Die Angst geht um in Melkendorf. Angst vor Baulärm, großen Wohnklötzen, Lkw-Verkehr. Die Gerüchteküche brodelt. Ein Investor aus München soll ein neues Baugebiet in dem Kulmbacher Stadtteil erschließen wollen, erzählen Bewohner, die nicht namentlich genannt werden wollen. Die Kirche soll ihr Grundstück dort schon verkauft haben, heißt es. Es werden sogar schon konkrete Summen genannt, die für die Flächen zwischen dem Baugebiet Siegberg und der Umgehungsstraße gezahlt worden sein sollen. Doch was ist dran an der Sache?

Wie mehrere Stadträte gegenüber der Bayerischen Rundschau bestätigt haben, sind auch sie von Bürgern schon auf das Thema angesprochen worden.

Den Gerüchten zufolge hat der Münchner dort 60 Bauparzellen geplant, darunter welche für große L-förmige Mehrfamilienwohnhäuser. Die Melkendorfer fürchten nicht nur die großen Wohnklötze in der Nachbarschaft, sondern auch den Baustellenverkehr, der sich dann durch ihre Wohngebietsstraßen quälen könnte.

Dass Interesse besteht, ein Baugebiet im Anschluss zum Siegberg zu entwickeln, ist kein Geheimnis. Auf den dringenden Bedarf an Baugrundstücken haben CSU und WGK schon Anfang des Jahres in einem gemeinsamen Schreiben an die Stadt hingewiesen. Um einer Zersiedelung der Landschaft entgegenzuwirken, müssten kurzfristig Lücken geschlossen und am Rande von Bebauungen weitere Bauflächen geschaffen werden, hatten sie argumentiert.

Konkret haben die beiden Fraktionen schon damals vorgeschlagen, das Baugebiet "Siegberg" in Melkendorf zu erweitern. Für die Entwicklung des Gebietes spreche, "dass die Bebauung den Anfang der Abrundung des Ortes einleitet, die Anbindung an die Infrastruktur gegeben und die Nähe zur Stadt vorhanden ist".

Der Kirche gehört dort eines von mehreren Grundstücken, bestätigt der Melkendorfer Pfarrer Stephan Schmidt. Von einem Münchner Investor weiß der Geistliche jedoch nichts. Auch sei entgegen den Gerüchten noch nichts von der Kirche verkauft worden. Wohl aber gebe es Gespräche mit der Stadt Kulmbach. Die Suche nämlich nach potenziellen Bauplätzen, um die angespannte Wohnungssituation in Kulmbach - auch mit Blick auf die Studenten - zu entzerren. "Der Kirchenvorstand ist informiert, es gibt aber keinen Beschluss über einen Verkauf", betont Pfarrer Schmidt.

Dass Gespräche wegen eines möglichen neuen Baugebiets bei Melkendorf stattfinden, das wird seitens der Stadt Kulmbach eingeräumt. Man sei in Verhandlungen, und es gebe noch kein konkretes Ergebnis.

Dass Überlegungen stattfänden, in Melkendorf ein Baugebiet auszuweisen, sei aber nichts Besonderes. "Die Stadt ist immer bestrebt, neuen Wohnraum zu schaffen." Das gelte nicht nur für Melkendorf. Man sei immer gesprächsbereit - mit Bürgern ebenso wie mit Investoren.