Noch ist bei Michael Seidl alles wie gehabt, möchte man sagen. Die Kunden, die seinen Edeka-Markt Am Goldenen Feld betreten, tragen vorschriftsmäßig FFP2-Masken. Ein Anblick, der sich ab Montag radikal ändern dürfte - jedenfalls auf einer Seite der Theken und Kassen, denn: Am 4. April fällt die Maskenpflicht im Einzelhandel, also auch im Supermarkt. Für die Mitarbeitenden soll zunächst weiterhin gelten, dass zum Schutz vor Ansteckung der Mund-Nasen-Schutz getragen wird. "Wir sind dazu noch in einer internen Abstimmung", sagt Seidl.

Kunden sind aber auch bei ihm im Laden von der Pflicht entbunden. "Es ist natürlich erlaubt, auf freiwilliger Basis weiterhin Maske bei uns tragen." Er hätte über das Hausrecht für seine Filiale auch anders entscheiden können, sagt er. "Natürlich denkt man drüber nach, es geht ja immer noch um den Gesundheitsschutz von Menschen. Aber ich weiß auch: Alle meine Mitbewerber lassen die Maskenpflicht fallen. Da ergeben sich Wettbewerbsnachteile, über die man, ganz ehrlich, in der heutigen Zeit zweimal nachdenkt."

Diverse Ausfälle

Das bedeute nicht, dass Michael Seidl die Lockerungen nach zwei Jahren nicht begrüße. "Ich persönlich freue mich. Aber aus unternehmerischer Sicht muss ich mehr im Blick haben als das. Da spielen Personalausfälle wegen Corona-Infektionen noch immer eine große Rolle, weil Infizierte automatisch mehrere Tage in Quarantäne müssen. Anders sähe es aus, wenn auch diese Regeln geändert würden, also nicht jeder daheimbleiben muss, nur weil er positiv getestet wurde, obwohl er keine Symptome zeigt und die Ansteckungsgefahr gering ist. Dann wäre es eine Krankheit wie jede andere. Aber so ist der Krankenstand per se höher, weil Mitarbeitende wegen dieser Vorgaben daheimbleiben müssen, die ansonsten aber zur Arbeit kämen." Solange sich an der Regelung nichts ändert, bleibe die Lage schwierig.

Andere Hygieneangebote will Seidl weiterhin beibehalten. "Die bewährten Desinfektionsstände, etwa am Eingang, bleiben stehen. Rein gesetzlich bräuchten wir auch das nicht mehr, aber ich halte es für sinnvoll, gerade in einem Lebensmittelbetrieb."

Kein Abstandsgebot mehr

Die Hinweisschilder, auf denen die Kunden auf die nötigen Abstände hingewiesen werden, sollen hingegen wegfallen. Gleiches gilt für die Markierungen auf den Flurböden. "Das heißt nicht, dass wir uns nicht freuen, wenn die Kunden freiwillig darauf achten würden. Man muss beobachten, wie die Menschen drauf reagieren. Da muss sich vieles erst wieder einspielen."

Aus einer zentralen Stellungnahme von Edeka Deutschland heißt es ergänzend dazu, man wolle in allen Filialen ab kommender Woche die Maskenpflicht nicht grundsätzlich aufrechterhalten. "Da fehlen uns die Möglichkeiten der Kontrollen", wird eine Sprecherin der Supermarktkette zitiert. Das Unternehmen empfehle zwar weiterhin das freiwillige Tragen einer medizinischen Maske, um sowohl Kunden wie auch Mitarbeitende zu schützen. "Leider hat der Gesetzgeber mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden kann", kritisiert Edeka die Entscheidung aus Berlin. Man könne daher nicht erwarten, dass man mithilfe des Hausrechts weiterhin eine Maskenpflicht durchsetzen werde.

Konzerne agieren gleich

Der gleiche Tenor kommt aus den Zentralen von Lidl und Aldi. Bei der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, heißt es, man werde sich an den Coronaregeln der Bundesländer und der Arbeitsschutzverordnung orientieren und diese umsetzen. Aldi Nord gab bekannt: Wo es keine rechtliche Vorgabe mehr gibt, empfehle das Unternehmen dennoch weiterhin, freiwillig eine Maske zu tragen. Genauso setzt es Jutta Hollweg im Rewe-Markt in der Lichtenfelser Straße um. "Auch bei uns entfällt die Pflicht für Kunden und Mitarbeitende. Wer die Maske aus persönlichen Gründen weiter tragen möchte, kann das selbstverständlich tun." So laute auch die Vorgabe aus der Zentrale.

Die aktuellen Inzidenzen

Kulmbach Im Landkreis Kulmbach wurden am gestrigen Freitag weitere 189 Coronavirus-Fälle bestätigt. Von den aktuellen Fällen fallen demnach 1922 in die letzten sieben Tage. Der 7-Tage-Inzidenz-Wert pro 100.000 Einwohner sinkt damit auf 2690,8.

Bedauerlicherweise sind erneut zwei weitere Todesfälle in Zusammenhang mit Corona zu beklagen. Die Anzahl der mit einer Coronavirus-Infektion in Zusammenhang stehenden Todesfälle beträgt nun 148. Aktuell sind 2532 Fälle registriert. Im Klinikum stationär betreut werden 31 Personen. Die Zahl der Gesamt-Infektionen beläuft sich auf 20.530.

Lichtenfels In der zurückliegenden Woche stieg die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus im Landkreis Lichtenfels erneut stark an, damit einhergehend erhöhte sich auch die Sieben-Tage-Inzidenz. Sie lag am Freitag laut RKI bei 2819,2. Damit waren 4035 Personen mit dem Corona-Virus infiziert.

Kronach 159 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und eine Inzidenz von 2302,8 meldete am Freitag der Landkreis Kronach. Die Inzidenz dort hatte am Montag noch bei 3176,9 gelegen.

Bayreuth Im Landkreis Bayreuth haben von Donnerstag auf Freitag insgesamt 321 Personen ein positives Testergebnis erhalten, die Inzidenz betrug zuletzt 2031,3. Die kreisfreie Stadt Bayreuth hat 196 Neuinfizierte bei einer Inzidenz von 1744,8 bestätigt