Am Montag hat der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) verkündet, dass die Impfzentren und die niedergelassenen Ärzte in Bayern ab sofort Auffrischungsimpfungen anbieten können. Das wird auch der Landkreis Kulmbach tun: "Ab 23. August sind Dritt- bzw. Auffrischungsimpfungen im Impfzentrum für bestimmte Personengruppen ohne vorherige Terminvergabe möglich", heißt es seitens der Behörde. Und weiter: "Aufgrund der hohen Anzahl an aktuell noch laufenden Zweitimpfungen, der kurzen Vorlaufzeitzeit sowie des für die Auffrischungen nötigen Impfstoffs ist ein früherer Starttermin leider nicht realisierbar."

Es erfolge seitens des Impfzentrums bzw. des Landkreises keine spezielle Einladung für Auffrischungsimpfungen. Dieses Angebot könne jederzeit im Impfzentrum wahrgenommen werden. Einige wenige Anfragen hätten das Landratsamt bereits in der Vergangenheit erreicht. "Aufgrund der Pressemitteilung des Ministers häufen sich diese nun."

Wie Gesundheitsminister Holetschek betont, sei es von herausragender Bedeutung, die Impfkampagne weiter voranzutreiben. "Auch die Auffrischungsimpfungen werden dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen und die Menschen vor dem Coronavirus zu schützen", erklärt der Leiter des Krisenstabs, Oliver Hempfling. "Vor diesem Hintergrund wird mit den Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen sowie für Personen mit Immunschwäche oder Immunsuppression sowie Pflegebedürftige in ihrer eigenen Häuslichkeit und Höchstbetagte (ab 80 Jahren) begonnen." Voraussetzung sei, dass die Impfung mindestens sechs Monate zurückliege.

Vorgesehen ist laut Landratsamt der Einsatz von mRNA-Impfstoffen, etwa von Biontech oder Moderna. Laut Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz seien diese auch für diejenigen gedacht, die vollständig mit einem Vektorimpfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft sind. Das Landratsamt werde sich vorbereiten, damit die dritte Injektion nicht zulasten der Erst- und Zweitimpfungen gehen wird. Dass die Ständige Impfkommission jetzt auch die Immunisierung von Zwölf- bis 17-Jährigen empfohlen hat, stellt die Behörde vor keine große Herausforderung: "Der Einsatz von Comirnaty/Biontech bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen war schon vor der Empfehlung der Ständigen Impfkommission nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder des Jugendlichen bzw. der Sorgeberechtigten möglich. Bereits am 24. Juli fand eine Sonderimpfaktion für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren im Impfzentrum Kulmbach statt. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, dort auch ohne vorherige Terminvereinbarung eine Corona-Schutzimpfung zu erhalten."

Dass sie vom Start der Drittimpfungen am Montag aus dem Radio erfahren hat, ist für die Ärztliche Leiterin des Impfzentrums, Anja Tischer, bezeichnend: "Das zieht sich schon durch die ganze Corona-Krise." Die Ärzte würden noch auf die Impfverordnung warten, die für den heutigen 18. August angekündigt ist.

Start in den Heimen

Aus ihrer Sicht als Hausärztin - Anja Tischer betreibt in Thurnau eine Gemeinschaftspraxis mit Volker Seitter - hat sie schon damit gerechnet, dass dieser Schritt kommen wird. Sie geht davon aus, dass die Hausärzte nach den Sommerferien ("Derzeit sind viele in Urlaub") damit beginnen, in den Heimen zu impfen. Sie verweist zudem auf den logistischen Aufwand, ein mobiles Impfteam auf die Beine zu stellen. "So was will geplant sein und ist nicht ohne Weiteres aus dem Ärmel geschüttelt." Für wichtiger als die Drittimpfungen hält Anja Tischer jedoch die Immunisierung von Erwachsenen, die bisher noch keine Erstimpfung erhalten haben.

Dass die Stiko nun auch die Verabreichung der Vakzine an die Zwölf- bis 17-Jährigen empfiehlt, ist für sie die richtige Entscheidung. "Denn damit schützt man auch die Personen, die die Kinder anstecken könnten", sagt sie und meint damit Menschen mit geschwächter oder unterdrückter Immunabwehr.