Mainleus hat mit Bettina Seliger eine Quartiersmanagerin. Aber was macht eigentlich eine Quartiersmanagerin? Welche Aufgaben hat sie? Das haben wir die 59-jährige Architektin gefragt, die schon seit längerem auf dem Gebiet tätig ist und in Kürze ein Büro im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Spinnerei beziehen wird. Was ist Ihr Job? Bettina Seliger: Im Prinzip soll das Quartiersmanagement die Brücke bilden zwischen den Bürgern und der Verwaltung, wenn es um Fragen der Städtebauförderung und Ortsentwicklung geht. Jeder interessierte Bürger kann mich kontaktieren. Zudem versuche ich die Verwaltung zu entlasten, die mit ihren Pflichtaufgaben genug zu tun hat. Mainleus hat ein Sanierungsgebiet ausgewiesen, innerhalb dessen Grenzen auch private Maßnahmen von Hausbesitzern bezuschusst werden können. Das stimmt. Dafür gibt es das kommunale Fassadenförderprogramm des Marktes Mainleus, mit dem die gestalterische Aufwertung von Fassaden und Außenanlagen finanziell unterstützt werden kann. Dazu kommt noch der Verfügungsfonds, der ein wichtiges Instrument zum Anstoß kleinerer privater Investitionen ist. Diese Maßnahmen können - wenn sie der Ortsentwicklung dienen - mit bis zu 50 Prozent bezuschusst werden. Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne an mich wenden. Bei dem Sanierungsgebiet geht es aber nicht nur um einzelne Häuser. Nein, es geht um die Aufwertung des öffentlichen Raumes in Mainleus mit Plätzen, Straßen und natürlich dem großen Gebiet der Industriebrache alte Spinnerei. Ein zentraler Abschnitt zieht sich vom Rathaus bis zum Konrad-Popp-Platz. Ich spreche in diesem Zusammenhang übrigens nicht gerne vom Sanierungsgebiet, wie es offiziell heißt, sondern von einem Erneuerungsgebiet. Es geht dabei auch um die Beseitigung von Leerständen, was nicht zwangsläufig einen Abriss bedeuten muss, sondern auch Wiederbelebung. Ziel ist eine vitale und lebendige Ortsmitte. Früher war der Konrad-Popp-Platz ja auch richtig lebendig. Ihr neues Büro befindet sich symbolträchtig in der Spinnereistraße im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kulmbacher Spinnerei. Ja. Das Quartiersmanagement-Büro wurde auch extra im Erdgeschoss, gut sichtbar für die Besucher eingerichtet. Die Kontaktschwelle soll möglichst niedrig sein. Die Einbindung der Bürger ist sehr wichtig. Sie sollen sagen, was sie wünschen. Ziel ist, die Gemeinde zukunftssicher zu machen, alle Generationen sollen sich hier wohlfühlen. Die Leute sollen stolz sagen: ,Ich wohne in der Gemeinde Mainleus'. Welche Projekte haben Sie schon konkret umgesetzt? Das Impulsprojekt war die Einbindung der Vereine in die Neugestaltung des Mainleuser Adventsmarkts. Die Fahrzeugausstellung ,Mainleus Moto' war dann die erste große Veranstaltung. Für die Neugestaltung des Konrad-Popp-Platzes soll jetzt eine Planungswerkstatt ins Leben gerufen werden, in der es darum geht, die Aufenthaltsqualität in dem Bereich zu verbessern. Dabei geht es um die Parkplatzsituation, Beleuchtung, Grün, Sitzbänke, Brunnen - all diese Dinge sollen in dem Workshop besprochen werden. Als die Gemeinde den Schwarzen Adler gekauft hat, gab es das Entwicklungskonzept noch nicht. Man muss schauen, ob die Neugestaltung des Konrad-Popp-Platzes Auswirkungen auf das ehemalige Gasthaus hat. Ich denke, dass es in der Bevölkerung dafür Ideen gibt. Ich bin dazu in enger Abstimmung mit dem Bürgermeister und den Planern. Wichtig ist natürlich die Finanzierung - zu der gab es schon Gespräche mit der Regierung. Wie ist der Sachstand bei der Spinnerei? Aktuell arbeiten wir auf den Start der Arbeiten hin. Beginn ist damit, dass Gebäude, die unstrittig nicht erhaltenswert sind, abgerissen werden. Parallel dazu sollen erhaltenswerte Gebäude Schritt für Schritt wieder einer Nutzung zugeführt werden. Es ist mir auch ein großes Anliegen, die Park- und Grünbereiche zu schaffen. Wenn die ersten Ansiedlungen kommen, soll nicht das Gefühl entstehen, auf einer Baustelle zu leben. Mainleus ist ja nicht der einzige Ort, den sie als Quartiersmanagerin betreuen beziehungsweise mitentwickeln. Richtig. Seit 2014 bin ich auch in Teuschnitz im Landkreis Kronach tätig. Teuschnitz ist wie Mainleus in der Städtebauförderung. Die Ausgangslage ist ähnlich, aber die Rahmenbedingungen unterscheiden sich. Jede Kommune tickt anders, darauf muss man als Quartiersmanagerin eingehen. Die Leute müssen Vertrauen zu einem fassen. Das Büro, für das Sie arbeiten, konzentriert sich ja auf solche Projekte. Die Firma Cima, für die ich tätig bin, ist auf die Entwicklung von Stadt und Land spezialisiert. Fast 90 Mitarbeiter - Geografen, Städteplaner, Architekten - sind an sieben Standorten tätig. Ich hatte Glück, als gebürtige Wernsteinerin hier arbeiten zu können. Was ist das Wichtigste an Ihrem Job? Geduld. Keine Schnellschüsse. Immer das Ganze im Blick haben. In Mainleus ist ein Prozess am Laufen, der sich über zehn bis 15 Jahre zieht.

Kontakt:

Das Büro des Quartiersmanagements in der Spinnereistraße 9 ist ab 22. November in der Regel dienstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Bettina Seliger ist in dieser Zeit unter Telefon 09229/ 798838 erreichbar. Weitere Termine sind nach individueller Absprache möglich. E-Mail: quartiersmanagement@mainleus.de