Erleichtert und glücklich stehen Claudia und Reinhold Dettlaff aus Himmelkron am Montagabend kurz vor 18 Uhr an der Anmeldung im Kulmbacher Impfzentrum. Sie gehören zu denjenigen, die ohne Termin gekommen sind, und haben soeben erfahren, dass ihrer Impfung nichts mehr im Wege steht. Seit Montag bietet das Impfzentrum im vierten Stock des "Fritz"-Hochhauses allen Landkreisbewohnern die Möglichkeit des terminlosen Impfens an (Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 8 bis 12 Uhr). 15 Personen haben davon am ersten Tag Gebrauch gemacht, am Dienstag waren es schon 25, am Mittwoch sogar 30. Das neue Angebot spricht sich langsam aber sicher herum. Das Publikum, das diese unkomplizierte Möglichkeit nutzt, ist bunt gemischt, weiß Marcel Hocquel, organisatorischer Leiter des Impfzentrums. "Von 12 bis 80 Jahren ist alles dabei."

Skurrile Erstimpfungen

Und es kommen vermehrt Menschen, die händeringend nach einer Zweit-Impfung suchen, nachdem sie ihre erste Dosis unter zum Teil skurrilen Umständen erhalten haben. So sei es kein Einzelfall, dass Kulmbacher erzählen, sie seien in anderen Städten in der Fußgängerzone angesprochen worden, ob sie nicht eine Impfung wollten, denn der Arzt habe gerade noch Serum übrig. Die Freude über die Erstimpfung wich dann meist schnell der bangen Frage, woher man die zweite Dosis bekommt. "Grundsätzlich ist das terminlose Impf-Angebot für die Erstimpfung gedacht, aber in solchen begründeten Ausnahmefällen können wir im Impfzentrum auch die zweite Dosis verabreichen", sagt Marcel Hocquel. Dieses Vorgehen sei mittlerweile vom Gesundheitsministerium abgesegnet. Kein triftiger Grund sei es allerdings, wenn man die Zweitimpfung aus privaten Gründen lediglich ein bisschen vorziehen wolle, betont Hocquel.

Dilemma zweite Dosis

Ein Paradebeispiel für das Dilemma um die zweite Dosis ist das Ehepaar Dettlaff aus Himmelkron. Die beiden im Apotheken-Außendienst Tätigen hatten sich bereits frühzeitig im Impfportal registriert, weil sie schon aus beruflichen Gründen einen zeitnahen Impfschutz wollten. Trotz Priorisierungsgruppe 3 hatten die 55-Jährige und der 57-Jährige nach eigener Aussage bis Ende Mai kein Impfangebot. Als dann auch noch die Erst-Impfungen aufgrund des Mangels an Serum für eine gewisse Zeit zurückgefahren wurden, machten sich die zwei in ihrer Not telefonisch selbst auf die Suche nach einer Impfmöglichkeit und wurden in Fürth fündig. Dort sei ihnen in einer Arztpraxis gesagt worden: "Wir haben zwei Dosen Astrazeneca übrig, aber Sie müssen sofort kommen." Den Arzt in Fürth haben sie nie zu Gesicht bekommen, sie mussten stattdessen eine Erklärung unterschreiben, dass sie auf ein Aufklärungsgespräch verzichten.

"Waren schon am Verzweifeln"

Und nun, einige Wochen später, stellten sie sich die Frage, wo sie ihre zweite Dosis für eine Kreuzimpfung mit einem mRNA-Serum bekommen. Beim Hausarzt waren sie mittlerweile von der Warteliste gestrichen, der Arzt in Fürth schied auch aus. Die Überlegung, zur Sonderimpfaktion auf den Eku-Platz zu gehen, verwarfen sie wieder, nachdem sie gehört hatten, dass dort nur Erst-Impfungen vorgenommen werden. "Wir waren schon am Verzweifeln", sagt Claudia Dettlaff. Und dann haben die Himmelkroner gelesen, dass man ab sofort auch ohne Termin ins Impfzentrum kommen kann. Dort erzählten sie am Montagabend ihre Geschichte und stießen auf offene Ohren. "Wir haben eine wahre Odyssee hinter uns, und das geht vielen Menschen so", sagt Reinhold Dettlaff.

Eine überraschende Wendung

"Wir sind heute überglücklich", freuten sich die zwei. Und das, obwohl sie am Ende sogar ohne die heiß ersehnte Moderna-Dose das Impfzentrum verließen. Sie hätten die Impfung erhalten, hatten aber im Gegensatz zu ihrer Erstimpfung ein sehr ausführliches Aufklärungsgespräch. Und in diesem wurde ihnen erläutert, dass Vektor-Impfstoffe wie Astrazeneca nach derzeitigen Erkenntnissen erst nach 11 bis 12 Wochen ihre volle Wirkung entfaltet haben und eine frühere Kreuzimpfung den vollen Impfschutz möglicherweise beeinträchtigen könnte. Da ihre Erstimpfung erst siebeneinhalb Wochen zurückliegt, entschieden sich die Dettlaffs, einfach Anfang August wieder ins Impfzentrum zu kommen für ihre zweite Spritze. "Wir fühlen uns super aufgeklärt und haben jetzt die Sicherheit, dass wir wieder ohne Termin hierherkommen dürfen", sagen sie.