst eine Bierwirtschaft geworden, sagt Vater Heinz Ohnemüller, der sich noch gut an Zeiten erinnern kann, als der Laden gebrummt hat, die jungen Leute darum gebettelt haben, in die Wirtsstube zu dürfen. Zeiten, die längst der Vergangenheit angehören. Heute gesellt sich vielerorts zum Wirtshaussterben das Aus für Bäckereien und Metzgereien. Nicht aber in Weiher, wo Metzgerei und Gaststätte fest in Familienhand bleiben. Für den alten "Leger" ist das ein schönes Gefühl. Heinz Ohnemüller freut sich, dass der Nachwuchs einsteigt. Er hat, wie er versichert, seine Söhne aber nicht dazu gedrängt. "Ich weiß, dass die Jugend heute andere Vorstellungen vom Leben hat. Ich hätte den Laden notfalls auch zugesperrt."