Um nicht weniger als die Wiedererstehung eines europäischen Kulturdenkmals geht es in einem Buch, das der Förderkreis zur Erhaltung und Verschönerung der Kulturlandschaft im Bereich der Gemeinde Himmelkron Anfang 2021 herausgeben wird. Der Titel des Werks: "Die Baille-Maille-Lindenallee zu Himmelkron".

160 Seiten mit vielen Bildern

Autor dieses 160-seitigen Heimatbuchs mit zahlreichen Fotos, Grafiken und Zeichnungen ist der frühere Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Himmelkron, Reinhard Stelzer. Bereits 2016, als er eine 24-seitige Broschüre über die berühmte Lindenallee veröffentlichte, hatte er die Idee zu diesem Projekt, die den kunst- und kulturbegeisterten Goldkronacher nicht mehr losließ.

Unterstützt wurde Stelzer von der ersten Minute an von Inge Tischer, der Vorsitzenden des Förderkreises, und deren Ehemann Erwin, der das Amt des Schriftführers ausübt. Mit dem Buch soll nachfolgenden Generationen die einmalige Geschichte der Wiederanpflanzung der Baille-Maille-Lindenallee aufgezeigt werden.

Spurensuche beginnt in Italien

Der Autor nimmt die Leser mit auf eine Reise in die Geschichte der Ballspiele. Seine Spurensuche beginnt in Italien im 15. Jahrhundert und führt, wie sollte es anders sein, zum Sonnenkönig Ludwig XIV. nach Versailles im 18. Jahrhundert. "Der König von Frankreich war begeisterter ,Jeu de Mail'-Spieler. Dadurch wurde das - heute längst vergessene Spiel - schnell en vogue", weiß Stelzer.

Die 600 bis 1000 Meter langen Spielbahnen, umsäumt von prächtigen Linden, könne man an 64 ehemaligen Adelshöfen in nicht wenigen als elf Ländern Europas nachweisen. In England habe man das Spiel "Pall Mall" genannt, in Deutschland "Baille Maille".

Wie kam dieses Spiel aber nach Himmelkron? "Der oftmals in seiner Bedeutung unterschätzte Markgraf Christian Ernst von Bayreuth-Brandenburg regierte von 1661 bis 1712. Bereits 1664 begann er mit der Anlage einer Baille-Maille-Spielanlage an seiner Sommerresidenz", so Stelzer. Auch die folgenden Regenten seien oft und gerne in Himmelkron gewesen. "Reiherjagden, Theaterspiele, stattliche Empfänge und eben das Baille-Maille-Spiel sorgten für Abwechslung. Wilhelmine, die preußische Königstochter und Markgräfin von Bayreuth, schwärmte von der barocken Spielanlage." Auch ihr Ehegatte, Friedrich III., war begeisterter Maille-Spieler. Anlagen gab es auch im heutigen Hofgarten in Bayreuth und in der Eremitage.

1792 abgeholzt

Doch es gab auch schlimme Zeiten: 1792 ließen die neuen preußischen Besitzer die alten Lindenbäume fällen, der Protest der Bürger war groß. Das Lindenholz sollte große Gewinne einbringen, ein Trugschluss, wie Reinhard Stelzer aus den im Staatsarchiv Bamberg gelagerten Akten feststellen konnte.

In einem weiteren Teil schildert der Autor das mühevolle Ringen des 1984 gegründeten Förderkreises um die Wiedererrichtung der historischen Baille-Maille-Lindenallee. Stelzer hat die Entwicklung wie kaum ein anderer hautnah miterlebt: "Wie zu erwarten, kam es zu heftigen Diskussionen. Das Projekt wurde als undurchführbar oder Utopie bezeichnet."

Anfangs viele Zweifel

Nur wenige Personen waren anfangs von dem Projekt überzeugt. Darauf lässt ein Auszug aus der Gemeinderatssitzung vom 14. Oktober 1986 schließen, als es um den Zuschussantrag des Förderkreises über 11 000 D-Mark in zwei Jahresraten ging. Gemeinderat Hans-Günther Naefken wagte damals eine Voraussage: "Es soll hier eine Attraktion geschaffen werden, die vielleicht in 30 Jahren einmalig in Deutschland ist". Naefken sollte Recht behalten.

Das Glück war aber auch auf Seite des noch jungen Vereins unter der Leitung des damaligen Bürgermeister Andi Krainhöfner. Stelzer: "Zahlreiche Spender aus der Wirtschaft gaben den finanziellen Startschuss für die erste Anpflanzung. Auch die Zahl der politischen Unterstützer wuchs."

Detailreich beschreibt Stelzer die Entwicklungen der Baille-Maille-Allee in Text und Bild. Er kommt in dem Buch zum Ergebnis, dass hinter dieser einmaligen Erfolgsgeschichte Menschen stehen: "Heute präsentiert sich der Vorstand, an dessen Spitze seit 2010 die tatkräftige Vorsitzende Inge Tischer steht, mit zahlreichen Aktionen und neuen Ideen. 1000 ehrenamtliche Stunden sind übrigens Voraussetzung, um die Allee den jährlich 30000 Besuchern so zur Verfügung zu stellen."

Kosten gespart

Viele Stunden des Korrekturlesens brachte Schriftführer Erwin Tischer ein. Zweiter Lektor war Adam Engelhardt. Durch diese Unterstützung konnten auch Kosten gespart werden.

Am Ende des Buches, das dem Autor ein Jahr Mühe und Arbeit kostete, findet sich ein Wort Goethes: "Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen. Wer beschützt und erhält, hat das schönste Los gewonnen". Ein passenderes Ende hätte er nicht finden können.

Was sagt die Vorsitzende?

Wir haben uns darüber mit Inge Tischer, der Vorsitzenden des Förderkreises, unterhalten.

War der Autor schnell gefunden?

Inge Tischer: Mit Reinhard Stelzer, zugleich Gründungsmitglied des Förderkreises, verbindet uns eine über 34-jährige, sehr gute Zusammenarbeit auf kultureller Ebene. Mit dem fundierten Wissen des Autors über die markgräfliche Geschichte Himmelkrons sowie durch die Archivierung der Vereinsniederschriften seit 1984 durch Schriftführer Erwin Tischer war die Grundlage für dieses Werk gelegt.

Was will der Förderkreis mit diesem Buchprojekt erreichen?

Das umfassende Werk beschreibt das neu entstandene "Juwel der Region" in seiner Ganzheit. Die markgräfliche Geschichte, die Idee und das bürgerschaftliche Engagement bei der Neuanlage sowie die Weiterentwicklung bis heute werden ausführlich beleuchtet.

Es ist außergewöhnlich, dass die Herausgabe zur Hälfte mit Sponsorengeldern ermöglich wurde. Was war ausschlaggebend dafür?

Das Buch ist ein nachhaltiges Informationswerk für nachfolgende Generationen und als Geschenk zu besonderen Anlässen sowie zur Auslage in Museen oder Schlossanlagen der Region gedacht. Förderstellen und Sponsoren sahen die Bedeutung des Projekts. Die Gesamtkosten werden voraussichtlich 12 000 Euro betragen.

Wann wird das Buch präsentiert?

Die Präsentation ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen und richtet sich nach den dann geltenden Coronabestimmungen.